Der Film „Hotel Ruanda“ wurde 2004 unter der Regie von Terry George in Südafrika, Großbritannien und Italien gedreht. Am 7. April 2005, dem elfjährigen Jahrestag des Genozids startete der Film in den Kinos. Er basiert auf einer biografischen Vorlage des ruandischen Hotelmanagers Paul Rusesabagina, der während des Genozids 1994 in dem belgischen Hotel „Mille Collines“ 1200 Flüchtlinge aufgenommen und so vor dem Tod bewahrt hat.
Geschichte Ruandas – Gründe für die ethnische Feindseligkeit
Ruanda ist eine ehemalige, deutsche Kolonie und war nach dem Ersten Weltkrieg bis 1962 belgisches Mandatsgebiet. Während dieser Zeit unternahmen die Kolonialmächte eine Klassifizierung der ethnischen Bevölkerung, die es ihnen ermöglichte einen Verwaltungsapparat aufzubauen, der sich an den einheimischen gesellschaftspolitischen Strukturen orientierte. In diesen Strukturen waren die Tutsis die herrschende Elite, die Zugang zu schulischer Bildung besaß und zuständig für die Ausführung der Kolonialpolitik war. Die Hutus hingegen, die den Großteil der ruandischen Bevölkerung ausmachten, waren Bauern. 1934/35 wurde diese arbiträre Unterscheidung von den belgischen Kolonialherren in die Personalausweise der Ruander aufgenommen. Dieser Vermerk in dem Ausweis demonstrierte einen ethnischen Unterschied, der von einer Identitätskonstruktion zum Naturzustand überging und somit rassenfeindliche Stereotypen schuf. Aus dieser geschaffenen, ethnischen Differenz nährten sich die Kriege zwischen den beiden Ethnien bis sie sich 1994 im Genozid zuspitzten. Als am 6. April 1994 das Flugzeug des damaligen Präsidenten Juvenal Habyarimana beim Landeanflug abgeschossen wurde, begannen die militanten Hutus mit ihrem Angriff auf die Tutsis, der einen Monat lang dauerte.
Der Film „Hotel Ruanda“
Eingebettet in den historischen Kontext des Völkermords von 1994 werden die damaligen Erlebnisse von Paul und seiner Familie erzählt, die nicht nur die Geschichte dieser Familie beleuchten, sondern auch die der anderen Opfer ebenso wie der Täter. Der Film ergreift keine Partei für eine der Kriegsgruppen und bedient sich auch nicht stereotypischer Sieger- und Feindmuster, so dass der Zuschauer nicht eine vorgefertigte Sicht einer der kriegerischen Fraktionen erhält, sondern den Krieg aus der Sicht der Opfer miterlebt. Die politischen Umstände werden in einigen Szenen ebenso angeschnitten, wie die historischen Gründe für diese ethnische Auseinandersetzung.
Der Verweis auf die koloniale Vergangenheit Ruandas und die damit entstandene ethnische Differenz zwischen Hutus und Tutsis birgt den ersten Anhaltspunkt für den Konflikt dieser beiden Ethnien. Die politische Situation Ruandas wird aber nicht nur auf der nationalen Ebene behandelt, vielmehr wird auch das Verhalten internationaler Institutionen, wie der UNO, dargestellt. Vor allem das Versagen der internationalen Gemeinschaft ist zentraler Bestandteil des Films, der zwar keine Denunziationen vornimmt, aber eine kritische Position bezüglich der Weltpolitik bezieht.
Antikriegsfilm
Der Film „Hotel Ruanda“ kann als Antikriegsfilm bezeichnet werden, da er einen pädagogischen bzw. aufklärenden Standpunkt einnimmt und sein Publikum in seiner Einstellung bezüglich des thematisierten kriegerischen Geschehens belehrt.
Es scheint, als versuche der Film, die Funktion der öffentlichen Medien zu übernehmen, die es während des Genozids verpasst haben, ausführlich auf diesen Konflikt in Afrika hinzuweisen und somit die Weltöffentlichkeit über das Geschehen ausreichend zu informieren.
Titel: Hotel Ruanda – Eine wahre Geschichte
Regie: Terry George, 2005
Schauspieler: Don Cheadle, Sophie Okonedo. Nick Nolte, Joaquin Phoenix
