Hintergründe: "Nofretete – Die Frau des Pharao"

Wird die durch ihre Büste berühmte Königin auch zum Filmstar?

Nofretete / Büste, Ausschnitt - Jörg Tilmes
Nofretete / Büste, Ausschnitt - Jörg Tilmes
Es gibt wenige Frauen, deren Name so bekannt ist, wie der der schönen Pharaonin. Sie erhält in Berlin ein neues Zuhause, soll nach Ägypten zurück und geht zum Film.

Alle Jahre wieder – nein, nicht etwa Weihnachten ist gemeint, sondern das immerwährende und nie enden wollende Ansinnen des ägyptischen Chefarchäologen Zahi Hawass, der die Büste von Nofretete dauerhaft wieder zurück nach Ägypten holen möchte. Der Auslöser seines Vorstosses aus Februar 2009 ist das Auftauchen eines Dokumentes, welches belegen soll, dass der deutsche Archäologe Ludwig Borchardt die ägyptische Altertümerverwaltung im Jahr 1913 bewusst getäuscht geführt habe.

Dies, in dem er dem Kontrolleur ein besonders schlechtes Foto vorgelegt und die Kalksteinbüste als Gipsplastik bezeichnet haben soll. Ein Brief eines Sekretärs der Deutschen Orientgesellschaft von 1924 sagt aus, dass es eine "Vermogelung des Materials" gegeben habe. Zahi Hawass ist als besonders streitbarer Zeitgenosse bekannt, doch die deutsche Bundesregierung hat seine zahlreichen Bemühungen, die Büste der Nofretete ins Land der Pyramiden zurückzuholen, immer wieder abgewehrt. Zuletzt im Jahr 2007 mit der Begründung, dass die Büste zu alt zum Reisen sei.

Doch umziehen wird die schöne Königin trotzdem – Nofretete und das Neue Museum Berlin

Klaus Wowereit, der Regierende Bürgermeister von Berlin, präsentierte der Öffentlichkeit am 05. März 2009 das renovierte Neue Museum. Der Architekt David Chipperfield erhielt 1997 den Auftrag zur Wiedererweckung der seit dem Krieg nicht wieder genutzten Ruine. Die Bauzeit von 2003 bis 2009 mündete in einem über drei Tage andauernden Tag der offenen Tür. Damit ist die Museumsinsel, die sich aus fünf Museen zusammensetzt und zum Weltkulturerbe gehört, wieder vollständig begehbar. Die Sammlungen des Museums für Vor- und Frühgeschichte sowie des Ägyptischen Museums werden nun im Neuen Museum einziehen: Dort wurde die Büste der Nofretete 1924 erstmals der deutschen Öffentlichkeit präsentiert; ab dem 16. Oktober 2009 wird sie dort auch wieder zu besichtigen sein.

Wer war Nofretete?

Nofretete lebte im 14. Jahrhundert vor Christi als Ehefrau des Pharao Amenophis IV., der seinen Namen seinem Glauben entsprechend in Echnaton änderte. Nofretete gebar ihrem Mann sechs Töchter. Nofretete und Echnaton waren die ersten Pharaonen und wahrscheinlich die ersten Herrscher überhaupt, die ihr Privatleben öffentlich gemacht haben. Dies geschah durch Abbildungen ihrer selbst, in denen das Königspaar wahrheitsgemäßer dargestellt wurde, als die Herrscher vor ihnen.

Darüber hinaus ließen sich Nofretete und Echnaton in privaten Szenen porträtieren; auch mit ihren Kindern und stets beschützt durch die Sonnenscheibe des Gottes Aton, der seine Strahlen auf das Paar wirft. Das Königspaar erhob sich zum einzigen Repräsentanten des neuen Hauptgottes auf Erden, der keiner großen Priesterkaste mit hoher Priesterschaft und Oberpriestern bedurfte. Nach Ausführungen des französischen Forschers Christian Jacq ist nicht erwiesen, ob Nofretete oder Echnaton zuerst gestorben ist; andere Quellen sprechen davon, dass Nofretete ihren Namen geändert und als Semenchkare selbst Thronfolgerin ihres Mannes geworden sei. Wiederum andere Wissenschaftlicher sprechen davon, dass Nofretete verstoßen und verjagt wurde. Ihre Mumie wurde bisher nicht gefunden.

