Wer kennt sie mittlerweile nicht, die Slackliner, welche sich in Bodennähe bevorzugt zwischen zwei Bäumen ein Seil spannen, und dann wie Seiltänzer ein paar Zentimeter über dem Boden schweben.
Jonglieren auf einem Seil in Bodennähe als Kinderspiel
Für manche Slackliner ist das reine Gehen auf dem Seil keine besondere Herausforderung mehr. Einige wurden auch schon dabei gesehen, wie sie mit Kegeln jonglierten, und dennoch nicht vom Seil herabfielen. Eine interessante Variante, die jedoch wie ein Kinderspiel anmutet, wenn als Vergleich das Highlinen herangezogen wird.
Von einem in geringer Höhe gespannten Seil herabzupurzeln und auf Gras oder eine sonstige weiche Unterlage zu treffen, ist eine harmlose Angelegenheit. Männer und Frauen haben ihren Spaß daran, ihre Gleichgewichtsfähigkeit zu erproben. Wie aber sieht die Sache in enormer Höhe aus?
Auf dem Seil gehen in mindestens 1.000 Meter Höhe …
Highlinen wird von gar nicht so wenigen Menschen ausgeübt. Zuvor haben die Wagemutigen ihre Fertigkeiten als Slackliner freilich verfeinert. Spagat, Handstand und Salto werden auf der Slackline in der Regel beherrscht. Die besten Destinationen für Highliner befinden sich ab etwa 1.000 Meter Höhe im Gebirge. Kaum einer ist allerdings so lebensmüde und ist ohne Sicherung unterwegs. Einen Absturz aus mindestens 1.000 Meter Höhe wurde kaum einmal von einem Menschen überlebt. Der Highliner ohne Sicherung weiß also, auf was er sich einlässt.
… und auch noch ohne Sicherung bedarf zuvor intensivsten Trainings mit Sicherung
Es wäre völliger Irrsinn, eine Highline in schwindelerregender Höhe ohne ausreichendes Training bewältigen zu wollen. Der Highliner verfeinert seine Fähigkeiten, indem er immer und immer wieder die schwierigsten Highline-Strecken mit Sicherung begeht. Erst wenn er sich absolut sicher ist, die Highline ohne jegliche Sicherung schaffen zu können, macht er sich an die diesbezügliche Arbeit. Von außen betrachtet ist es der reine Wahnsinn, diese Art von Sport, die bei einem auch nur winzigen Konzentrationsfehler den Absturz und somit den Tod für den Ausübenden bedeuten kann.
Dean Potter ist einer von wenigen Extrem-Highlinern …
Die Fähigkeit, auf dem Hochseil gehen zu können, ist das Eine. Dies unter extremen Bedingungen zu tun, wie sie in großer Höhe herrschen, verlangt außerordentliche mentale Fähigkeiten, und das ist das Andere. Einer der erstaunlichsten Highliner weltweit ist zweifellos Dean Potter. Er bewältigte eine Highline am Lost Arrow Spire, Yosemite. Mehr Nervenkitzel kann sich der Zuschauer kaum vorstellen.
… und beherrscht auch noch andere Extrem-Disziplinen
Dean Potter ist nicht nur Highliner. Vielmehr ist es nur eine von mehreren extremen Disziplinen, die der aus New Hampshire stammende Mann (geboren am 18. Jänner 1972) beherrscht. Er ist im Free solo (Klettern im Alleingang, wobei auf technische Hilfs- und Sicherungsmittel verzichtet wird), und im Speed-Climbing (Klettern im Top-Rote mit Sicherung) ein Meister seines Fachs.
Am Limit für die Hubers und Dean Potter
Die Huber-Brüder sind ebenfalls im Highlinen zur Weltklasse zu zählen. Jedoch agieren sie mit Sicherung. Im ausgezeichneten Film Am Limit stehen die Brüder und deren Leistungen als Extremkletterer im Mittelpunkt. Und in einem solchen Film, wo es um Klettern in extremis geht, darf Dean Potter nicht fehlen.
Highlinen und Jonglieren als Megakick?
Manche Menschen stecken sich extrem hohe Ziele. Und sehr wenige gehen ungesichert in unfassbarer Höhe über ein Seil. Dean Potter ist ein Pionier im Highlinen. Wie es ein Mensch schaffen kann, eine in mentaler Hinsicht unmöglich nachzuvollziehende Leistung zu erbringen, bleibt dem Bodenpersonal ein Rätsel, das sich gerne im Slacklinen versucht.
Highlinen und Jonglieren wäre aber selbst für Dean Potter des Guten zuviel. Vielleicht.
