
- Desert Seal Solarzelt von Architecture + Vision - Architecture and Vision, Mauro Mattioli
Idee und Entwurf des aufblasbaren Zelts „Desert Seal“ für heiße, wüstenhafte Regionen leiten sich aus dem dortigen extremen Mikroklima ab: Tagsüber nehmen die Temperaturen erheblich ab, je weiter man sich vom Boden entfernt – ein Effekt, den auch Tiere wie zum Beispiel Kamele als auch deren Reiter nutzen.
Transportiert wird die Konstruktion komplett zusammengerollt. Das ganze Zelt wird dann mittels einer Pumpe aufgeblasen. Anschließend werden – wie von herkömmlichen Zelten bekannt – Heringe gesetzt, die Luftmatratze eingelegt und das Solarpaneel auf der Vorderseite des Wüstenzeltes festgezurrt.
Energieautark im Wüstensand
Ein Ventilator bläst von oben konstant kühlere Luft in das Zelt ein; angetrieben wird er von einem flexiblen Solarpaneel, das auf dem Zelt befestigt ist. Batterien speichern die Energie, um auch nachts, wenn die Temperaturen direkt über Grund stark abnehmen, wärmere Luft nach unten zu schaufeln.
Ein leichter Überdruck im Inneren stabilisiert das kleine Zelt zusätzlich zur Struktur aus aufblasbaren, polyurethanbeschichteten Röhren aus Polyethylen. Ein Abschlusselement am oberen Ende des Zeltes aus zwei Millimeter starkem Aluminium wirkt stabilisierend: Die Aluröhren sind mit den pneumatischen Röhren verklebt. Die Aluminiumbleche halten Ventilator und Luftauslass in Position.
Eine Sand- und Staubschutzabdeckung aus Polyethylen und ein Sand- und Staubfilter aus Kunststoffvlies halten die Luft im Zelt sauber. Die Außenhaut aus aluminiumbeschichtetem Polyester wirkt tagsüber hitzereflektierend, ein entscheidendes Element bei den extrem hohen Temperaturen.
Leicht und stabil
Das Desert Seal misst im aufgebauten Zustand etwa 235 x 125 x 226 Zentimeter (Länge x Breite x Höhe) und wiegt fünf Kilogramm. Es kann Windgeschwindigkeiten bis zu 120 Kilometern pro Stunde standhalten. Das flexible Solarpaneel bringt eine Leistung von 4,5 Watt, der Akku hat 12 Volt. Die Leistung der Solarzellen reicht aus, um den kleinen 12 Volt-Ventilator für die Lüftung des Zeltes und ein LED Licht im Innern des Zeltes für die Nacht zu betreiben.
Wie im Himmel, so auf Erden
Das Konzept des Desert Seal geht aus einem Technologietransferprogramm der ESA hervor. Schon von Anfang an wurden in der Raumfahrt aufblasbare Konstruktionen eingesetzt und sind in der Zukunft als Unterkunftsmöglichkeit auf Mond und Mars vorgesehen. Das minimale Transportvolumen und Gewicht pneumatischer Strukturen und ein großes Feld an Einsatzmöglichkeiten sind entscheidend für die Raumfahrt. Die Nutzung von Energie-Ressourcen vor Ort reduziert zusätzliche Ausrüstung und damit Transportgewicht. Die Extremtemperaturen im All lassen sich auch auf der Erde finden, wie zum Beispiel in Wüstengebieten, wo es tagsüber extrem heiß und nachts ebenso kalt ist. Das flexible und ebenso leichtgewichtige Solarpaneel wurde ebenfalls in der Raumfahrt getestet und hat sich bewährt.
Das innovative und ästhetische Design ist nicht nur für Wüsten- und Weltraumexpeditionen interessant, sondern begeistert auch Museumskuratoren und hat so bereits seinen Weg in die Sammlung des MoMA in New York gefunden.
Architekt: Architecture and Vision, München/Bomarzo, Arturo Vittori, Andreas Vogler
Tragwerksplanung und Herstellung: AeroSekur, Aprilia, Italien
