
- Hoi An war einst wichtigste Hafenstadt Vietnams - Peggy Richter
Die Boote schaukeln sacht auf dem Wasser. In Doppelreihen liegen sie im flachen Flussbett und schauen den Besucher aus aufgemalten mandelförmigen Augen an. Man könnte meinen, sie warten auf die Rückkehr des Meeres, das einst Hoi An zur wichtigsten Hafenstadt Vietnams gemacht hatte. Aber die Zufahrt ist versandet. Und während im übrigen Vietnam die Wirtschaft boomt, scheint in Hoi An die Zeit stillzustehen. Die Stadt ist einer der wenigen Orte Vietnams, die von den politischen Umwälzungen und den Kriegen nahezu unberührt geblieben sind. Darum hat die Unesco Hoi An zum Weltkulturerbe erklärt.
Aufstieg zur wichtigsten Handelsstadt Indochinas
Einst war Hoi An eine geschäftige Handelsstadt. Der Aufstieg begann im 16. Jahrhundert. Kurz zuvor hatten sich China und Japan vom Rest der Welt abgeschottet. Der Handel mit japanischen und chinesischen Waren wurde in ausländische Häfen verlagert. Hoi Ans Lage im südchinesischen Meer begünstigte den Handel in Gütern beider Länder. Chinesische und japanische Händler ließen sich in der Stadt nieder. Im 17. Jahrhundert gründeten die aufsteigenden Kolonialmächte England, Holland und Frankreich Handelniederlassungen in Hoi An. Frankreich behielt bis zum Zweiten Weltkrieg die Oberhand in Vietnam, das damals im Westen Französisch-Indochina genannt wurde. Die zunehmende Versandung des Hafens leitete im 19. Jahrundert Hoi Ans Niedergang ein. Ohne Schiffs- und Eisenbahnverbindung verlor Hoi An an Bedeutung, was die Stadt letztlich vor den zerstörerischen Umwälzungen des 20. Jahrhunderts bewahrte.
Japanische Brücke, Kolonialbauten und chinesische Handelshäuser
Die Häuser im Stadtzentrum Hoi Ans stammen zum größten Teil aus der späten Kolonialzeit. Aber auch andere Kulturen haben ihre Spuren in dieser alten internationalen Metropole hinterlassen. Die japanische Brücke trennte einst die chinesischen und japanischen Stadtviertel voneinander. Die Holzbrücke wurde in ihrer jetzigen Form in der Mitte des 18. Jahrhunderts erbaut. Daneben gibt es mehrere traditionelle chinesische Handelshäuser, die den Reichtum der alten chinesischen Händler erahnen lassen, sowie Tempel und Pagoden. Viele Versammlungshallen, alte Wohnhäuser und Tempel können besichtigt werden. Besucher können Pauschaltickets für mehrere Sehenswürdigkeiten in den Touristenbüros an der Hauptstraße kaufen. Die Touristenbüros organisieren auch Ausflüge zu den etwa 50 Kilometer entfernten Cham-Ruinen von My Son.
Vietnamesische Spezialitäten – handeln, kochen, maßschneidern
Hoi An ist jedoch kein ausgestorbener Museumsort. Auf dem Markt handeln Einheimische mit Gemüse, Gewürzen, Geflügel und Fisch. Bei einem Spaziergang durch das lebendige Markttreiben kann man die einstige Geschäftigkeit der Handelsstadt erahnen. Einheimische und Touristen lassen sich in kleinen Läden Kleidung maßschneidern. Souvenirgeschäfte verkaufen asiatisches Kunsthandwerk und Kitsch. Und wer genug vom Trubel hat, setzt sich einfach in ein kleines Café und schaut bei frischen Frühlingsrollen oder tropischem Fruchtsalat den schaukelnden Booten zu. Auch kulinarische Entdecker kommen auf ihre Kosten. In Hoi Ans Kochschulen lernen Touristen, vietnamesische Spezialitäten zu kochen.
Vietnamurlaub organisieren - Zugreise von Hanoi nach Ho Chi Minh Stadt
Hoi An liegt in Zentralvietnam, etwa 30 Kilometer südlich von Da Nang. Wer Vietnam mit dem Zug bereist, kann in Da Nang aussteigen und ein Taxi nach Hoi An nehmen. Hoi Ans Stadtzentrum ist für Autoverkehr gesperrt, aber die Wege sind kurz und auch mit Gepäck zu bewältigen. Es gibt viele kleine Hotels und Gästehäuser im Stadtzentrum, so dass man für gewöhnlich nicht lange im Voraus buchen muss. Reisende nach Vietnam müssen vor Reisebeginn ein Visum beantragen. Vietnam lässt sich bequem mit dem Zug erkunden. Noch zu Kolonialzeiten wurde die Eisenbahnlinie gebaut, die Hanoi mit Ho Chi Minh Stadt verbindet. Zugtickets bekommt man problemlos an jedem Bahnhofsschalter.
Quellen:
Die Autorin reiste mehrere Wochen mit dem Rucksack durch Vietnam.
