
- Karl Heinz Geisendorf - Sigrid Stephenson
Kreative Köpfe kommen oft auf Umwegen zu ihrer eigentlichen Berufung. Das war bei Karl Heinz Geisendorf (46) nicht anders. Zunächst erlernte er zwei „bürgerliche“ Berufe. Heute ist er erfolgreich als Autor und Produzent von Hörspielen. Er gibt dem Horror, gibt dem Grauen eine Stimme.
Eigentlich, so findet er, sind es eher Fantasy-Geschichten, die er vertont. „Horror klingt grauenvoller, als es wirklich ist“, sagt er. Manche Rollen hat er selbst eingesprochen, bei anderen kamen bekannte Schauspieler zu Wort. Multitalent Karl Heinz Geisendorf hat unter anderem „Weihnacht“ von Karl May als Hörspiel herausgebracht. Im Moment arbeitet Geisendorf an seinem neuesten Projekt: Er hat die Rechte an den sechs „Büchern des Blutes“ aus der Feder des preisgekrönten Schriftstellers Clive Baker erworben. Gemeinsam mit seinem Partner Marc Trinkhaus will er sie alle vertonen. Die erste Folge ist bereits fertig - "Moloch Angst" kommt demnächst in den Handel.
Karriere als schlechter Schüler
Viele erfolgreiche Männer behaupten von sich, keine guten Schüler gewesen zu sein, und oft stimmt das offenbar auch - zumindest nach herkömmlichem Maßstab. Hier reiht Geisendorf sich ein. „In der Schule war ich grottenschlecht“, behauptet er, auch wenn es ein wenig nach sympathischem Understatement klingt. „Aber Schreiben, das konnte ich schon immer!“
Aus Romanvorlagen entstehen Drehbücher, Dialogbücher, Hörspiele
Wenn für Aufträge Abgabefristen näher rücken, sitzt er ganze Nächte lang an seinem PC. Dann schreibt er Romane in Drehbücher oder Dialogbücher um oder er verfasst eigene Texte. Aus den Dialogbüchern werden im Tonstudio Hörbücher.
Berühmte Synchronstimmen - Ulrike Stürzbecher als Kate Winslet, Howland, Trowe
Wer richtig hinhört bei „Moloch Angst“, wird eine sehr bekannte Stimme entdecken. Ulrike Stürzbecher, die Synchronstimme der amerikanischen Schauspielerin Kate Winslet („Titanic“), spricht die Rolle der Cheryl. Auch andere berühmte Namen sind in Geisendorfs Sprecherliste zu finden, wie Peer Augustinski, Chris Howland, Gisela Trowe oder Benjamin Armbruster (bekannt geworden in seiner Rolle als Winnetou bei den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg).
Mit den Hauskatzen Jerry und Silvester Entspannung auf dem Sofa
"Von der Idee bis zur fertigen Aufnahme dauert es normalerweise ein bis zwei Monate“, erklärt Geisendorf. Er kümmert sich bei der Produktion der Hörspiele auch um Organisation und Verträge. Marc Trinkhaus produziert und mischt ab. Wenn der rührige Autor sich irgendwann zum wohl verdienten Feierabend aufs Sofa legt, schleichen auf samtweichen Pfoten und gar nicht gruselig seine beiden Hausgenossen herbei, um es sich auf seinem Bauch bequem zu machen. Die schwarz-weißen Hauskatzen Silvester und Jerry sorgen für Inspiration und Wohlgefühl.
Marquis de Sade und "Die 120 Tage von Sodom" als Negativbeispiel
Als Kontrast dazu steht in Geisendorfs Bücherregal ein Buch aus der Feder des Marquis de Sade, der unvollendeten Episodenroman „Die 120 Tage von Sodom“. Von dessen Ideen aber sind Geisendorfs Hörspiele weit entfernt. „Was de Sade schreibt, das braucht keiner. Das tut der Seele nicht gut.“
Kurzfilm-Wettbewerb "Neuneinhalb Minuten" und Filmdrehbuch nach Clive Barker
Seit 2007 dreht Geisendorf Kurzfilme. Beim Kurzfilm-Wettbewerb „Neuneinhalb Minuten“ war er gleich mit zwei Werken vertreten. Seine Kenntnisse teilt er gern mit anderen. An verschiedenen Schulen hat er Seminare gegeben und zusammen mit Schülerinnen und Schülern Filme gedreht. Die gemeinsame Arbeit hat ihm mächtig viel Spaß gemacht. Nebenher schreibt Geisendorf zurzeit an einem Film-Drehbuch auf der Basis des Fantasay-Romans "Der Dieb der Zeit" von Clive Baker. Das möchte er gern nach Amerika verkaufen.
„Von der Hörspielproduktion allein kann man nicht leben“, erklärt der Autor. Hätte er mit dem Verkauf des Filmdrehbuchs Erfolg, sähe das schon anders aus. Das Zeug dazu dürfte der Wahl-Eicheder haben. Man braucht nur einmal in die Demo-Version von „Moloch Angst“ hinein zu hören, um sich mit eigenen Ohren ein Bild davon zu machen.
