Hilfe gegen Alkoholsucht und Alkoholismus ist notwendig

Alkoholkranke brauchen Hilfe - Gerd Altmann/Pixelio.de
Alkoholkranke brauchen Hilfe - Gerd Altmann/Pixelio.de
Rund 1,5 Millionen Bundesbürger gelten als alkoholsüchtig. Die Dunkelziffer ist sechs mal so hoch. „Allein gegen den Alkohol" ist schwierig bis unmöglich.

„So viel trinke ich doch gar nicht, und die anderen trinken doch viel mehr“ ist der beliebte Standardsatz, wenn Alkoholgefährdete oder -kranke auf ihr regelmäßiges Trinkverhalten angesprochen werden. Der erste, wichtigste Schritt aber ist nicht diese Ausrede des Betroffenen, sondern seine eigene Erkenntnis, alkoholkrank zu sein. Sich selbst zu beobachten und diese Erkenntnis zu gewinnen, ist für viele die erste (fast) unüberwindbare Hürde, wieder Herr über sich selbst zu werden und einen erfolgreichen Kampf führen zu können. Jeder Alkoholkranke braucht hierbei Hilfe. Hinzu kommt, dass die Alkoholabhängigkeit und deren Symptome, ihre Ursachen und ihre Folgen erst dann Bedeutung beim Betroffenen gewinnen, wenn diese Erkenntnis über die eigene Sucht gereift ist. Vorher bleibt es nur bei Ausreden und dürftigen, fadenscheinigen Begründungen für den eigenen Alkoholkonsum.

Symptome der Alkoholsucht

Der Betroffene spürt seine Alkoholabhängigkeit im Normalfall nicht, denn die Sucht ist ganz langsam durch Gewohnheit und langsame Steigerung der Mengen gewachsen. Meistens geht die Steigerung der Menge der „weichen Suchtmittel“ mit dem gelegentlichen bis ständigen Verzehr von „harten Suchtmitteln“ wie Schnaps einher. Die Alkoholsucht und -krankheit tritt „normalerweise“ dann auf, wenn zwei Dinge zusammenwirken: Alkoholkonsum über viele Jahre oder gar Jahrzehnte und genetische Voraussetzungen.Die Medizin spricht dann von Alkoholkrankheit, wenn während des letzten Jahres mehr als zwei der nachfolgenden sechs Kriterien (Quelle und Zitat: DHS, Alkohol) festzustellen sind:

  • "Es besteht ein immer stärkeres Bedürfnis, Alkohol zu sich zu nehmen; zuerst in Gesellschaft, in einem späteren Stadium je nach Charakter des Betroffenen in Gesellschaft, allein oder auch heimlich.
  • Anfang, Ende und Menge des Alkoholkonsums wird weniger wahrgenommen, weil der innere Lebensrhythmus auf dessen Verzehr abgestimmt ist..
  • Der Körper sagt, er brauche jetzt den Alkohol: er lechzt nach Alkohol und wird unruhig. Manchmal zeigen das auch „zittrige Hände“.
  • Um die gleiche Alkoholwirkung zu erzeugen, werden größere Mengen erforderlich, weil der Körper durch ständige Gewöhnung "trinkfester" geworden ist.
  • Der Alkohol rutscht immer mehr ins Zentrum des täglichen Lebens: Andere Vergnügungen oder Interessen werden zunehmend für unwichtig erachtet und vernachlässigt. Der Unternehmungsgeist für andere Dinge erlahmt.
  • Der Alkoholkonsum wird trotz nachweisbarer eindeutiger schädlicher Folgen körperlicher, sozialer oder psychischer Art fortgesetzt."

