Himmelraths Uni-Hasserbuch

Eine höchst ironische Abrechnung mit dem Hochschulalltag

Uni-Hasser-Buch - Verlag
Uni-Hasser-Buch - Verlag
Der Kölner Bildungsjournalist Armin Himmelrath hat ein Buch über den täglichen Wahnsinn an deutschen Hochschulen geschrieben.

Das "Handbuch für Unihasser" hat eine zentrale Botschaft: An Universitäten und Fachhochschulen herrschen Bürokratrie, Professorenwillkür, Studentengleichgültigkeit und Organisationsdilletantismus. Und das Schlimme: Alle Verantwortlichen schieben sich den Schwarzen Peter gegenseitig zu.

"Bologna" und keine Ende

"Bologna" und kein Ende: Eigentlich hatten die europäischen Bildungsminister unter diesem Stichwort weitreichende Hochschulreformen verabschiedet, mit der Absicht, die Mobililät der Studenten zu steigern, Abschlüsse und Studienleistungen europaweit besser vergleichen zu können. Doch die Realität und die Zahlen belegen das bisher nicht, befürchtet Himmelrath. Die Umsetzung scheitere an den Fallstricken der deutschen Hochschullandschaft. Himmelrath gibt unter anderem der Kleinstaaterei des Bildungsföderalismus, den Egozentren von Professoren und der Borniertheit der Verwaltungsmitarbeiter die Schuld.

Da erkennt eine Uni die Studienbescheinigung nicht an, weil der Dienststempel einer anderen Uni nicht eckig, sondern rund ist. Der Student wird zurückgeschickt, wohlgemerkt, es geht um Unis in Süddeutschland, nicht um den "europäischen Bildungsraum".

Himmelraths Uni-Tipp Nummer eins lautet dann auch folgerichtig: "Wer an eine Universität oder Fachhochschule gehen möchte, der sollte sich vorher von möglichst allen Erwartungen an Modernität, Kundenorientierung und modernem Sozialverhalten lösen. Denn je niedriger die Erwartungen sind, desto weniger enttäuscht wird man angesichts der Realität sein." Himmelrath gibt einiger solcher Tipps. Sie sind bitterböse und nicht ganz ernst gemeint, hofft man. Doch mit dem jeweils nächsten Chaos-Beispiel, mit denen Himmelrath aufwartet, schwindet diese Hoffnung wieder ein kleines Stück.

Mehr Durcheinander durch mehr Hochschulautonomie?

Zum Beispiel das ZVS-Desaster: Von liberal-konservativen Politikern als zentralistisch gebrandmarkt, wurde die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätze entmachtet, Hochschule durften selbst auswählen - mit dem offenbar von keinem erwarteten Chaos für Bewerber und Unis: "Plötzlich" fiel auf, dass die Studenten in den zulassungsbeschränkten Fächern sich jetzt an Unis einzeln bewerben und auch von mehreren Hochschulen Zusagen bekommen. Und dass Bewerber spät oder gar nicht absagen und dann Plätze nicht besetzt werden. Die ZVS hatte alle leeren Studienplätze besetzen können, jetzt blieben kostbare Plätze unbesetzt.

Strukturen und Personen

Sind es Strukturen, sind es einzelne Personen? Wohl beides. Himmelrath nennt zahllose Beispiele, schreibt der föderalen Zersplitterung in Deutschland ein gehöriges Maß an Verantwortung für den Zustand zu. Wie es grundsätzlich besser werden kann mit Strukturen und dem Verhalten der handelnden Personen, schreibt er nicht. Zu schade. Dann hätte er wirklich den Stein der Weisen der Hochschulpolitik entdeckt. Bis der gefunden wird, gelten Himmelraths ironisch-süffisante Ratschäge. Unter anderem diese: Als Studienanfänger nicht von Bürokratie und Mitarbeiterwillkür abschrecken lassen und vor allem sich nicht einreden lassen, man selbst sei schuld. Und als Studentin sich in Professorengesprächen nicht unterwürfig geben. Und durchaus mal auf Konfrontationskurs gehen.

Armin Himmelrath: Handbuch für Uni-Hasser. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2009.

Klaus Martin Höfer, Robert Frie

Klaus Martin Höfer - Freier Rundfunk-, Print- und Online-Journalist. Ich beschäftige mich mit Hochschul-, Bildungs-, Wissenschafts- und ...

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