
- Perfekte Aussattung, um ein Hörbuch aufzunehmen. - © Ingo Neumann / pixelio.de
Seit einigen Jahren sind Hörbücher und Hörspiele nicht mehr nur was für Kinder, auch die Großen lassen sich gerne was vorlesen. Einen Teil der notwendigen technischen Ausstattung haben viele längst im Hause. Wenn man diese um einige Geräte ergänzt, kann man selbst Hörbücher aufnehmen und sich selber oder seine Mitmenschen mit einem sehr persönlichen Geschenk erfreuen.
Welche räumliche Ausstattung braucht man zum Aufnehmen eines Hörbuches?
Natürlich wäre ein schalltoter Raum das Optimum für die Aufnahme, aber den haben nur wenige zu Hause, man kann ihn aber in einem professionellen Tonstudio mieten. Wenn Geld keine Rolle spielt, ist das die beste Lösung, denn dort hat man auch gleich einen Techniker dabei, der die Bearbeitung der eingelesenen Daten übernehmen kann.
Ein ruhiger Raum in einer durchschnittlichen Wohnung reicht aber auch schon, allerdings sollte man sicherstellen, dass keine plötzlichen Geräusche eindringen können: Türklingel und Telefon, türenschlagende Nachbarn, Haustiere, die Waschmaschine im eigenen Bad.
Welche technische Ausstattung braucht man zum Aufnehmen eines Hörbuches?
Man kann zwei Wege gehen, entweder liest man direkt über ein Mikrofon in die Audiosoftware des Rechners. Oder man nimmt mit einem externen Aufnahmegerät auf und spielt die Daten dann in die Software zur weiteren Bearbeitung. Die zweite Variante ist zeitlich und technisch aufwändiger, hat aber den Vorteil, dass sie räumlich nicht an den Rechner gebunden ist. Da das Lesen deutlich länger dauert, als später gelesene Zeit auf der CD sein wird, läuft der Computer sehr lange, der Lüfter wird anspringen. Das dazugehörende Geräusch nehmen hinreichend sensible Mikrofone auf. Diesen Störschall später mit einer Software zu entfernen, ist möglich, aber so knifflig, dass man Störgeräusche besser schon im Vorfeld vermeidet.
Man braucht in jedem Fall ein Mikrofon, das in den Rechner oder einem externen Aufnahmegerät integriert oder an diese Geräte angeschlossen werden kann, die Qualität dessen entscheidet über die Aufnahme. Man kann im Groben davon ausgehen, dass integrierte Standardmikrofone in Rechnern, Handys oder mp3-Playern nicht geeignet sind, qualitativ hinreichend gute Aufnahmen zu produzieren. Ein externes Mikrofon ist in der Regel die bessere Wahl, grundlegend gilt auch hier, dass die meisten billigen Mikrofone ebenfalls keine wirklich guten Aufnahmen ermöglichen. Die entstehenden Qualitätseinbußen kann man auch nicht mit der Bearbeitung per Software verbessern. In der Tonstudiotechnik gibt es die richtigen Mikrofone und auch kompakte Aufnahmegeräte, sogenannte Speicherkarten-Rekorder, die mit integrierten Mikrofonen für diese Zwecke sehr gut geeignet sind, billig sind sie allerdings nicht. Eine Anschaffung lohnt also erst, wenn man häufiger Aufnahmen machen will.
In jedem Fall sollte man zusätzlich zum Mikrofon noch einen Popschutz haben, er fängt starke Luftdruckschwankungen ab, die beim Artikulieren von Plosiven wie p, t und k entstehen können und schützt das Mikrofon vor feuchter Aussprache.
Wie liest man bei einer Aufnahme für ein Hörbuch?
