Hoffmann von Fallersleben: Lebensweg eines Germanisten

Von Hoffmann von Fallersleben stammt der Text der Nationalhymne Deutschlands. Weit bekannter sind die Texte seiner vielen Kinderlieder.

August Heinrich Hoffmann wurde als Hoffmann von Fallersleben bekannt. Er war ein Hochschullehrer für deutsche Sprache und Literatur, der zur Etablierung des Fachs Germanistik beitrug. Auch gilt er als Begründer der niederländischen Philologie. Er publizierte alte Schriften aus verschiedenen Sprachen. Als Dichter schrieb er das „Lied der Deutschen“. Das wurde 1922 zur deutschen Nationalhymne. Dazu stammen die Texte zahlreicher bis heute populärer Kinderlieder aus seiner Feder.

Veröffentlichungen politischer Texte und sein Eintreten für einen deutschen Nationalstaat führten 1942 zu seiner Entlassung aus dem Lehramt im preußischen Breslau. Das durfte er trotz einer Rehabilitation 1848 nicht wieder antreten.

Kindheit und Jugend

Am 2. April 1798 kam August Heinrich Hoffmann in Fallersleben, heute ein Teil der Stadt Wolfsburg, zur Welt. Seine Eltern waren der Gastwirt Heinrich Wilhelm Hoffmann und dessen Frau Dorothea Eleonore Marie Balthasar. Nach dem Abschluss der Volksschule besuchte er ab 1812 das Pädagogium in Helmstedt und ab 1814 das Katharineum in Braunschweig.

Studium

1816 begann er mit dem Studium der Theologie in Göttingen und wurde Mitglied der Alten Göttinger Burschenschaft. Wegen seines so ungemein häufigen Namen ergänzter er diesen mit dem Zusatz des Herkunftsnamens von Fallersleben. 1817 wechselte er zu den Studienfächern Klassische Philologie und Archäologie. 1818 begegnete er Jacob Grimm und wandte sich danach dem Studium der deutschen Sprache und Literatur zu. 1819 folgte seinem Lehrer Friedrich Gottlieb Welcker nach Bonn. Dort erhielt er eine Stelle als Bibliotheksassistent.

Wissenschaftliche Tätigkeit in Bonn

In der Bonner Universitätsbibliothek entdeckte er 1821 Bruchstücke des Evangelienbuches von Otfried von Weißenburg aus dem 9. Jahrhundert und veröffentlichte einen Aufsatz zu dem Fund.

Eine Reise nach Holland und Belgien weckte sein Interesse auf die altniederländische und altflämische Dichtung. Mit der setzte er sich Zeit seines Lebens auseinander. Die Universität Leiden verlieh ihm die Ehrendoktorwürde.

Bibliothekar und Professor in Breslau

1823 wurde Hoffmann Kustos der Universitätsbibliothek in Breslau. 1830 trat er als außerordentlichen Professor für deutsche Sprache und Literatur die Nachfolge von Johann Gustav Gottlieb Büsching an. 1835 folgte die Ernennung zum ordentlichen Professor.

1840 veröffentlicht der Hamburger Verlag Hoffmann und Campe den Band „Unpolitische Lieder" von Hoffmann. Diese kritischen Gedichte zu den Verhältnissen in Deutschland waren ein voller Erfolg. Schon 1841 folgten eine Neuauflage und ein zweiter Band.

Das „Lied der Deutschen“ entstand auf Helgoland

Am 26. August 1841 dichtete Hoffmann auf der damals zu Großbritannien gehörenden Insel Helgoland das „Lied der Deutschen" und unterlegte es mit der Melodie der Kaiserhymne von Joseph Haydn. Es wurde am 1. September 1841 bei Hoffmann und Campe in Hamburg veröffentlicht. Dieses Lied proklamierte 1922 der damalige Reichspräsident Friedrich Ebert zur Nationalhymne Deutschlands. In der Bundesrepublik Deutschland ist seit 1952 nur die dritte Strophe des Deutschlandliedes die Nationalhymne.

Der Fall nach den „Unpolitischen Liedern“

1842 stuft das preußische Kultusministerium Hoffmann von Fallersleben als „staatsgefährdend" ein und er wurde aus seinem Lehramt in Breslau entlassen. Begründet wurde dies mit politisch anstößigen Grundsätzen und Tendenzen in den „Unpolitischen Liedern" und sein Eintreten für ein einheitliches Vaterland Deutschland.

Wanderjahre

Nach der Entlassung zieht Hoffmann von Fallersleben sechs Jahre umher. In Preußen und im Königreich Hannover ist er eine unerwünschte Person.

