
- Mord im Wald - pixelio/Miroslaw
Es ist nunmehr fast 90 Jahre her, dass auf einem Aussiedlerhof in der Nähe des oberbayrischen Schrobenhausen sechs Menschen, darunter zwei minderjährige Kinder, brutal mit einer Reuthaue erschlagen wurden. Noch heute machen sich unzählige Menschen über dieses grausige Verbrechen ihre Gedanken.
Die Tat und ihre UmständeIn der Nacht vom 31. März auf den ersten April 1922 wurden auf dem allein liegenden Gehöft Hinterkaifeck nahe Schrobenhausen sechs Menschen mit einer sogenannten Reuthaue erschlagen. Bei den Ermordeten handelt es sich um den Altbauern Andreas Gruber, seine Frau Cäcilia Gruber, die Tochter Viktoria Gabriel, geb. Gruber, deren Kinder Cilli und Josef im Alter von 7 und 2 Jahren, sowie die Magd Maria Baumgärtner. Bis heute konnte diese Tat niemandem zugeordnet werden. Aus alten Befragungen und Verhören geht hervor, dass die erwachsene (!) Viktoria Gabriel wohl ein Verhältnis mit ihrem eigenen Vater hatte. Viele Menschen sehen in der inzestuösen Beziehung, aus der auch das Kind Josef hervorgegangen sein soll, den Schlüssel zu dem Verbrechen. In der weiteren Umgebung von Ingolstadt steht der Begriff "Hinterkaifeck" immer noch als Synonym für "gschlamperte" Verhältnisse.
Einige Theoretiker gehen davon,aus, dass es sich bei dem Mörder um einen in der Nähe lebenden Landwirt handelte. Dieser soll kurzfristig ein Verhältnis mit der Jungbäuerin Viktoria gehabt haben. Zeitweise hat er auch die Vaterschaft zu dem zweieinhalbjährigen Josef anerkannt. Es könnte eine Tat aus Eifersucht, verschmähter Liebe oder schwerer Kränkung gewesen sein. Selbstverständlich gibt es noch zahlreiche weitere Theorien.
Befassung mit dem Mordfall Hinterkaifeck in verschiedenen Foren.
Auf verschiedenen Internetforen befassen sich Gleichgesinnte ausgiebig mit der Tat und ihren Hintergründen. In erster Linie seien hier die Foren hinterkaifeck.net und allmystery.de genannt. Auf allmystery.de ist dem Fall im Bereich Mystery ein eigener Thread gewidmet. Seit Jahren befassen sich hier Privatermittler ausgiebig mit dem Mord. Speziell mit der Tat beschäftigt sich auch das Forum hinterkaifeck.net. Hier werden unterschiedlichste Aspekte rund um den "Einödhof" beleuchtet. Neueinsteiger können erfahrenen Mitgliedern Fragen stellen.Zahlreiche Bildergalerien rund um den Fall und den Tatort wurden eingestellt.
Jedes angemeldete Mitglied kann dort eine eigene Theorie über die Tat aufstellen. Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten werden dann ausführlich diskutiert. Besonders eifrige Mitglieder der Foren scheuten keine Mühen, Archive nach Unterlagen zu durchsuchen die die Tat und beteiligte Personen betreffen. Man kann ohne Übertreibung sagen, dass der Mordfall Hinterkaifeck für einige Personen zum Lebensinhalt wurde. Eine solche Beteiligung an einem lange vergangenen Verbrechen dürfte weltweit einmalig sein.
Hinterkaifeck in Literatur und Film
Sehr bekannt sind die beiden Bücher des Journalisten Peter Leuschner, die beide den Titel "Der Mordfall Hinterkaifeck" tragen. Hier werden sachlich alle Umstände des Falles beschrieben. Verschiedenste Tatverdächtige werden ebenso behandelt wie Aussagen und Indizien rund um die Tat. Besonders das zweite Buch von Peter Leuschner gilt als "Hinterkaifeck-Bibel". Interessierte können sich hier wichtige und umfassende Informationen zum Fall beschaffen. Sehr bekannt ist der Bestseller Tannöd von Andrea Maria Schenkel. Der Kriminalroman nimmt den Mordfall Hinterkaifeck als Grundlage. Die Autorin verlegt den Fall jedoch in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Die aktuelle Verfilmung des Romans hat dem Fall Hinterkaifeck wieder neue Aktualität verliehen. Zwischen Andrea Maria Schenkel und Peter Leuschner gab es einen Plagiats-Streit. Auch der Filmbericht "Der Mordfall Hinterkaifeck - die wahre Geschichte hinter Tannöd" soll nicht unerwähnt bleiben. Der Regisseur Kurt Hieber stellt hier den Mordfall sehr sachlich da. Man kann sich gut vorstellen, wie der Tatort im Jahre 1922 ausgesehen hat. Es kommt auch zur Sprache, dass sich die Studenten der Fachhochschule für Polizeiwesen in Fürstenfeldbruck mit dem Fall beschäftigten.
Sicher kann gesagt werden, dass Hinterkaifeck die Menschheit wohl auch noch in 100 Jahren beschäftigen wird. Einmal mehr, einmal weniger. Der Mörder kann wohl nie mehr gefunden werden.
