
- Hitlers Edeljude - Verlag Piper
Dr. Eduard Bloch war gläubiger Jude und der Hausarzt von Adolf Hitlers Mutter Klara. Bloch begleitete einfühlsam den qualvollen Krebstod der 47 Jahre alten Frau. Der damals 18-Jährige Adolf Hitler bewunderte den Mediziner in tiefer Dankbarkeit. Eduard Bloch, von Hitler später als „Edeljude“ bezeichnet, stand unter persönlichen Schutz des „Führers“ und ließ ihn 1940 in die USA ausreisen.
Hitlers Dankbarkeit
"In meiner ganzen Karriere habe ich niemanden gesehen, der so vom Kummer vernichtet war wie Adolf Hitler" erinnerte sich Bloch. Adolf Hitler: "Ich werde Ihnen, Herr Doktor, ewig dankbar sein." Aus Wien schickte Hitler dem Doktor in den folgenden Jahren Weihnachts- und Neujahrskarten.
Als Hitler unmittelbar nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland nach Linz kam, erkundigte er sich nach seinem ehemaligen Arzt. "Lebt mein guter alter Doktor Bloch noch?", soll Hitler gefragt haben. "Ja, wenn alle Juden so wären wie er, dann gäbe es keinen Antisemitismus." Doktor Bloch galt fortan als "Edeljude" und wurde von der Gestapo in Ruhe gelassen. Die Wohnung des Arztes wurde zum Beispiel nicht als „Judenwohnung“ gekennzeichnet.
Emigration nach Amerika
Trotz des Sonderstatus Dr. Blochs blieb seine Angst bestehen, doch irgendwann von der Gestapo behelligt zu werden und so entschloss sich die Familie mit Tochter und der Schwiegersohn in die USA auszureisen. Am 19. November 1940 verließ die Familie Bloch für immer Österreich.
Die letzten Jahre von Dr. Eduard Bloch
Die letzten Lebensjahre Dr. Eduard Blochs, der in Linz seine Praxis und alles Geliebte aufgeben musste, gestalten sich eintönig. Er fühlt er sich doch in seiner neuen, fremden Heimat nicht wohl. Ein im März 1941 geführtes Interview der Zeitschrift „Collier’s“ bringt den Zweispalt Blochs zum Ausdruck. Er wird zu seiner Beziehung zu Hitler befragt. Seine durchaus positiven Aussagen zu Hitler, den er nur als jungen Mann kennengelernte, dessen liebevolle Sorge um die kranke Mutter, die Bloch sehr gerührt hatte, stoßen bei einem Großteil der Leser auf Unverständnis. Obwohl Bloch zwischen dem jungen Hitler und dem jetzigen Diktator zu differenzieren versuchte, gelingt es ihm nicht, die Leser des Artikels zu überzeugen. Bis zu seinem Tod am 1. Juni 1945 fühlt sich Bloch missverstanden.
Zusammenfassung
Brigitte Hamann gelingt in dieser Biografie auf eine sehr verständliche Art und Weise das Porträt eines Mannes zu beschreiben, der sich aufgrund seiner durch Hitler verliehenen Privilegien, für viele seiner Glaubensbrüder und für seine eigene Familie einsetzen konnte und sie so zumindest teilweise vor der Verfolgung durch das Nazi-Regime schützte. Bloch war ein völlig unpolitische Arzt und eine tief gespaltene Persönlichkeit. Den Antisemitismus und die Judenverfolgung Hitlers sah Bloch in Linz täglich. Andererseits hatte er Adolf Hitler als sensiblen jungen Menschen kennengelernt. In Blochs privaten Aufzeichnungen kommt sogar ein wenig stolz, wie weit Hitler es gebracht hatte, auf.
Brigitte Hamann: Hitlers Edeljude. Das Leben des Armenarztes Eduard Bloch. Piper Verlag, München
