
- Hörspiel: Der wunde Punkt - Der Hörverlag
Ein Pferdehof in der Nähe von Ystad wird zum Zentrum eines neuen Mordfalls für Kurt Wallander: Hier finden die Schülerinnen Sarah und Johanna die Leiche des erschlagenen Joachim Hermansson, bei dem die beiden regelmäßig kostenlos Reitunterricht genommen haben.
Die Ermittlungen ergeben ein widersprüchliches Bild des Toten. Sein Umfeld beschreibt ihn als zurückgezogen lebenden und bescheidenen Mann, der keinerlei Interesse an Frauen gehabt habe. Doch die Nachforschungen ergeben ein anderes Bild: Hermansson war ein Gigolo, der sich von Frauen aushalten ließ und der jedes Wochenende hohe Geldbeträge beim Pferderennen verspielte. Zunächst glaubt Wallander (gesprochen von Axel Milberg) an Mord aus Eifersucht. Doch ihre Ermittlungen führen Kurt Wallander und sein Team in das SM-Milieu um den „Club Collette“, wo Hermansson als Callboy gearbeitet hat. Die Ermittlungen gestalten sich als weitaus komplexer als angenommen, und auch das Verhältnis von Johannas Mutter Magdalena zu dem Toten wirft Fragen auf. Als die Ermittler eine ehemalige Geliebte des Toten ausfindig machen, überschlagen sich plötzlich die Ereignisse.
Mankells „Der wunde Punkt“ – mäßig spannend mit vorhersehbarem Plot
Für Kenner der beliebten Krimis um Kommissar Kurt Wallander ist „Der wunde Punkt“ wohl eher eine der weniger gelungenen Geschichten von Henning Mankell. Im Vergleich zu anderen Fällen, wie beispielsweise „Vor dem Frost“ oder „Der unsichtbare Gegner“, fehlt es dieser Geschichte an der für Mankell typischen dramatischen Überraschung. Die Figur Kurt Wallander rückt fast vollständig in den Hintergrund und ist mehr mit seiner Affäre zu einer verheirateten Frau als mit dem Fall beschäftigt. Der Blick in die Welt der gutbürgerlichen Schicht mit dem Zeigefinger auf deren Doppelmoral ist keineswegs neu. Völlig offen ist zudem die Bedeutung der offensichtlich rechtsextremen Marina für die Geschichte, die auch ohne diese Figur ausgekommen wäre.
Den Sprechern ist es zu verdanken, dass aus Henning Mankells „Der wunde Punkt“ dennoch eine gut umgesetzte Hörspiel-Adaption geworden ist. Axel Milberg – gewohnt kantig – und vor allem Ulrike C. Tscharre als Wallanders Tochter Linda geben den Figuren die nötige Tiefe und Unverwechselbarkeit.
Linda Wallander – die nächste Polizistengeneration
Linda Wallander verkörpert in Henning Mankells Wallander-Krimireihe die buchstäblich nächste Polizistengeneration. An Arbeitseifer und kriminalistischen Fähigkeiten steht Linda ihrem Vater in nichts nach. Doch unterscheidet sie sich von Kurt Wallander durch ihre gute Menschenkenntnis und ihre eher stille und analytische Arbeitsweise. Dem polternden, wenn auch sympathischen Kurt Wallander ist oftmals die eigene Impulsivität im Weg, die ihn in der Vergangenheit in seiner polizeilichen Arbeit an seine Grenzen stoßen ließ. Linda hingegen hat eine ausgesprochen gute Beobachtungsgabe und durchschaut schnell Ungereimtheiten zwischenmenschlicher Beziehungen. So ist sie oft diejenige, welche die Ermittlungen in eine ungewöhnliche, aber richtige Richtung lenkt. Interessant ist vor allem, dass ihre Figur die einzige ist, deren Gedanken in dem Hörspiel in der Ich-Form erzählt werden. Zudem gelingt es der Sprecherin Ulrike C. Tscharre, die Komplexität der Figur von Linda Wallander überzeugend darzustellen: rebellisch-zynisch, intuitiv, rational, ängstlich.
Sprecherin Ulrike C. Tscharre
Ulrike C. Tscharre wurde 1972 in Bad Urach geboren. Nach der Schauspielausbildung an der Akademie für Darstellende Künste in Ulm wurde sie vor allem durch ihre Rolle als Marion Beimer in der ARD-Serie „Lindenstraße“ bekannt. Für die Rolle der Susanne Müller in der Tatort-Folge „Er sollte tot“ wurde sie 2006 mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet. Ulrike Tscharre spricht seit einigen Jahren erfolgreich an der Seite von Axel Milberg die Figur der Linda in der Hörspieladaption der Wallander-Krimis von Henning Mankell.
Henning Mankell: Der wunde Punkt. Der Hörverlag 2009. 1 Audio-CD. Spieldauer 79 Min. Euro 14,95.
