Hölderlin in Tübingen: Virtuell präsent

Der Dichter in der Stadt am Neckar

Die letzte Wohnstätte von Friedrich Hölderlin - © Hans-Walter Spille / PIXELIO
Die letzte Wohnstätte von Friedrich Hölderlin - © Hans-Walter Spille / PIXELIO
Wer ein Postkarte von Tübingen vor sich hat, sieht meist den Hölderlinturm an der Neckarfront. 36 Jahre hat der Dichter Friedrich Hölderlin hier verbracht.

„In deinen Tälern wachte mein Herz mir auf

Zum Leben, deine Wellen umspielten mich [...]“

Der da besungen wird, ist der Neckar. Der Sänger: Friedrich Hölderlin (1770-1843). In Lauffen am Neckar geboren, in Tübingen begraben, ist das Leben des Dichters eng mit dem Neckar verwoben. 36 Jahre lang wohnte er in Tübingen im bekannten Turmzimmer direkt am Fluss. Als 'Scardanelli', wie er sich zu dieser Zeit nennen ließ, oder als 'Killalusimeno'. Heute ist der Hölderlinturm eines der Wahrzeichen der Stadt. Unzählige Postkartenmotive ziert das Bild der verträumten Neckarfront mit dem Turm. Das Haus dient als Museum und wird von der Hölderlin-Gesellschaft auch als Vortragsstätte genutzt.

Hölderlin und Tübingen

So schön hat der Sänger das Loblied auf den Neckar in der gleichnamigen Ode von 1801 angestimmt, dass man ihm auch verzeiht, wenn er im selben Gedicht den Fluss als 'bläuliche Silberwelle' rühmt, ein kleiner Stilbruch, mit dem der Dichter das eigene Niveau etwas unterläuft. Dass das Gesamtwerk des lange Zeit verkannten Hölderlins Gehalt und Bedeutung hat, ist indessen heute weithin unbestritten. Beginnend im 20. Jahrhundert hat sich die Forschung denn auch befleißigt, den Rang des großen Elegikers herauszustellen. Und auch die Stadt und die Universität Tübingen wissen dessen Vermächtnis zu würdigen und verleihen alle zwei Jahre den Friedrich-Hölderlin-Preis an Wissenschaftler, Schriftsteller und Künstler. So ist der Dichter heute auf vielfältige Weise im gesellschaftlichen Leben der Stadt präsent.

Virtueller Rundgang durch den Hölderlinturm

Seit Ende 2009 ist auch ein virtueller Rundgang durch den Hölderlinturm möglich. Auf den Internetseiten der Hölderlin-Gesellschaft, auf denen man sich umfassend zur Biographie, Werk und Wirkungsgeschichte informieren kann, findet sich viel Wissenswertes rund um das ehrwürdige Gebäude direkt am Fluss. Wer einmal einen Blick auf den stimmungsvollen Uferlauf hier wie an anderen Stellen gewonnen hat, wird die sehnsüchtige Erinnerung des Dichters auch von fernen Gestaden nachempfinden können:

„[...] doch weicht mir aus treuem Sinn

Auch da mein Neckar nicht mit seinen

Lieblichen Wiesen und Uferweiden.“

Vom Neckar in den Turm

Der Rundgang beginnt auf einem Nachen, vermutlich einem Stocherkahn wie ihn der Dichter selbst benutzt hat, auf dem Neckar vor dem Turm. Wer die nötige Muße hat, kann in einem Rund-um-Panorama die Anlegestelle, Neckarfront und die gegenüberliegende Neckarinsel mit Platanenallee an sich vorüberziehen lassen. Im Inneren führt der Weg vom Eingangsbereich über den Treppenaufgang direkt ins Hölderlinzimmer, der letzten Wohnstätte. Auch die Räume für Dauerausstellungen, Sonderausstellungen und Veranstaltungen lassen sich virtuell besichtigen. Wer sich nahe genug 'heranzoomt', kann vielleicht auch den einen oder anderen Buchtitel der Präsenzbibliothek erraten, die sich ebenfalls im Turm befindet.

Solchermaßen neugierig gemacht, kann der virtuelle Rundgang auch ein Anlass sein, bei einem Ortstermin im Turm die Originalstätte (wieder) einmal zu besuchen. Die Bibliothek ist auch mit einigen Hördokumenten und Arbeitsplätzen ausgestattet und steht für Interessierte offen. Das Museum im Hölderlinturm hat ganzjährig geöffnet.

Zitate: Fr. Hölderlin, Der Neckar, Quelle: Friedrich Hölderlin: Sämtliche Werke. 6 Bände, Band 2, Stuttgart 1953, S. 16-18.

Bilder: www.pixelio.de

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