Hommage an Charlie Mariano

Der leidenschaftliche Saxophonist verwandelte Gefühle in Musik

Der Saxophonist, Charlie Mariano, verstarb am 16. Juni 2009 in Köln. Sein Sound war tiefer als jedes Wort und setzte mit seinen Klangtränen neue Akzente in der Jazzmusik.

Der herausragende Saxophonist und wunderbare Mensch, Charlie Mariano, verstarb am 16. Juni 2009 in seiner Wahlheimat Köln.

Mit seinem unvoreingenommenen, offenen und begeisterungsfähigem Wesen entwickelte er im Laufe des Lebens seinen unverkennbaren Musikstil. Der Sound seiner Melodien dringt in die Herzen, geht unter die Haut und erweckt die Klangtränen.

Seine Experimentierfreude und Neugier für Unbekanntes vereinigten weltweit Musikkulturen zu einer bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht existierenden Musikform. Das melodisch geprägte Spiel Charlie Marianos fungierte als Bindeglied zwischen den Klangwelten. Die Leidenschaft ebnete ihm seinen Weg zur Schlüsselfigur in der Jazzwelt.

Charlie Mariano als Musiklehrer

Mehr aus finanzieller Not als aus Leidenschaft unterrichtete Mariano an der Musikschule Berklee in Boston. Obwohl die Schule weltweit ein großes Ansehen genießt, widerstrebte es ihm, bis zu 30 Studenten mit unterschiedlichen Qualifikationen in einer Klasse zu unterrichten. Einige der Studenten, wie Keith Jarret oder Joe Zawinul, denen diese Art des Unterrichts missfiel, verließen nach kurzer Zeit die Schule wieder. Einige ausländische Schüler kamen hierher, um auf diesem Wege eine Aufenthaltsgenehmigung für Amerika zu bekommen, so auch Toshiko Akiyoshi.

Die am12. Dezember 1929 in der Manschurei, in Japan, geborene Pianistin wurde bereits 1956 wegen ihres besonderen Pianospiels gefeiert. Ihr Klavierlehrer bezeichnete ihr Spiel als eines der wenigen weiblichen, das nicht weiblich klingen würde. Charlie Mariano und Toshiko Akiyoshi verliebten sich, heirateten im November 1959, gingen gemeinsam an die Westküste und im Januar 1960 nach New York City.

Einfluss Asiens auf die Musik von Charlie Mariano

An der Seite von Toshiko Akiyoshi konnte sich Charlie Mariano voll entfalten. Sie beflügelten und ergänzten sich gegenseitig. In dieser evolutionären Zeit löste sich Mariano von seiner sich selbst auferlegten Charlie-Parker-Ära und fand eine eigene Jazzsprache. Mit dem gemeinsam ins Leben gerufene Quartett spielten sie in vielen Clubs. Bereits ein Jahr später traten sie die erste Auslandstournee an, unter anderem in die Heimat von Toshiko. Die Japaner kannten bis zu diesem Zeitpunkt keinen Jazz, aber sie mochten ihn. Begeistert von dem Land, seinen Menschen und dem Essen zogen die Marianos zwei Jahre später nach Japan. Mit seinem Respekt vor der neuen Kultur und seinen gesammelten Jazzerfahrungen wurde Charlie Mariano sehr schnell zu einer wichtigen Persönlichkeit in der Musikszene, die man gern um Rat fragte. Doch auch die gute Idee der Marianos, dem Aufbau einer Workshop-Band, war mit der weniger kämpferisch veranlagten Mentalität in Japan auf Dauer unbefriedigend.

Die Faszination des Klangs vom Nadaswaram in Malaysia

Charlie Mariano ging 1967 für ein halbes Jahr nach Kuala Lumpur, in Malaysia, um die Arrangements für eine Bigband zu leiten. Es war für ihn eine gute und erfrischende Zeit, zu der er die internationalen Musiker anleitete. Seine gesunde Neugier und Offenheit wurde hier mit der bunten Vielfalt rundum gesättigt.

Während einer für ihn organisierten Touren, gelangte er an einen Tempel, aus dem ein auf ihn magisch wirkender Sound drang. Es waren die Klänge des südindischen Holzinstrumentes Nadaswaram. Charlie Mariano bat Muthaiah, den Tempelmusiker, ihm das Spiel zu lehren und mit täglich zehn Stunden Unterricht wurde er zum besten westlichen Interpreten dieses Instrumentes.

Zu Hause in den tears of sound, den Klangtränen

Anfang der siebziger Jahre kehrte er nach Europa zurück, lebte zunächst in Den Haag und ab den neunziger Jahren in Köln. Während einer Party in Stuttgart bei Wolfgang Dauner, lernte er Dorothee, eine Malerin und seine spätere Ehefrau, kennen. Sie gab ihr Atelier in Stuttgart auf, nachdem sie ein passendes Zuhause in Köln gefunden hatten.

Hier wartete die Arbeit auf ihn, die er sich zeitlebens gewünscht hatte. Mit seinen japanischen und indischen Einflüssen wurde er im Spiel seinem eigenen Anspruch gerecht, Improvisator und Anreger zu sein.

“Es sind die `tears of sound´, es ist der Klang einer Liebe, die immer wieder in Leidenschaft beginnt und im langen Blues des Abschieds endet.“ Zitat: Lothar Lewien, in Charlie Mariano tears of sound.

Charlie Mariano wurde im Jahr 2007 zum Tanz- und Folklorefestival in Rudolstadt der RUTH Weltmusikpreis für sein Lebenswerk verliehen.

Quelle: Lothar Lewien: Tears of Sound Wanderer zwischen den Musikwelten. Hanibalverlag

Christine Rödel, Christine Rödel

Christine Rödel - Ich bin in Thüringen geboren und aufgewachsen. Mitte der achtziger Jahre genügte der sich immer mehr verengende Radius nicht ...

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