
- Autorenporträt Balzac - Wikipedia
Mit dieser Novelle von 1835 ist Balzac ein bissige Satire auf liebesblinde Freier und vor allem auf hinterlistige und geldgierige Schwiegermütter sowie auf die für den Ehemann verhängnisvolle Mutter-Tochter-Beziehung gelungen.
Inhalt
Madame Evangélista hat sich durch verschwenderischen Lebenswandel ruiniert und will sich sanieren und in Paris avancieren, indem sie ihre Tochter Natalie, die Ballkönigin von Bordeaux, gut verheiratet. In die ist der junge Graf Paul de Manerville hoffnungslos verliebt und so merkt er nicht, dass ihm beim Ehevertrag das Fell über die Ohren gezogen wird. Binnen fünf Jahren ist er ruiniert und sein Vermögen in den Händen seiner Schwiegermutter, so dass er sich gezwungen sieht, sich nach Indien einzuschiffen, um für sich und seine Frau ein neues Vermögen zu gewinnen. Über das durchtriebene Spiel der beiden Frauen, das er nicht durchschaut, öffnet sein Freund de Marsay ihm mit einem Brief die Augen, den er aber erst liest, als er sich bereits auf dem Schiff befindet.
Traue keiner Frau: Die Frauenfeindlichkeit in der Novelle
Bei der Zeichnung der Charaktere fällt auf, dass Balzac hier stark nach Geschlechtern differenziert: Den Frauen werden fast nur negative Eigenschaften zugeschrieben, während das Bild bei den Männern gemischt ist. Die beiden männlichen Hauptpersonen werden überwiegend positiv dargestellt.
De Marsay hatte Paul bereits vor der Heirat vor dieser Ehe gewarnt, weil er in der jungen Natalie die Verschwenderin und das herrschsüchtige Wesen erkannt hat. Und richtig wird sie kurz vor der Hochzeit von ihrer Mutter belehrt, wie sie es anstellen muss, um in der Ehe das Zepter in der Hand zu behalten und die Herrschaft über ihren Mann auszuüben. De Marsay seinerseits nennt Paul schon im Vorfeld das Gegenmittel: „Der Code civil, mein Lieber, hat die Frau unter Vormundschaft gestellt, er betrachtet sie als Minderjährige, als Kind. Wie aber erzieht man Kinder: durch Furcht. In diesem Wort, Paul, liegt das Mittel, die Bestie zu zähmen.“ Insgesamt werden die beiden Frauen fast durchweg negativ charakterisiert. Das einzig Positive scheint ihre Schönheit zu sein, die allerdings mit Verschwendungssucht einhergeht. Eine Charakterisierung, die Balzac hier auf die Tochter bezieht, stellt er als von der Mutter ererbt dar: „Alle diese Anzeichen ließen heftige Leidenschaften ohne Zärtlichkeit vermuten, ungestüme Hingabe, unversöhnlichen Haß, Geist ohne Gemüt und die Herrschsucht jener Menschen, die sich ihren Ansprüchen nicht gewachsen fühlen.“ Die Mutter ist darüber hinaus hinterlistig und äußerst berechnend. Ihre Bemühungen um einen Schwiegersohn werden von Balzac äußerst witzig karikiert: „Die Naturforscher haben uns die Lebensgewohnheiten vieler wilder Tiere geschildert, aber Mutter und Tochter auf der Jagd nach dem Mann haben sie vergessen. Es sind Hyänen, die nach den Worten des Psalmisten eine Beute zu verschlingen suchen und die die Raubgier der Bestie mit der Intelligenz des Mannes und der Begabung der Frau in sich vereinen.“
Männer werden vorwiegend positiv dargestellt
Diesem negativem Bild steht Paul gegenüber, der ganz und gar unfähig ist, in Bezug auf seine Frau de Marsays Rat zu befolgen und sie durch Furcht zu beherrschen. Stattdessen liest er ihr jeden Wunsch von den Augen ab und ruiniert sich aus Liebe. Seine menschlichen Schwächen zeichnen ein vorwiegend positives Bild von ihm. Seinem Freund de Marsay wird die Fähigkeit zu echter, bedingungsloser Freundschaft zugeschrieben, in der er trotzdem dem Freund ehrlich die unangenehme Wahrheit sagt. Darüber hinaus wird ihm seine Berechnung in Ehefragen als Klugheit ausgelegt. Pauls Notar Mathias wird als klug und gewissenhaft porträtiert.
Aus der Reihe der männlichen Figuren fällt der Notar Solomet heraus, weil er durch und durch verschlagen, geldgierig und gewinnsüchtig dargestellt wird. Er kann aber gewissermaßen als Verlängerung des Charakters seiner Klientin Madame Evangélista gelten.
Fazit
Die Moral von der Geschicht‘: Traue keiner Frau, denn als Mann bist du ihren Schlichen hilflos ausgeliefert.
"Der Ehevertrag" von Honoré de Balzac gibt es leider nicht in einer aktuellen Ausgabe, aber bei amazon sind zahlreiche gebrauchte Exemplare ab 2,49 Euro zu bekommen.