Alkoholsucht ist eine Krankheit

Alkoholismus ist seit 1968 als Krankheit anerkannt. Damit fällt seitdem die Behandlung dieser Krankheit in die Zuständigkeit der Krankenkassen und der Rentenversicherung. Nach dem „Jahrbuch Sucht 2010“ der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) gelten 1,5 Millionen Bundesbürger als alkoholabhängig. Alkohol erzeugt bei Alkoholkranken meistens Abhängigkeit in rein körperlicher, aber auch psychischer Hinsicht, zumal Alkohol überall und jeder Tages- und Nachtzeit verfügbar und sein Konsum gesellschaftlich zu jedem Anlass gefördert wird.. Darin besteht sein besonderes Gefährdungspotenzial. 20 Prozent der Menschen, die regelmäßig Alkohol zu sich nehmen, können alkoholkrank und damit abhängig bis stark abhängig werden, während die übrigen 80 Prozent „nur“ ihren Körper schädigen: Nervenleiden, Nervenkrankheiten und Depressionen, der Abbau von Zellen vorrangig im Gehirn, Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse und die Rückbildung von Organen und Geweben sind die bekanntesten Folgen

Hilfe bei der Bekämpfung der Alkoholsucht

Die Bekämpfung der Alkoholsucht geschieht oftmals mit fremder, meist ärztlicher Hilfe, jedoch ist ein Erfolg nur möglich, wenn der Kopf und die Einsicht mitspielen. Aber selbst dann kann sich noch zeitweise die Sucht durchsetzen. Beispiel: Mehrere Versuche sind notwendig, bis es beim letzten Versuch klappt. Und es gibt meist bedauerlich Rückfälle, in denen die Sucht vorübergehend über die Einsicht „gewinnt“. Hier benötigt der Alkoholkranke Hilfe von außen durch den Lebenspartner oder die Lebenspartnerin als Ko-Abhängige oder durch Selbsthilfe-Organisationen vor Ort. Organisationen gegen die Sucht sind zum Beispiel die Guttempler, die Anonymen Alkoholiker, die Blaukreuzler und der Kreuzbund (alle Links mit weiterführenden Links). Die beiden erstgenannten Organisationen haben auch spezielle Gesprächsgruppen für die Lebenspartner, die durch die Krankheit ihres Lebenspartners starke eigene Probleme als Ko-Abhängige haben und Hilfe und Tipps für den Umgang mit dem Betroffenen und mit sich selbst erhalten können.

Schritte gegen die Alkoholsucht

Folgende Schritte gegen die Alkoholsucht sollten der Reihe nach unternommen werden, weil dieser Weg schon oft erfolgreich begangen wurde:

  • Der Betroffene muss merken, dass er alkoholkrank ist, und wollen, dass er nicht mehr süchtig ist. Ohne eigene Einsicht klappt gar nichts.
  • Einen Arzt aufsuchen, das Problem besprechen. Meist kann der Arzt eine Selbsthilfe-Organisation in der Nähe benennen, die erfolgreich arbeitet.
  • Kontakt mit der Organisation aufnehmen. Die erste Kontaktaufnahme kann und sollte durch den Alkoholsüchtigen oder nur mit dessen Einwilligung durch den Ko-Abhängigen geschehen.
  • Mit Hilfe dieser Selbsthilfe-Organisationen gelingt meist noch am selben Tag die Einweisung in eine eigens darauf spezialisierte Klinik zur 10-tägigen Entgiftung.
  • Danach Aufnahme des gewohnten Lebensrhythmus und regelmäßiger wöchentlicher Besuch des Treffens der Betroffenen.

Alkohol macht einsam, lässt die Kommunikationsbereitschaft und -fähigkeit abnehmen, verändert die Persönlichkeit grundlegend und verhindert Sensibilität. Der Alkoholsüchtige sollte sich auf seinem Weg zurück in die Gesellschaft jeden erfolgreichen Tag auf diesem Weg belohnen: Einfach etwas „Schönes“ ohne Alkohol genießen.

Alkohol: Heute blau, morgen blau: Wann wird Alkohol gefährlich?

Bildnachweis: © Gerd Altmann/Pixelio.de

Dieter Helmut, Dieter Helmut

Dieter Helmut - Dieter Helmut ist Jurist im Ruhestand und schreibt seit Dezember 2010 für suite101. Seine Themenschwerpunkte sind aktuelle ...

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