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Hörbuch im Test: David Safiers Frauenroman "Mieses Karma"

Safiers „Mieses Karma" ist als Hörbuch ein leichter Frauenroman, den man gut nebenbei hören kann, der den Vergleich mit dem Original aber nicht standhält.

Die Geschichte ist originell. Die junge, erfolgreiche Karrierefrau und Mutter einer kleinen Tochter Kim kommt bei einem tragikomischen Unfall ums Leben. Sie ist als Moderatorin zu einer Fernsehpreis-Verleihung eingeladen. Als sie sich in ihrem Hotelzimmer auf das Ereignis vorbereitet, kommt ihr größter Konkurrent sie besuchen... Die Zigarette danach genießt Kim auf der Dachterrasse als plötzlich Trümmer einer russischen Raumstation auf sie herabregnen. Im Jenseits trifft sie auf Buddha, der ihr eröffnet, dass sie nicht ins Nirvana eingelassen werden kann, bevor sie nicht genügend gutes Karma gesammelt habe. Leider werde sie in ihrem nächsten Leben nicht allzu viel Gelegenheit dazu haben, da sie lediglich den Körper einer Ameise annehmen könne. Trotz Kims Empörung kennt der fröhliche Runde kein Pardon und eh sie sich versieht ist sie wieder auf der Erde. Doch dies ist erst der Beginn einer turbulenten Folge von Reinkarnationen.

Ein Roman über eine der Weltreligionen mit Anteilen bissiger Satire

Safiers Roman illustriert nicht nur auf ironische Weise das „Funktionssystem“ des Buddhismus, sondern streut immer wieder satirische Seitenhiebe ein. Als die Protagonistin sich Buddha gegenüber echauffiert, beruhigt er sie damit, dass Hitler als Darmbakterium mit der Sammlung von gutem Karma hätte beginnen müssen. Auch die Figur des Casanova, die Kim bereits im Ameisenstadium trifft, sorgt häufig für intensives Schmunzeln beim Leser. Casanova zeigt, was es bedeutet jahrhundertelang im Kreislauf der Wiedergeburten gefangen zu sein. Er hält sich für einfach nicht in der Lage, Gutes zu tun. Dass weder Kim noch Hitler noch Casanova im eigentlichen Sinne Buddhisten sind und waren und trotzdem bei Buddha landen, erklärt Safier ebenfalls humorvoll. Man habe sich im Jenseits eben einigen müssen und da Jesus und Mohammed Atheisten nun einmal per se in die Hölle schicken würden, habe er sich ihrer erbarmt.

Ein Hörbuch mit Witz doch ohne Satire

Das Hörbuch verblasst leider im Vergleich zur Romanvorlage. Während alle eindeutigen und zweideutigen Szenen der Kürzung entgangen sind, kann der Hörer umsonst auf das Darmbakterium warten. Auch sind einige Entwicklungsstufen auf der Karmaleiter ausgelassen, sodass die Sprünge teilweise nicht harmonisch aufeinander aufbauen. Die Sprecherin Nina Petri liest erfrischend und gibt der Ich-Erzählerin eine angemessen hohe Frauenstimme. Insgesamt ist in der Bearbeitung ein leichter Frauenroman entstanden, der stark von der Vorlage abweicht und dadurch nicht ganz rund erscheint. Wer einfach nur nebenbei eine leichte Geschichte genießen möchte, wird auf seine Kosten kommen. Doch wer anspruchsvollen Hörgenuss für die besondere Stunde erwartet, muss enttäuscht werden. Um sich die Geschichte mit voller Konzentration anzuhören ist Petris Stimme zu schrill und die Geschichte zu inkonsistent. In diesem Falle lohnt es sich, das Buch zur Hand zu nehmen und selbst zu lesen.

Safier, David: Mieses Karma; Hörbuch Hamburg; 2007; 978-3899034363, 4 Audio-CDs; 14,95 Euro

Mareike Höckendorff, Mareike Höckendorff

Mareike Höckendorff - Ich bin gelernte Buchhändler und habe viele Jahre im Buchhandel gearbeitet. Meine Schwerpunktgebiete waren Kinder- und ...

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