
- Lord Vulture im Interview 1 - Lord Volture
Im interessanten Gespräch mit der holländischen Power Metal-Band „Lord Volture“ ging es neben den Höhepunkten und Tiefschlägen der Karriere auch um den Zustand der holländischen Gesellschaft.
Wolfgang Weitzdörfer (WW): Bis zum jetzigen Moment – was waren die Höhepunkte, was die Tiefpunkte eurer Karriere?
Frank Wintermans (FW): Jede Show, die die Leute mit einem zufriedenen Gefühl heimschickt, ist für mich ein Highlight! So gesehen hatten wir schon eine Menge Highlights – und werden noch jede Menge davon haben! Natürlich ist es gigantisch, dass Sean Peck auf dem neuen Album singt, das Gleiche gilt für Jeff Waters von Annihilator, der auf dem Debüt „Beast Of Thunder“ ein Gitarrensolo gespielt hat.
Mein persönlicher Tiefpunkt war bei einem Konzert mit „Substance“, einer meiner anderen Bands. Zum Catering gab es Pasta, die ich normalerweise sehr gerne esse. Aber diese Nudeln waren klebrig und irgendwie seltsam – aber hey, ich hatte Hunger, also hab ich sie gegessen. Naja, etwa eine Stunde vor Showbeginn fühlte ich mich plötzlich ziemlich unwohl und rannte permanent auf die Toilette. Als wir eigentlich loslegen wollten und jeder an seinem Instrument war – musste ich erneut aufs Klo hetzen und mich erneut übergeben. Natürlich ging der Vorhang auf und die Band stand ohne Schlagzeuger auf die Bühne. Sie haben aber gut reagiert und mein Fehlen mit einem überlangen Intro kaschiert. Nachdem ich fertig war, bin ich sofort auf die Bühne zurück. Es war an sich eine richtig gute Show, aber nach dem Auftritt ging es sofort wieder auf der Toilette weiter. Das war mal richtig Rock’n’Roll (lacht) ...
David Marcelis (DM): Meine besten Erfahrungen mit „Lord Volture“ sind einige Gigs gewesen, auf denen wir Songs wie „Time Will Tell“ und „Hearts Of Steel“ gespielt haben. Mann, in diesen Momenten sind wir als Band auf dem höchsten Energielevel! Wenn dann die Menschen im Publikum diese Energie aufnehmen, anfangen mitzusingen und mit uns headbangen, alle so verschwitzt und müffelnd ... Das ist perfekt, überwältigend!
Meine schlimmste Banderfahrung war mit „Methusalem“ auf Europa-Tournee als Support von „Blaze“ – und zwar auf dem Weg von Mailand nach Rom, das war 2005. Unser Busfahrer bekam eine Augeninfektion und musste anhalten, da er nichts mehr sehen konnte. Blaze Bayley und sein Manager gingen in das Restaurant des Rastplatzes, an dem wir gestrandet waren, um nach Hilfe zu fragen. Nun, den Rest der Fahrt nach Rom, für die wir mehr als vier Stunden brauchten, verbrachten wir mit 17 Personen, eingezwängt in einem Wohnmobil von ein paar Italienern, die so freundlich waren, uns mitzunehmen. Das Schlimmste war dann allerdings, dass – als wir natürlich viel zu spät am Auftrittsort in Rom ankamen – die lokale Crew noch nicht mal mit dem Aufbau der Anlage angefangen hatte! Naja, von heutiger Sicht aus war das schon eine wirklich witzige Begebenheit, etwas das einem einmal im Leben passiert ...
Mit „Lord Volture“ hatten wir eigentlich noch keine wirklich negativen Erfahrungen. Das Schlimmste war einmal ein Veranstalter, der uns mit nur fünf Getränkebons pro Bandmitglied abspeisen wollte. Bislang haben wir also Glück gehabt (lacht) ...
