Horror – Die Werwölfe von Christoph Hardebusch

Ein moderner Schauerroman, der im 19. Jahrhundert spielt

Hardebusch: Die Werwölfe - Heyne-Verlag
Hardebusch: Die Werwölfe - Heyne-Verlag
Christoph Hardebusch lässt in „Die Werwölfe" Dichter zu Wolfsmenschen werden. Die Rezension beleuchtet die Stärken und Schwächen des modernen Horror-Romans.

Werwölfe zählen neben Vampiren und Zombies zu den populärsten Horrorgestalten. Zahlreiche Bücher und Filme beschäftigen sich mit den mythischen Wolfsmenschen. Der deutsche Fantasy-Autor Christoph Hardebusch hat mit „Die Werwölfe“ seine Sicht auf die auch Lykanthropen genannten Geschöpfe zu Papier gebracht. Wer allerdings eine klassische Horrorgeschichte erwartet, die vor allem aus Verwandlungen zur Zeit des Vollmonds und dem Töten wehrloser Opfer besteht, der wird von Hardebuschs „Werwölfe“ eher enttäuscht sein. Den einfachen Splatter- und Actionweg geht er nicht. Lieber entführt er den Leser in die Zeit der Restauration nach dem Wiener Kongress und der Verbannung Napoleons. Historische Persönlichkeiten wie Lord Byron, John Keats, Percy Bysshe Shelly und seine Frau Mary sowie Madame de Staël spielen wichtige Rollen im Roman.

Italienischer Werwolf in Genf

Im Mittelpunkt steht der junge italienische Adelige Niccolo Viviani. Als Sohn aus gutem Hause begibt er sich auf die Grand Tour, einer Reise durch Europa, bevor er nach dem Willen seines Vaters zum Militär gehen soll. Doch Niccolo möchte genau das nicht. Mit seiner großen Liebe Valentine fährt er zu ihren Eltern an den Genfer See. Hier lernt der junge Mann, der Werwölfe und Vampire nur aus Schauergeschichten kennt, Lord Byron kennen. Dieser will ihn in das Geheimnis der Werwölfe einweihen. Doch die Gegner der Wolfsmenschen schlafen nicht. Die heilige Inquisition holt zum Schlag gegen die Geschöpfe der Nacht aus. Und Niccolo muss plötzlich um sein Leben fürchten …

Horror-Roman aus zwei Teilen

Der Roman ist in zwei Hälften geteilt, betitelt „Prometheus“ und „Orpheus“. Durch die Teilung entsteht ein Bruch, der viel Tempo herausnimmt und auf Kosten der Spannung geht. Gerade wenn in „Prometheus“ das Feuer der Erkenntnis zu leuchten beginnt und sich die Ereignisse zu überschlagen beginnen, macht Hardebusch den Schnitt. Das erlaubt ihm, die Suche Niccolos nach dem Ursprung der Werwölfe ausführlich zu schildern, doch es dauert eine Weile, ehe die Geschichte wieder Fahrt aufnimmt. Doch die Geduld wird belohnt. Intrigen, Kampf und Gemetzel, aber auch die Liebe bestimmen das letzte Drittel der „Werwölfe“.

„Die Werwölfe" enden ungewöhnlich

Christoph Hardebusch („Sturmwelten“) mag zwar nicht den Schauer- oder Horrorroman neu erfinden und hat auch keinen typischen modernen Urban-Fantasy-Roman à la J.R. Ward geschrieben. Sein Buch hebt sich jedoch besonders durch die historischen und literarischen Bezüge (etwa auch zum „Glöckner von Notre-Dame“) von anderen Romanen ab. Sprachlich besticht „Die Werwölfe“, auch weil Hardebusch der Versuchung widersteht, etwa in den Dialogen die Sprache des 19. Jahrhunderts aufzugreifen. Der Autor entwirft die Szenerie gekonnt, ohne durch zu viele Details zu langweilen. Das Ende ist mutig, da Hardebusch hier versucht, Klischees zu vermeiden, dürfte dadurch aber nicht allen Lesern gefallen.

Wer Hardebusch live erleben möchte, hat dazu auf der Leipziger Buchmesse 2010 Gelegenheit.

Christoph Hardebusch: Die Werwölfe. Heyne 2009. Broschiertes Taschenbuch, 512 Seiten (inklusive Leseprobe „Die Saat“). Euro 14,00 (Österreich 14,40).

Jörn Käsebier - Bei Suite101.de betreute Jörn Käsebier zweieinhalb Jahre die Ressorts Wirtschaft & Geld sowie Sport als Redakteur, solange es ...

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