Homer und die Fahrten des Odysseus

Odysseus' Fahrt durchs Mittelmeer - Bernd Teuber
Odysseus' Fahrt durchs Mittelmeer - Bernd Teuber
Zehn Jahre dauerte die Irrfahrt des Odysseus. Trotz aller Gefahren hatte sie auch angenehme Seiten.

Etwa 700 v. Chr. schrieb der griechische Dichter Homer das Epos "Odyssee". Die Sage erzählt, wie Odysseus, Sohn des Königs Laertes, mit einer List den Trojanischen Krieg entschied. Auf seinen Rat hin bauten die Griechen, welche die Stadt Troja belagerten, ein riesiges hölzernes Pferd, in dessen Inneren sich einige Krieger versteckt hatten. In der Annahme, das Pferd sei ein Geschenk, zogen die Trojaner es in die Stadt. Gleichzeitig besiegelten sie damit aber auch ihren Untergang. Denn sobald es dunkel geworden war, krochen die Griechen aus ihrem Versteck und öffneten ihren Truppen die Stadttore.

Während des langandauernden Kampfes um Troja hatte Odysseus sich den Zorn der Götter zugezogen. Vor allem der Meeresgott Poseidon war nicht gut auf ihn zu sprechen, da Odysseus seinen Sohn, den Zyklopen Polyphem geblendet hatte. Und so kam es, dass der griechische Held auf eine zehnjährige Irrfahrt durch das Mittelmeer geschickt wurde. Trotz aller Gefahren, die er und seine Mannschaft überwinden mussten, hatte die Reise auch ihre angenehmen Seiten. So gelangten sie beispielsweise durch einen Sturm auf die Insel Ustica. Dort wurde Odysseus von der Zauerberin Circe empfangen. Sie lag ihm sofort zu Füßen: "Lieber! So stecke dein Schwert in die Scheid' und lass uns zusammen unser Lager besteigen, damit wir, beide versöhnet durch die Freuden der Lieben, hinfort einander vertrauen!"

Nackt mischte sich Odysseus unter die Jungfrauen

Ein Jahr lang ließ sich Odysseus von der Göttin "becircen", dann zog er weiter. Wenig später jedoch lag er schon wieder in den Armen einer schönen Frau. Die Nymphe Kalypso nahm den gestrandeten Helden auf einer der Liparischen Inseln auf und pflegte ihn gesund. Sieben Jahre verwöhnte sie Odysseus. Danach war er von dem paradiesischen Leben so gelangweilt, dass er mit einem Floß die Reise fortsetzte. Völlig erschöpft wurde er in Kalabrien auf den Küstensand gespült. Dort entdeckte er junge Mädchen beim Spiel. "Also ging der Held in den Kreis schönlockiger Jungfraun sich zu mischen, so nackend er war; ihn spornte die Not an". Die Mädchen flüchteten. Nur Nausikaa, die schüchterne Tochter des Königs blieb. Doch lange sollte die Romanze diesmal nicht dauern, denn nun hatten die Götter den Weg in die Heimat freigemacht. Endlich konnte er nach Griechenland zurückkehren.

Nur der Hund Argos erkannte seinen Herrn nach dessen Rückkehr

Zehn Jahre bereiste Odysseus fast alle sehenswerten Orte des Mittelmeeres. Während dieser Zeit erlebte er nicht nur spannende Abenteuer, sondern lernte auch drei wunderschöne Frauen kennen. Als Odysseus endlich nach Hause kam, fand er seine eigene Frau Penelope von Freiern bedrängt vor. In der Verkleidung eines Bettlers wurde er zunächst nur von seinem Hund Argos erkannt. Als er dann herausfand, dass seine Frau ihm treu geblieben war, tötete er zusammen mit seinem gerade erwachsen gewordenen Sohn Telemach die Freier und hängte zwölf untreue Mägde quer über den Hof an einem Seil auf. Daraufhin musste er einen letzten Kampf gegen die Familien der getöteten Männer führen. Die Göttin Athene stellte schließlich den Frieden wieder her.

Quelle: Homer: "Die Odyssee", übersetzt von Wolfgang Schadewaldt, rororo-Verlag 2008, ISBN 3-4992-4740-2