
- Sind Afrikas Kicker bald auf Augenhöhe? - raien
Nach einem spannungsgeladenen Kraftakt über 120 Minuten Spielzeit wurde Ghanas U-20 am 17. Oktober 2009 in Kairo zum ersten Mal FIFA U-20-Weltmeister bei der Endrunde in Ägypten. Im Finale bezwang "David" Ghana den Fußball-"Goliath" Brasilien mit 4:3 im Elfmeterschießen und holte somit zum allerersten Mal eine Fußball-WM-Trophäe auf den „Schwarzen Kontinent“.
Matchwinner Emmanuel Agymang-Badu
Dabei sah es bereits nach nur 38 Minuten nicht gut für die Ghanaer aus, da Verteidiger Daniel Addo nach einem Foulspiel mit Rot vom Platz gestellt wurde. Die tapferen Afrikaner kämpften sich aber bis in die Verlängerung durch und erzwangen dort nach 120 Minuten und dem Endergebnis 0:0 nach regulärer Spielzeit das Elfmeterschießen. Dort avancierte dann Ghanas Torwart Daniel Agyei mit zwei gehaltenen Elfmetern zum Matchwinner. Den alles entscheidenden Elfer zum historischen Sieg für Ghana verwandelte Emmanuel Agyemang-Badu.
Brasilien enttäuscht
Brasilien konnte sich über das gesamte Spiel gesehen mehr Spielanteile erarbeiten. Durch den Platzverweis von Addo wurde der Unterschied zwischen den ungleichen Gegnern noch vergrößert. Dennoch konnten die Brasilianer nichts Zählbares herausschlagen und blieben trotz Überzahl größtenteils harmlos und enttäuschten. Der Brasilianer Maicon scheiterte in der sechsten Minute der Verlängerung mit der größten Tormöglichkeit für den Favoriten am an diesem Tage sehr gut aufgelegten ghanaischen Keeper Agyei.
Ghanas Weg ins Finale
Nach Siegen in der Gruppenphase gegen Usbekistan (2:1) und England (4:0) sowie einem Unentschieden (2:2) gegen die zweitplatzierte Auswahl aus Uruguay (2:2) zogen die Westafrikaner aus Ghana souverän in die Turnier-Endrunde ein. Dort bezwangen sie zunächst im Achtelfinale die Südafrikaner mit 2:1 (0:0) nach Verlängerung. Im Viertelfinale schaltete Ghana dann die Südkoreaner mit 3:2 (2:1) aus, ehe sie mit einem 3:2 (2:0)-Halbfinalsieg gegen Ungarn das Finalticket lösten. Dort trafen sie dann auf die ambitionierten Brasilianer, die Deutschland im Viertelfinale mit 2:1 (0:0) nach Verlängerung ausgeschaltet hatten und sich mit einem 1:0 (0:0) gegen Costa Rica im Halbfinale durchsetzten.
Tetteh: "Historischer Triumph"
Im Finale fand ausgerechnet der viermalige U20-Weltmeister (1983, 1985, 1993 und 2003) Brasilien seinen Meister in den Afrikanern, die nach ihren beiden Finaleinzügen aus den Jahren 1993 und 2001 mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft in dieser Altersklasse ihr Heimatland Ghana in Freudentaumel versetzte. Ghanas Trainer Sellas Tetteh sprach nach dem Spiel von einem "historischen Triumph". Der Gewinn der seit 1977 ausgetragenen U20-Weltmeisterschaft unterstreicht die Ambitionen der afrikanischen Länder, den Abstand zur Weltspitze weiter zu verkürzen, besonders auch in Hinblick auf die 2010 in Südafrika stattfindende Weltmeisterschaft der A-Nationalmannschaften. Tetteh ist sich außerdem sicher, dass "mit den Spielern weiter zu rechnen ist".
Kritik an Planung und Niveau des Turniers
Dennoch stand im Vorfeld der U-20-WM auch Kritik im Raum: Matthias Sammer, seines Zeichens Sportdirektor des DFB, verurteilte die Terminplanung. Da die U-20-Weltmeisterschaft zeitgleich zu den laufenden Spitzenligen stattfand, waren die Vereine nicht gezwungen, ihre Toptalente abgeben zu müssen. Unter anderem fehlten die italienischen Youngsters Davide Santon und Mario Balotelli (beide Inter Mailand) wie auch Spaniens Crack Bojan Krcic (FC Barcelona). FIFA-Präsident Sepp Blatter konnte zudem keine Lösung für zukünftige Juniorenturniere vorlegen. Experten kritisierten in diesem Zusammenhang unter anderem das dürftige Niveau dieser U-20-Weltmeisterschaft.
