Hitlers Hofstaat auf dem Kniebis

Die Großen und Bekannten im Führerhauptquartier Tannenberg

Die Entourage des Führers im FHQ "Tannenberg" bei Freudenstadt während des Aufenthalts nach dem Frankreichfeldzug 1940 - Adolf Hitler und sein Umfeld

Neben den Baulichkeiten und Anlagen im Führerhauptquartier „Tannenberg“ dürfte von besonderem Interesse sein, welche Größen der Zeit aus dem In- und Ausland Hitler bei seinem Kurzaufenthalt auf dem Kniebis ihre Referenz erwiesen haben. Eigens für den Westfeldzug war auf dem Kniebis das "Führerhauptquartier Tannenberg" eingerichtet worden. Von "Tannenberg" aus besuchte Hilter u.a. das Straßburger Münster. Weitere Artikel werden das Führerhauptquartier, sowie die "dienstbaren Geister" darstellen, welche auf dem Kniebis für "des Führers Wohlbefinden" zuständig waren.

Bormann, Keitel, Bodenschatz...

Neben den allseits bekannten Persönlichkeiten wie Reichsleiter Bormann und Generaloberst Keitel (Spitzname: „Lakaitel“, weil er für seine Unterwürfigkeit gegenüber Hitler bekannt und gefürchtet war), Generalleutnant Bodenschatz (gen. „Bodenschatzi“, weil er aus der Zeit des I. Weltkrieges ein besonderer Freund Hermann Görings, seit 1933 sein Adjutant, später Leiter seines Ministerbüros und danach Görings Vertreter beim „Führer“ war) und Generalmajor Jodl gehörte ein buntes Sammelsurium an Mitreisenden zum “Tross des Führers“. Einzelne verdienen kurze Erwähnung.

Die Propagandisten

Reichsleiter für die Presse Max Amann MdR (1933-1945), der frühere Feldwebel Hitlers aus der Zeit des ersten Weltkrieges, Geschäftsführer des Zentralverlages der NSDAP Franz Eher Nachf., Präsident der Reichspressekammer, Vorsitzender des Vereins Deutscher Zeitungsverleger, sowie Reichspressechef Dr. Otto Dietrich MdR (1936-1945), Vizepräsident der Reichspressekammer, Pressechef des Reichsregierung – und zugleich der Staatssekretär Josef Goebbels im „Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda“, womit der Aufgabenbereich beider Herren hinreichend umschrieben ist: Sie gehörten zu den offiziell-offiziösen Meinungsmachern, welche die Presse und den „Goebbels-Schnauze“ genannten Volksempfänger mit gleichgeschaltetem Material zu versorgen hatten.

Unterstützt wurden sie dabei von „Reichsbildberichterstatter“ Heinrich Hoffmann, dem von Hitler mit einem Professorentitel ausgestatteten Fotografen, welcher übrigens der Schwiegervater des Reichsjugendführers Baldur von Schirach MdR (1932-1945) war – und auch Hitlers Bekanntschaft mit Eva Braun förderte, die bekanntlich in Hoffmanns Fotographengeschäft tätig war. Hoffman zur Seite standen die Fotografen Gayk und SchuIz, ferner war „Sonderführer“ Frentz mit von der Partie.

Joseph Goebbels...

Ihr publizistischer Herr und Meister, Reichspropagandaminister Joseph Goebbels, erwies seinem „Führer“ am 03. Juli 1940 ebenfalls die Referenz auf dem Kniebis. Seinem Tagebuch ist zu entnehmen:

„ Endlich um 11.00 Uhr Abflug (von Paris, Ergänzung des Verfassers). Tolle Berge von Arbeit erledigt. Unten grüßt das Straßburger Münster. Heute auch wieder uns gehörig. Der Rhein. Deutschlands Strom. Bei Freudenstadt im Schwarzwald Landung. Eine Stunde Auto. Im Führerhauptquartier. Der Führer kommt mir strahlend entgegen. Er ist bei bester Gesundheit und in großartiger Stimmung. Wir können gleich die Lage besprechen. Er will im Reichstag reden und England eine letzte chance geben. Ob es darauf eingeht ? Churchill sicherlich nicht… Terboven schildert Lage in Norwegen….

