Hohe Schule fürs Ritterturnier

Ritterspiele stellen hohe Anforderungen an die Ausbildung der Pferde

Pferde, die zum Lanzenstechen eingesetzt werden, müssen nicht nur nervenstark und gut ausbalanciert sein. Sie müssen auch Lektionen der M- und S-Dressur beherrschen.

Wolfgang Krischke, von der Hofreitschule Bückeburg, kam eher zufällig zum Ritter-Sein. Er wurde von einem Ritterturnier-Veranstalter angesprochen, ob er für einen ausgefallenen Reiter einspringen könnte. Er sagte zu. Die Darstellung historischer Wettstreite zu Pferd ist für Krischke jedoch ein schwieriges Thema.

Es ist längst nicht jedes Pferd für das Lanzenstechen geeignet

Auch im Mittelalter haben viele Ritter mit mehr oder minder ungeeigneten Pferden kämpfen müssen. Doch was heute teilweise auf Ritterturnieren gezeigt wird, hält Krischke den Tieren gegenüber für unverantwortlich. Viele Pferde eignen sich seiner Meinung nach nicht für die Anforderungen, die bei einem Lanzenstechen an sie gestellt werden. „Es war schwierig, in einem Team zu arbeiten, das sich dieser Problematik nicht bewusst war und allerlei unschöne Szenen abgab. Darum haben wir eine eigene Rittergruppe gegründet, die Tjoster, und es dann eben besser gemacht“ erklärt Krischke. Von 1994 bis 2001 waren Wolfgang Krischke und seine Tjoster auf Ritterspielen unterwegs. Mit spanischen, portugiesischen und vor allem Berberpferden, wie den Hengsten Raisulih und Jihal, die in der Hohen Schule einhändig ausgebildet sind.

Ritter-Pferde müssen eine sehr gute Ausbildung haben

„Das Pferd muss mindestens M-Dressur-Niveau haben, oder zumindest einhändige Zügelführung erlernt haben. Wichtig ist, dass es gelernt hat gerade durch den Rücken zu stoppen“ betont Krischke. Intelligente, nervenstarke und verlässliche Pferde mit großer Leistungsbereitschaft, einer exzellenten natürlichen Körperhaltung und feurigem Temperament sind seine Favoriten für Ritterkämpfe: Berber, Andalusier, Lusitanos. Die natürliche Versammlungsbereitschaft, der kurze Rücken sind gute Voraussetzungen. Eine schräge, vermögende Kruppe mit starken Sprunggelenken, die Hankenbiegung gestattet, dazu Trittsicherheit, Ausbalanciertheit, Nervenstärke, Intelligenz. Die Ausbildung von Krischkes Ritterpferden umfasst die gesamte Basis der Hohen Schule genannten historischen Dressurschule.

Beim Tjost muss das Pferd unbedingt ausbalanciert und gerade gerichtet sein

Um perfekt einhändig an der Stechbahn ausgerichtet werden zu können, muss das Pferd einhändig, meist allein durch Gewichtshilfen des Reiters im Traversgalopp geschult sein. Voraussetzung dafür sind die Seitengänge in allen Grundgangarten und Pirouetten. Die einhändige Zügelführung und die besondere, damit verbundene Signalreitweise, ist im Prinzip dem Westernreiten nicht unähnlich. Besonders wichtig ist das gleichmäßige Geradeausgaloppieren, auch bei schwankendem Reitergewicht und vor allem beim Sturz des Reiters, der sich bei seinem Stunt auf den gleichbleibenden Schwung verlassen können muss. Und zur Schonung der Gelenke müssen Ritterpferde aus freien Stücken gerade bremsen und nicht in oder um die Ecke rennen. Stresstraining und Nervenstärke-Übungen sind vor allem bei Feuerritten und dem Gegeneinandergaloppieren beim Tjost gut zu üben. Alles wird erst im Schritt und mit viel Lob geübt, dann im Trab und schließlich im Galopp.

Der Stoß mit der Lanze ist ein heikler Moment

Auch wenn die Lanzen heute aus leichtem Lindenholz und manchmal mit Balsaholzspitzen versehen sind, müssen die Reiter vorher abgesprochen haben, wer treffen wird, und wer nur "hinhält". Derjenige, der den Treffer auf das Schild gibt, lässt die Lanze beim Aufprall ein bisschen los, damit sie etwas durch die Hand rutscht und den Aufprall dämpft. Der Gegner lässt beim Aufprall die Zügel los und fängt den Stoß durch nach außen drehen des Arms im Ellenbogen ab. Sein Pferd muss dann ohne Zügeleinsatz weiter gerade galoppieren und gerade stoppen. Würde er die Zügel mit dem Schildarm festhalten, bekäme das Pferd die volle Wucht des Stoßes ins Maul. Das Pferd würde nie wieder an die Stechbahn gehen wollen.

Die Ausbildung braucht vor allem eins - Zeit

Ein konsequent geschultes, hochbegabtes Pferd kann nach Wolfgang Krischke schon nach einem Jahr in der Lage sein, die ersten Erfahrungen in einem einfacheren Schauspiel zu machen. Routine haben die Pferde, die fünf Jahre dabei sind. Sie können dann auch gewagtere Stunts zeigen, wie Pyrotechnische Effekte oder auch z.B. Stechrennen ohne Schranke.

Moderne Ritter - Reiter mit Schauspiel- und Falltraining

Das Problem geeignete Schauspieler zu finden, die den reiterlichen Anforderungen entsprechen konnten, hat Krischke ebenfalls erfahren. Er meint, dass man eher einem guten Reiter das geschickte Stürzen beibringen kann, als Stuntmen aufs Pferd zu bringen. Seine Tjoster beherrschten die Hohe Schule, Seitengänge in allen Tempi, Pirouetten, die meisten das Tummeln - das Galoppieren auf der Stelle - und einige sogar Piaffe und Passage.

Das Reiten muss für einen Ritter vollkommen selbstverständlich werden. Der größte Teil der Übung wurde daher durch das Reit-Training eingenommen. Die Waffenhandhabung, der Stunt und dann auch die schauspielerischen Inhalte, das alles muss viele Stunden geübt werden, ehe man damit hinaus ziehen sollte. Intensives Training lohnt sich, da ist sich Wolfgang Krischke sicher: „Einen besseren Reiter können Sie im Turnier daran erkennen, dass sein Pferd in Wendungen in die Bewegungsrichtung schaut - achten Sie mal drauf.“

Stephanie Sieckmann, Stephanie Sieckmann

Stephanie Sieckmann - Stephanie Sieckmann studierte Anglistik, Romanistik und Wirtschaftswissenschaften und arbeitete anschließend als Produkt-Scout. ...

rss