Nofretete – die Frau des Pharao / Nofretete – Der Kampf um Ägypten

Nofretete, neben Cleopatra die wohl schönste und anmutigste Frau des antiken Ägyptens, ist die Hauptfigur eines opulent zu inszenierenden Zweiteilers für das internationale Fernsehen. Der Name Nofretete bedeutet "Die Schöne, die da kommt". Ihr Leben und Wirken bilden den Kern der Story zu diesem Projekt. Jeder kennt die wunderschöne Büste Nofretetes; aber niemand hat seit 1961 einen Spielfilm über diese starke Frau gemacht, die es verstanden hat, der Politik ihres Mannes Echnaton mit ihrer Schönheit und ihrer Klugheit zum Erfolg zu verhelfen. Ebenso wie Echnaton selbst stand Nofretete für die Erneuerung des Glaubens, die Entmachtung der Amun-Priesterschaft und für einen Neubeginn in der vom Königspaar errichteten Stadt Achet-Aton (Tell el Amarna).

Ist Nofretete weltweit so bekannt, dass einem Film über sie die größte Zielgruppe der Welt zuzurechnen ist?

Die Königshäuser des alten Ägyptens – nirgendwo sonst liegen Glück und Grausamkeit, Liebe und Sterben so nahe beisammen, wie zu der Zeit der Pharaonen. Das konfliktreiche Leben einer wunderschönen und starken, oftmals als vorbildhaft modern empfundenen Frau – ein Stoff als bildgewaltiges Epos um Liebe, Leiden, Macht und Tod, zu dem die Frage berechtigt ist, wieso er nicht längst über die Bildschirme der Welt geflimmert ist. Aber deutsche Produzentinnen wie Regina Ziegler produzieren lieber Filme über alte Männer wie Henri IV., anstatt über Frauen wie Nofretete: Kaum eine Frau ist so bekannt auf der Welt, wie Nofretete – was im Gegenzug heißt, dass keine Zielgruppe für einen Film so groß ist, wie die für eine Geschichte um diese Frau.

Das zweiteilige Fernsehprojekt erzählt einerseits die tragisch verlaufende Liebesgeschichte zwischen Nofretete und Thutmosis, einem angesehenen Künstler und Bildhauer aus der Zeit ab 1370 v. Chr., und andererseits Nofretetes Entwicklung und Leben als Pharaonin an der Seite von Echnaton. Um ihr Volk im Kampf zwischen altem und neuem Glauben vor einer Schreckensherrschaft durch die Hohepriesterin Eje zu beschützen, muß Nofretete mitansehen, wie ihre große Liebe einer mörderischen Intrige zum Opfer fällt. Doch Nofretete schlägt zurück. Der Zweiteiler mischt Fiktion und Geschichte ganz im Stile der Fernsehserie "The Tudors – Die Königin und ihr Henker", die mit Jonathan Ryhs-Meyers in der Rolle des englischen Königs den Maßstab für die Besetzung des Echnaton setzt.

Schöne Frauen, Gerüchte, Indiskretionen und Falschmeldungen

Die Besetzung der Nofretete ist mit Schauspielerinnen vom Typ einer Eva Longoria, Julianna Margulies oder Angelina Jolie vorgesehen. Seit der Premiere des Sandalenfilms "Nofretete - Königin vom Nil" aus dem Jahr 1961 gab es keinen Spielfilm zur schönsten Frau der Welt. Das im Internet kursierende Projekt von Halle Berry und Marc Forster findet nicht statt, denn nur die Indiskretion eines ehemaligen Kölner Filmfinanziers zu den Büchern des Autors dieses Artikels auf der Gala "Cinema for Peace" 2004 war die Quelle für diese Meldung. Bücher, die nun die Grundlage des aktuellen Zweiteilers sind.

Zurück zu Zahi Hawass: Wurde Ägypten im Jahr 1913 tatsächlich getäuscht?

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die Eigentümerin der Büste, widerspricht den Behauptungen, dass die Fundteilung 1913 nicht ordnungsgemäß vonstatten gegangen ist. Borchardt habe den Kontrolleur Gustav Lefebvre gar nicht täuschen können, weil im Grabungshaus in Amarna alle Fundstücke anhand von Fotos und genauen Stichproben an den Objektes selbst korrekt vorgenommen worden sein. Nur weil der Kontrolleur die Bedeutung der Büste nicht richtig einzuordnen wusste, steht sie heute in Berlin und nicht in der Heimat von Zahi Hawass, der dennoch niemals aufgeben wird, sein Vorhaben, Nofretete nach Ägypten zurückzuholen, durchzuführen. Obwohl die Diskussion des Jahres 2009 darüber erst einmal beendet zu sein scheint.

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Jörg Tilmes - Was Sie von mir an dieser Stelle erwarten dürfen? Artikel zu Themen aus dem Bereich der Fernsehbranche, mit der ich seit 1999 ...

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