WW: Wie kamt ihr mit „Rock’n’Growl“, eurem Management, in Kontakt?
DM: Ich mache ja selbst schon eine Menge Promo für „Lord Volture“, aber ich habe ganz einfach nicht die Erfahrungen und auch keinen Zugang zu einem Netzwerk, wie es etwa Axel Wiesenauer von Rock’n’Growl hat. Das war der Grund für uns, uns nach einer helfenden Hand umzusehen. Ich kannte Axel schon von früherer Gelegenheit und wir fühlen uns bei Rock’n’Growl mehr als gut betreut und aufgehoben.
WW: Aus der Sicht eines Deutschen waren die Niederlande immer ein sehr liberales Land – würdet ihr dem heutzutage immer noch zustimmen? Denn es haben sich in eurer Gesellschaft auch einige Dinge verändert, nicht wahr?
FW: Die Niederlande sind schon immer noch ein liberales Land, allerdings durchaus nicht mehr in dem Maße wie es früher war. Unsere politischen Debatten haben sich halt weg von wirklichen, fruchtbaren Diskussionen hin zu eher persönlichen Beleidigungen bewegt. Das ist eine Schande, denn gerade heute bräuchten wir eine gute Kooperation zwischen den Parteien.
DM: Aber nicht nur auf politischer Ebene. Da sind die Niederlande liberal – aber in noch größerem Maße im kulturellen Bereich. Es gibt so viele verschiedene Ethnien und kulturelle Hintergründe hier. Das führt manchmal zu unnötigem Frust gegenüber einigen Mitmenschen. Ich selbst bin kein sehr politischer Mensch. Ich glaube, dass es wichtig ist, dass die Menschen für sich selber denken und entscheiden. Der Titelsong unseres neuen Albums heißt „Never Cry Wolf“ und ist eine Message an die Menschen da draußen, nicht blind denjenigen zu folgen, die mit den Fingern zeigen, die Angst und Hass verbreiten – sei es von links, rechts, seien sie Liberale oder Konservative.
WW: Bitte wählt eine Antwort aus – und begründet eure Entscheidung!
- „The Devil’s Blood” oder „Legion Of The Damned”?
FW: „Legion Of The Damned. Coole, aggressive Musik zum Headbangen!
DM: „The Devil’s Blood”. Ich mag keinen Death Metal ...
- Amsterdam oder Aachen?
FW: Aachen. Ich liebe Deutschland. Ihr sein nette und freundliche Menschen, also ist es immer schön, in Deutschland zu sein!
DM: Aachen. Amsterdam ist ziemlich überbewertet.
- Bier oder Gras?
FW: Bier! Ist billiger, leichter zu beziehen und außerdem international erhältlich (lacht) ...
DM: Bier.
- US-Metal oder europäischen Metal?
FW: Europäischer Metal. Warum, weiß ich nicht, aber ich mag irgendwie europäische Metalbands lieber.
DM: Halbe-halbe ...
- Tim „Ripper“ Owens oder Matt Barlow?
FW: Matt Barlow. Er hat eine großartige Stimme! Zu schade, dass er „Iced Earth“ schon zum zweiten Mal den Rücken gekehrt hat ...
DM: Barlow – sorry Tim, du bist auch ein großartiger Sänger, aber Barlow singt einfach eine Liga über dir!
- Religion oder Atheismus?
FW: Atheismus. Glaubt an eure eigenen Ideen und nicht daran, was andere sich ausgedacht haben, um euch zu kontrollieren.
DM: Ein kleiner Scherz von Paul – wenn Gott allmächtig ist, könnte er dann wohl einen Stein erschaffen, der zu schwer für ihn ist?
Interview: Über die Bandgeschichte von "Lord Volture".
Interview: Über Einflüsse - "Lord Volture" aus Holland.
Interview: Über Texte und Assoziationen bei "Lord Volture".
Review: "Never Cry Wolf" von "Lord Volture".