Josef Terboven

So war mit Josef Terboven, seit kurzem erst Reichskomissar (Chef der Zivilverwaltung) in Norwegen auch die Gauleiter-Riege auf dem Kniebis vertreten. Terboven, seit 1928 Gauleiter von Essen und seit 1935 Oberpräsident der Rheinprovinz, SA-Obergruppenführer und Teilnehmer am Hitler-Putsch, gehörte zur ganz alten Garde. Doch nicht nur der Gauleiter, welcher den Kollaborateur Quisling ausschalten wollte, sondern auch neue, aufsteigende Sterne am Nazi-Himmel gaben sich auf dem Kniebis ein Stelldichein. Terboven besaß übrigens in Freudenstadt ein Wohnhaus, das nach dem Einmarsch der Franzosen dann geplündert wurde.

Baldur von Schirach

So auch der frühere Reichsjugendführer Baldur von Schirach, welcher zwischenzeitlich zur Wehrmacht eingerückt war.. Am 22. Juni 1940 war der Waffenstillstand vom Compiègne unterzeichnet worden. Reichsjugendführer Baldur von Schirach lag beim Regiment „Großdeutschland“ in Lyon, wo der Rekrut von Schirach seine Soldatenlaufbahn nach einem persönlichen Empfang beim Regimentskommandeur des ihn ausbildenden Lehrregiments – auch dies eine absolute Ausnahme, da sonst beim Truppenteil ausgebildet wurde –, der Zuweisung eines Gefreiten als persönlichem Ausbilder und der Rekrutenunterbringung in einem Zweibettzimmer standesgemäß fortgesetzt hatte. Dorthin erreichte ihn der Ruf ins Führerhauptquartier.

Aus einem Schaufenster heraus requirierte man für den – zwischenzeitlichen – Leutnant von Schirach einen Sportwagen englischer Herkunft – mit dem dieser dann statt über Straßburg und Kehl auf den Kniebis, zuerst einmal nach Berlin fuhr. Dass Schirach sich an der Westfront mit bandagiertem Kopf als Verwunderter gezeigt hat, soll seine Ursache – in einem schlichten Autounfall gehabt haben. Von Berlin ging die Reise dann mit der Sonderkuriermaschine auf den Feldflugplatz zum Führerhauptquartier. Dort erwartete von Schirach jedoch nicht die insgeheim erhoffte und ersehnte Ernennung zum Botschafter in Washington, sondern zum Gauleiter von Wien.

Vom Besuch auf dem Kniebis berichtete der Leutnant von Schirach seiner Frau Henriette, Hitler habe ihn sofort nach dem Waffenstillstand ins Führerhauptquartier bestellt, um ihn zum Gauleiter von Wien zu ernennen: „Ja, ich kann mir gar nichts schöneres vorstellen, direkt von der Front an Metternichs Schreibtisch am Ballhausplatz.“ Es existiert übrigens auch ein Bild, welches Hitler und Baldur von Schirach beim gemeinsamen Spaziergang auf dem Kniebis zeigt…

Die Mediziner

Für die Gesundheit Hitlers zeichneten auf dem Kniebis Obersturmbannführer Dr. Karl Brandt, seit 1934 chirurgischer Begleitarzt des Führers und seit 1939 dessen „Euthanasiebevollmächtigter“, sowie Professor Theodor Morell, Leibarzt des Führers genannt „Reichsspritzenmeister“, verantwortlich, und zur Sicherstellung der Qualität der bekannten Haar- und Barttracht war Friseur Wollenhaupt auf dem Kniebis anwesend.

Der Diplomat

Mit von der Partie war auch Geheimer Legationsrat, später Botschafter Hewel, welcher die Aufgaben des Vertreters des Auswärtigen Amtes bei Hitler wahrnahm. Hewel, ein ganz besonders treuer Gefolgsmann seines Führers, der noch nach Niederlage und Selbstmord an ihn glaubte, tötete sich nach dem Ausbruch aus der eingeschlossenen Reichskanzlei dann standesgemäß durch Zyankali und Kopfschuss – genau wie sein Herr und Meister – in einem Produktionsgebäude der Brauerei Schultheiss-Patzenhofer, unweit vom Berliner S-Bahnhof Gesundbrunnen.

Ralf Bernd Herden, Ralf Bernd Herden

Ralf Bernd Herden - Liebe Leserinnen und Leser, historische Fakten, das Ergründen von Zusammenhängen und neuen Perspektiven waren schon immer ...

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