
- Homicide - Verlag Antje Kunstmann
Der Erfinder der berühmten HBO-Fernsehserie "The Wire" David Simon bekam als erster Journalist in Amerika uneingeschränkten Zutritt zum Morddezernat in Baltimore. Seine fesselnden Berichte lassen den Leser ganz dicht an die Ermittlungen heran. Das am 29. August 2011 veröffentlichte Buch "Homicide" ist eine Reportage über den Alltag der Polizeiarbeit in Baltimore und eine Bestandsaufnahme der amerikanischen Gesellschaft voller Gewalt.
Homicide - Ein Jahr auf mörderischen Straßen
Zwanzig Jahre nach der Veröffentlichung des englischen Romans "Homicide - A year on the killing streets" brachte der Verlag Antje Kunstmann die deutsche Übersetzung am 29. August 2011 heraus. Die Erlebnisse des Journalisten David Simon wurden 1991 als Grundlage für die amerkanische TV-Serie "The Wire" genommen. David Simon, der als Polizeireporter tätig war, verbrachte fast ein Jahr bei der Mordkommission in Baltimore. Dort erlebte er den Alltag der Polizisten live mit. 25 Polizeibeamte versuchten in dem Jahr, als David Simon ihnen über die Schulter schaute, 243 Morde aufzuklären. Einige der Fälle wurden bis zum Ende des Buches nicht gelöst.
Ermittlungen der Mordkommission
Während seiner Zeit bei der Baltimorer Polizei lernte David Simon die Arbeits- und Denkweise der Cops kennen und verstehen. So gibt es dort eine spezielle Sprache, in der die Schwere des zu lösenden Falls in eine Kategorie gepresst wird. Da wird zum Beispiel ein "Red Ball" zum Fall von höchster Wichtigkeit und ein "Dunker" liefert von selbst die Lösung. Das Morddezernat in Baltimore steht unter der Führung von Lieutenant Gary D`Addario, der energisch gegen den kriminellen Abschaum vorgeht. Auch die anderen Kollegen, wie der junge Polizist Tom Pellegrini und der schwarze Cop Harry Edgerton stellen sich dem Zentrum aus Drogen und Gewalt. David Simon schreibt über die Gefühle und Arbeitsweisen der engagierten Polizisten.
True Crime Klassiker
"Homicide" ist kein Thriller oder Kriminalroman im herkömmlichen Sinn, sondern ein Tatsachenbericht über Mörder, Junkies, Cops und Politiker. David Simons Reportage in Form eines Romans lässt den Leser ganz nah am Verbrechen sein. Der Journalist bekam die einmalige Gelegenheit, eine Art Selbsterfahrung im Polizistenalltag zu machen. Seine Reportage "Homicide" wurde unter anderem mit dem "Anthony Award" und dem "Edgar" ausgezeichnet. David Simons zeigt in erschreckender Weise die amerikanische Kultur der Gewalt, die ihre Wurzeln in Zukunftsangst und Klassendenken hat.
Fazit
Der Ende August 2011 veröffentlichte Tatsachenbericht "Homicide" ist heute noch genauso aktuell wie 1991, als das Original in den USA erschien. Die gesellschaftlichen Schwierigkeiten zwischen den unterschiedlichen Klassen sind seitdem noch größer geworden. Es gibt in den USA entweder Arm oder Reich, dazwischen ist fast nichts. David Simons True-Crime-Roman zeigt in schonungsloser Offenheit das große Gewaltpotenzial von Menschen, die glauben, keine Zukunft zu haben. Dieses Buch hat auch im deutschsprachigen Raum ganz sicher das Potenzial zu einem Bestseller!
"Homicide" von David Simon, übersetzt von Gabriele Gockel, Barbara Steckhan und Thomas Wollermann, erschienen am 29. August 2011 im Verlag Antje Kunstmann, 832 Seiten, 24,90 Euro, ISBN 978-3-88897-723-7
Die Autorin bedankt sich beim Verlag Antje Kunstmann für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.
Bildnachweis: copyright Verlag Antje Kunstmann