1843 veröffentlichte Hoffmann die „Deutschen Lieder aus der Schweiz" und „50 Kinderlieder". Darunter war das bis heute bekannte Werk „Ein Männlein steht im Walde".

Bei der Märzrevolution 1848 verhielt Hoffmann von Fallersleben sich weitgehend passiv. Schließlich wurde er nach dem preußischen Amnestiegesetz vom 20. März 1848 rehabilitiert und bezog nun eine Pension von 375 Talern.

1849 heiratete er seine 18jährige Nichte Ida vom Berge.

Weimarer Zeit

1853 ging Hoffmann nach Weimar. Ab 1854 gab er mit Oskar Schade das „Weimarische Jahrbuch für deutsche Sprache, Literatur und Kunst" heraus. Er schloss in Weimar Freundschaft mit dem Komponisten und Pianisten Franz Liszt.

Bibliothekar in Corvey

1860 wurde Hoffmann von Fallersleben von Herzog Viktor von Ratibor die Schlossbibliothek in Corvey bei Höxter anvertraut. Diese Stelle füllte er bis zu seinem Tod aus.

Seine Frau starb 1860 im Alter von 29 Jahren nach einer Totgeburt.

In seinen letzten Lebensjahren arbeitete er an seiner umfangreichen Autobiographie. Das sechsbändige Werk erschien unter dem Titel „Mein Leben" zwischen 1868 bis 1870.

Am 19. Januar 1874 starb August Heinrich Hoffmann von Fallersleben in Corvey. Er wurde auf dem Friedhof der Abteikirche in Corvey beigesetzt.

Werke von Hoffmann von Fallersleben

  • Unpolitische Lieder I. Hoffmann und Campe, Hamburg 1841
  • Unpolitische Lieder II. Hoffmann und Campe, Hamburg 1842
  • Vorrede zu politischen Gedichten aus der deutschen Vorzeit. G.L. Schuler, Straßburg 1842
  • Deutsche Lieder aus der Schweiz. Winthertur und Zürich 1843
  • Fünfzig Kinderlieder von Hoffmann von Fallersleben nach Original- und bekannten Weisen mit Clavierbegleitung von Ernst Richter. Xaver und Wigand, Leipzig 1843
  • Fünfzig neue Kinderlieder von Hoffmann von Fallersleben nach Original- und bekannten Weisen mit Clavierbegleitung. von Ernst Richter, Friedrich Wassermann, Mannheim 1845
  • Vierzig Kinderlieder von Hoffmann von Fallersleben nach Original- und Volks-Weisen mit Clavierbegleitung. Wilhelm Engelmann, Leipzig 1847
  • Mein Leben: Aufzeichnungen und Erinnerungen. Sechs Bände, Carl Rümpler, Hannover 1868–1870

Einige Bekannte Lieder von Hoffmann von Fallersleben

  • Das Lied der Deutschen
  • Alle Vögel sind schon da
  • Ein Männlein steht im Walde
  • Summ, summ, summ
  • Winter ade
  • Kuckuck, Kuckuck, ruft's aus dem Wald
  • Der Kuckuck und der Esel
  • Morgen kommt der Weihnachtsmann
  • Der Frühling hat sich eingestellt
  • Abend wird es wieder

Literatur über Hoffmann von Fallersleben

  • Bernt Ture von zur Mühlen: Hoffmann von Fallersleben. Biographie. Wallstein Verlag Göttingen 2010, ISBN 978-3-8353-0790-2
  • Heiko Postma: „Ich singe – und die Welt ist mein.“ Über den Gelehrten, Freiheitsmann und Liederdichter Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874). jmb Verlag Hannover 2010, ISBN 978-3-940970-15-2
  • Irina Kaminiarz und Hans Lu >Günter Tiggesbäumker: Die Fürstliche Bibliothek in Corvey. Das Lebenswerk des August Heinrich Hoffmann von Fallersleben. Höxter 2002
  • Franz-Josef Degenhardt: Der Mann aus Fallersleben, Die Lieben des August Heinrich Hoffmann. Aufbau Taschenbuch Verlag Berlin 1996, ISBN 978-3746613192
  • Jürgen Borchert: Hoffmann von Fallersleben. Ein deutsches Dichterschicksal. Verlag der Nation Berlin 1991, ISBN 978-3-373-00467-7
  • Walter Methler, Martin Frost: Hoffmann von Fallersleben. Kinderlieder – Freundschaften. Evangelische Kirchengemeinde Volmarstein, Wetter/Ruhr 1990

Quellen

  1. Fallersleben-Archiv
  2. Hoffmann-von-Fallesleben-Bildungswerk e.V.
  3. Deutsches Historisches Museum