Himeji - Faszinierendes Samurai-Schloss in Japan

Traditionell erhaltenes Schloss glänzt mit Prunk und Geschichte

Samurai-Schloss Himeji - Widar Wendt
Samurai-Schloss Himeji - Widar Wendt
Ein Besuch des Himeji-Schlosses ist ein Erlebnis für die ganze Familie, denn die Festung ist das Highlight in Sachen japanischer Militärgeschichte.

Japan sorgt in erster Linie mit seinem technologischen Fortschritt immer wieder für internationales Aufsehen. Daneben ist es aber insbesondere die traditionsreiche Geschichte, die sich in unzähligen historischen Kunst- und Bauwerken widerspiegelt, die zahlreiche Touristen ins Land der Kirschblüte lockt. Das im traditionellen Stil erhaltene Schloss Himeji gehört zu den spektakulärsten Sehenswürdigkeiten.

Schloss Himeji: Imposantestes Bauwerk Japans

Hoch empor über das junge Industriegebiet Harima ragen die weißen Bauten der Schlossanlage Himeji, eines der ältesten erhaltenen Bauwerke Japans. Die ersten Bauten wurden bereits im 14. Jahrhundert errichtet, aber wesentliche Palastbereiche wurden im 17. Jahrhundert ergänzt. Im Gegensatz zu vielen anderen Schlössern und Burgen wurde Himeji nie in Kriegen, Erdbeben oder Feuern zerstört und konnte in seiner ursprünglichen Form überdauern. So wundert es nicht, dass die Anlage zu den bedeutendsten Kulturschätzen Japans zählt und 1993 von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt wurde.

Schloss Himeji – im Japanischen als Himeji-jo bezeichnet – ist mit seinen 83 einzelnen Gebäuden das schönste Beispiel für den japanischen Schloss- und Burgenbau. Der eigentliche Name der Anlage ist Shirasagi-jo („Schloss Weißer Reiher“), eine Anspielung auf die imposanten weißen Außenmauern und gebogenen Dächer, die einem großen Vogel nachempfunden sind, der zum Flug bereit ist. Die architektonische Eleganz, mit der das Schloss konstruiert wurde, ist einzigartig in Japan – dennoch wurde Himeji vor allem als Wehranlage konstruiert und galt einst als uneinnehmbar. Im Gegensatz zu den aus Stein gefertigten Schlössern und Burgen Englands und Westeuropas wurde das Innere des Schlosses aus Holz gebaut. Die massiven Außenmauern sind aus Stein gefertigt und mit weißem Gips überzogen. Das Fundament der Palastanlage besteht aus großen Findlingen, deren Fugen nicht zementiert wurden, sondern mit kleineren Steinen gefüllt wurden, um Erschütterungen durch Erdbeben flexibel ausgleichen zu können.

Rundreise durch eine japanische Samurai-Festung

Besucher können sich in den Palastanlagen mit ihren vielen steinernen Wegen, Toren und geheimen Pfaden schnell verirren. Hier spiegelt die Konstruktion der Anlage eine alte Samurai-Taktik wider, die ursprünglich der Verwirrung feindlicher Truppen und einer längeren Vorbereitungszeit für Verteidigungsmaßnahmen diente. Da Touristen heute allerdings kaum als feindliche Invasoren betrachtet werden, empfiehlt es sich eine Tour durch die Außenanlagen zu buchen. Diese führt unweigerlich zum umzäunten Hof mit einer breiten Aussichtsplattform vor dem Hauptgebäude der Schlossanlage. Hier kann man sich bildlich vorstellen, wie in Ungnade gefallene Samurai zum harakiri, dem ehrenhaften Selbstmord, antraten.

Wer einen Blick auf das Leben zur Zeit der Samurai erhaschen möchte, sollte unbedingt die Hauptgebäude – den Hauptturm (Dai-tenshu) und die drei kleineren Türme (Ko-tenshu) samt den überdachten Verbindungsbrücken (Watari yagura) – genauer besichtigen. Der Hauptturm besteht aus sieben Geschossen, wurde aber derart raffiniert konstruiert, dass nur fünf Etagen von weitem sichtbar sind. Die clevere Konstruktion sollte Invasionstruppen davon abhalten konkrete Berechnungen anzustellen, wie viele Samurai sich im Inneren aufhalten würden. Im spiralförmigen Inneren des Turmes konnten sich die Samurai darüber hinaus schnell und frei bewegen.

Authentisches Palastleben im Japan des 17. Jahrhunderts

Lebensgroße Puppen und nostalgische Möblierung erzeugen ein authentisches Bild des Palastlebens zur Zeit des 17. Jahrhunderts. Von feinen Teezeremonien der damaligen Prinzessin Sen bis hin zu den schlichten, niedrigen Unterkünften der Soldaten können sich Besucher einen detaillierten Überblick über Kultur und Leben der damaligen Zeit verschaffen. Auf der höchsten Etage des Hauptturms thront ein shintoistischer Schrein. Außerdem entschädigt der Rundblick über das weite Land den mühsamen Aufstieg über das für heutige Verhältnisse viel zu niedrige Treppenhaus.

Himeji: Filmkulisse von James Bond bis Tom Cruise

Himeji ist nicht nur ein beliebtes Foto- und Kunstmotiv, das dem ein oder anderen Nicht-Japaner bereits begegnet ist, sondern erlangte internationale Popularität insbesondere durch aufwändige Dreharbeiten. Albert R. Broccolis James Bond-Streifen „Man lebt nur zweimal“ (1976), James Clavells Fernsehserie „Shogun“ (1980) mit Richard Chamberlain, Akira Kurosawas Filmklassiker „Ran“ (1985) und zuletzt Edward Zwicks Epos „Last Samuari“ (2003) mit Tom Cruise in der Hauptrolle wurden vor der prachtvollen Kulisse inszeniert.

Anfahrt, Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Himeji-jo liegt in Japans Kansai-Region im Südwesten der Hauptinsel Honshu, zirka 500 Kilometer westlich von Tokio. Der japanische Expresszug Shinkansen bewältigt die Strecke Tokio – Himeji in dreieinhalb Stunden. Von der JR-Zugstation Himeji ist das Schloss zu Fuß in 15-20 Minuten oder via Nahverkehr und Taxi in 5 Minuten über die Otemae-dori Allee bequem zu erreichen.

Schloss Himeji hat täglich zwischen 9:00 und 17:00 Uhr für Touristen geöffnet (geschlossen nur am 29. und 30. Dezember). Die Eintrittspreise liegen bei ¥600 (ca. €4,80) für Erwachsene und ¥200 (ca. €1,20) für Kinder.

Hinweis: Bauarbeiten am Hauptturm

Grundlegende Restaurierungsarbeiten am Hauptturm des Samurai-Schlosses finden zwischen April 2010 und März 2014 statt. Ab dem 12. April 2010 ist der Hauptturm deshalb eingezäunt. Außerdem wird der Innenbereich bis Anfang 2011 für Besucher nicht zugänglich sein.

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