Wenn die Aufnahmetechnik einmal aufgebaut ist, sollte diese bis zum Ende der Aufnahme nicht mehr verändert werden. Nachdem man den idealen Abstand zum Mikrofon herausgefunden hat, kennzeichnet man diesen auf dem Boden, damit er immer identisch ist, auch nach Pausen oder am nächsten Tag. Bei der Aufnahme sollte man stehen, da hierbei mehr Körperspannung entsteht, lässiges Hängen auf dem Stuhl hört man. Es ist einfacher für den Lesenden, wenn sich noch jemand mit im Raum befindet. Dieser Jemand sollte sich still verhalten und darauf hören, ob das, was gelesen wird, auch stimmt. Fehler beim Lesen oder sehr laut umgeblätterte Seiten fallen eher dem Zuhörer als dem Sprecher auf. Der Lesende profitiert zusätzlich, weil er das Gelesene an die anwesende Person richten kann. Man hört einer Aufnahme an, ob der Sprechende für jemanden las oder für sich allein im Kämmerlein sprach.
Und damit kommen die darstellenden Fähigkeiten ins Spiel. Natürlich kann man für den Hausgebrauch Hörbücher einlesen ohne eine Schauspielausbildung absolviert zu haben, aber die wenigsten Menschen sind Naturtalente. Nur weil viele sprechen können, heißt das nicht, dass andere das auch gerne hören. Alltagsaussprache und Alltagssprechgeschwindigkeit auf einer CD sind unglaublich ermüdend. Daher sollte die Aussprache beim Vorlesen deutlich, aber nicht zu überzogen sein und die Sprechgeschwindigkeit etwas unter der üblicherweise verwendeten liegen. Einige Stunden Spieltraining in Theater oder Improvisationstheater oder auch ein paar Stunden Sprecherziehung werden das Gelesene um Längen verbessern. Die Hörer werden es danken.
Was kann mal lesen, um ein Hörbuch aufzunehmen?
Jede literarische Gattung eignet sich - Romane, Biographien, eigene Erinnerungen, die Bibel, Gedichte, Kurzgeschichten. Bei Literatur von anderen Menschen ist das Urheberrecht immer noch auf deren Seite, egal, ob man es selbst eingelesen hat oder nicht. Entsprechend dürfen diese Hörbücher nur für den Privatgebrauch genutzt und nie verkauft werden.
Man sollte das erwählte Buch schon vorher gelesen haben, vielleicht auch schon mal laut und alle Orts- und Personennamen flüssig und richtig aussprechen können. Auch fremdsprachliche Begriffe sollte man möglichst in der Ursprungssprache aussprechen können. Gibt es Dialoge in der Vorlage, sollte man sich vorher überlegen, ob man für die Dialogpartner eine andere Stimme verwendet, diese muss man allerdings sicher reproduzieren können.
Die Länge der Vorlage sollte man beachten. Ein ungeübter Sprecher liest nicht mal so eben einen Harry Potter ein. Am Anfang sind kürzere Geschichten oder dünne Bücher hilfreich, ein Taschenbuch von 150 Seiten ergibt ungefähr drei volle CDs, das Rohmaterial ist deutlich umfangreicher.
Welche Technik braucht man zum Bearbeiten eines Hörbuches?
Nach dem Einlesen geht die eigentliche Arbeit erst los, denn jetzt werden die Audiodaten in eine Audiobearbeitungssoftware geladen und dort zunächst geschnitten. Fehler, Störgeräusche und alles, was nicht auf der Aufnahme sein soll, wird entfernt. Anschließend sollte man die Daten bearbeiten, damit sie auf einer Anlage oder auf Kopfhörern gut klingen. Meist ist mindestens eine Komprimierung notwendig, aber das ist abhängig vom Ausgangsmaterial und der Stimme des Sprechers. Wenn man keine Lust hat, sich in solche technischen und akustischen Feinheiten einzuarbeiten, sollte man diesen Teil eventuell einer kompetenten Person übergeben. Die bearbeiteten Daten werden dann in das gewünschte Format umgewandelt und können anschließend auf CD oder als mp3 die eigene Stimme in die Welt bringen.
Sehr gut eignen sich diese selbst gemachten Hörbücher als persönliches Geschenk, oder, in 24 Kapitel unterteilt, als Adventsgeschenk. Wem der technische Aufwand zu hoch ist und nicht so viel Zeit zur Verfügung hat, versucht es vielleicht eher mit selbst gemachten Geschenken aus Holz.
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