
- Homer - Templermeister
Wer kennt ihn nicht, den berühmtesten Helden der Literatur: Odysseus. Mit der Geschichte des Odysseus begann vor 2800 Jahren die europäische Literatur. Der Reichtum der Handlung, die ständig wechselnden Schauplätze und die Vielgestaltigkeit der im Epos auftretenden Personen sind ebenso bestechend wie die Liebe zum Detail, die Homer als genialsten Erzähler aller Zeiten ausweisen.
Homer und seine Lebensgeschichte
Homer gilt, wenn auch teilweise von der Homerforschung bestritten, als der blinde Dichter des Altertums. Seine uns überlieferten Heldengesänge wie die „Odyssee“, die „Ilias“ und eine Reihe von Gedichten ließen ihn zum gefeiertsten griechischen Dichter werden. Seine Lebensgeschichte ist – wie seine Gedichte und Epen – im Stil sagenhafter Gesänge erzählt. Homer soll etwa 800 Jahre vor unserer Zeitrechnung gelebt haben. Er war unmittelbar Familiennachkomme des Mäon, woraus sich auch die Stammesbezeichnung der „Mäonide“ herleitet. Geschichte und Literatur bezeichnen ihn als den umherziehenden blinden Sänger. Um seine Geburt streiten sich die Orte Rhodos, Kolophon, Salamis, Chios, Argos und Athen. Nach der Überlieferung jedoch kann angenommen werden, dass Homer in Smyrna geboren wurde. Ob die kleinen Gedichte und Epen, wie beispielsweise der „Mäuse-Froschkönig“ und andere kleine Erzählungen, nicht von Homer sind, lässt sich nicht beweisen. Hingegen spricht für seine Existenz, dass man noch heute, also nach Jahrtausenden, von einem homerischen oder Götter-Lachen berichtet, das sich durch große Phonstärke ausgezeichnet haben soll.
Die Odyssee – eine kurze Einführung
Die Odyssee beginnt am Ende: Odysseus ist allein; seine treuen Gefährten sind gestorben. Das Epos folgt keineswegs der Chronologie des Geschehens. Es beginnt, wie es der Schriftsteller Michael Köhlmeier so trefflich formuliert, „im Safranlicht der frühen Morgenröte, ehe die Nacht der Irrfahrt sich neigt“.
Nach dem Krieg mit Troja hatte König Odysseus nur einen Wunsch: schnellstmöglich nach Hause zurückzukehren. Das Glück indes war ihm nicht hold. So musste er zehn Jahre lang über das Meer irren und vielen Listen und Gefahren trotzen, bevor er Haus und Hof wiedersehen durfte. Keine noch so liebreizenden Nymphen und Sirenen konnten sein Verlangen nach seinem geliebten Ithaka und seiner schönen Gattin Penelope stillen. Schließlich wurde Odysseus durch das seefahrende und ihm wohlgesonnene Volk der Phäaken schlafend auf dem Strand von Ithaka abgelegt. Er erwachte – und wusste nicht, wo er war.
Pallas Athene, Odysseus‘ persönliche Schutzgöttin hatte ihn in Ithaka in tarnenden Nebel gehüllt, damit Odysseus für seine Feinde (die Freier der Penelope!) unsichtbar blieb. Der Nebel sorgte allerdings auch dafür, dass Odysseus sich auf fremder Erde wähnte. Erst als Athene den Nebel aufhob, fiel Odysseus auf die Knie und küsste den Boden seines Vaterlandes. Die Stunde der blutigen Vergeltung hat geschlagen.
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Quellen:
- Homer: Die Odyssee. Deutsche Übersetzung von Wolfgang Schadewaldt, Zürich 1966.
- Latacz, Joachim: Homer. Der erste Dichter des Abendlandes, 4. überarbeitete und durchgesehene Auflage, Düsseldorf 2003.
- Köhlmeier, Michael: Kalypso, München 1997 (Zitat: Seite 32).
