House of Boys - Rezension zur DVD-Veröffentlichung

House of Boys - DVD-Cover - Filmlichter
House of Boys - DVD-Cover - Filmlichter
Im Homosexuellen-Drama mit Schwerpunkt AIDS spielen unter anderem Layke Anderson, Udo Kier und Ross Anthony. Ab dem 24. Juni 2011 auf DVD im Handel.

Ein Drama voller Tanz, Gesang und nackten Männern. "House of Boys" zeigt das Leben eines jungen Homosexuellen in einem bunten Etablissement in den Achtziger Jahren. Mit Klischees en masse und ernstem Thema erscheint der Film ab dem 24. Juni 2011 auf DVD im Handel.

"House of Boys" - Die Handlung des Homosexuellen-Dramas

Frank (Layke Anderson) ist eigentlich noch an der High-School in Luxemburg, macht sich aber auf den Weg nach Amsterdam, wo er im Homosexuellen-Etablissement "House of Boys" unterkommt. Dort residieren nicht nur allerhand Schwule und Transen, die in ihren Shows tanzen, singen und strippen, sondern auch der Hausherr Madame (Udo Kier), der seine schützende Hand über seine Jungs hält.

Viel Klischee gemixt mit Soap-Opera und Tanznummern - "House of Boys"

"House of Boys" ist im Grunde genommen ein Drama. Besonders dramatisch ist in erster Linie aber das Hauptthema, nämlich die in den Achtzigern noch neue und sehr unbekannte Krankheit AIDS, die im Lauf des Films an Bedeutung gewinnt. So gibt es dann auch allerhand Szenen, die sich der Heimtücke der Krankheit widmen, jedoch geht die Dramatik insgesamt leider ein wenig verloren. Geschuldet ist dieser Umstand der größtenteils etwas zu seichten Inszenierung, die sich primär auf Homosexuellen-Klischees stützt. Billiger, schneller Sex auf der High-School-Toilette, Drogen-Eskapaden, Transen in schicken Fummeln und quietschige Stimmchen verwässern das eigentliche Grundthema. Wenn schon schrill, dann bitte etwas bunter! So kann sich der Film nie ganz dazu durchringen, vollends grell zu werden. Dann wäre das dramatische Thema AIDS sicherlich deutlicher in den Vordergrund gerückt - so geht es im Klischee-Geplänkel leider baden. Da hilft dann auch keine Tanz- und Gesangsnummer von Udo Kier als Madame mehr, um die in mehrerlei Hinsicht überspitzten Szenen und Charaktere auch als solche zu deklarieren. "House of Boys" macht einige Sachen richtig, stört aber durch das falsche "So waren die Achtziger nun mal!"-Gefühl, das sich entwickelt. Die schlechte deutsche Synchronisation trägt ihren Teil dazu bei, aus dem emotionalen Drama eine Klischee-Soap-Opera mit dramatischen Anleihen zu machen.

Newcomer spielen mit Udo Kier und Stephen Fry - "House of Boys"

Die männlichen, meist in Fummeln oder halbnackt bis nackt agierenden Charaktere werden von hauptsächlich unbekannten, unverbrauchten Schauspielern dargestellt, die es bisher höchstens als Statisten oder in Minirollen in andere Filme geschafft haben. Wie eine graue Eminenz wirkt dagegen Udo Kier als Madame. Der 1944 in Köln geborene Weltstar ("Blade", "Far Cry", "Soul Kitchen"), im Privatleben bisexuell, liefert in "House of Boys" leider trotz seiner Erfahrung eine höchstens mittelmäßige Vorstellung ab. Seine Dialoge wirken nicht nur wie gezwungen geschrieben, sondern auch ebenso präsentiert. Ein Highlight des Films ist da noch sein Bühnenauftritt mit dem Song "Für mich soll´s rote Rosen regnen", komplett im knappen Fummel und mit ordentlich Make-Up, aber auch hier hat "House of Boys" leider nicht das gezeigt, was möglich gewesen wäre. Die Vorstellung eines Udo Kier im Frauengewand zu diesem Lied ist leider viel amüsanter und verrückter, als es im Film schließlich gezeigt wird. Hier kommt wohl die fehlende Erfahrung von Regisseur Jean-Claude Schlim zum Vorschein, der sich bisher nicht mit Regie, sondern der Produktion von Filmen auseinander gesetzt hat. So wirkte er unter anderem an "American Werewolf 2" (1997) und "Shadow of the Vampire" (2000) mit. Auffällig sind ansonsten noch zwei englische Stars: Ex-Bro´Sis-Sänger und "Ich bin ein Star, holt mich hier raus!"-Dschungelkönig Ross Anthony hat eine Minirolle als reicher Freier, während Kultstar Stephen Fry als Arzt auftritt. Fry begann seine große Karriere mit Serien wie "Black Adder" und an der Seite von Hugh Laurie ("Dr. House") in herrlich komischen Sketchen und Bühnenauftritten, ehe er sich auch mit Filmen einen Namen machte. Für die Hauptrolle in "Oscar Wilde" (1997) bekam Fry sogar eine Nominierung für den Golden Globe.

Fazit zur Kritik - Das Homosexuellen-Drama "House of Boys"

Viel gewollt und mit einem ernsten, wichtigen und ehrlichen Thema versehen. "House of Boys" schwingt sich auf zu einem emotionalen Drama, erfährt jedoch durch seine gekünstelte Überspitztheit, die eher von Klischees zeugt denn von bewusster Überzeichnung, eine Bruchlandung. Besonders in der schlechten deutschen Synchronisation wird der dramatische Aspekt des Films nur all zu selten deutlich, wodurch "House of Boys" am Ende nicht viel mehr bleibt als eine Musik-Tanz-Strip-Seifenoper mit dramatischen Anleihen.

Filmangaben zu "House of Boys"

Titel: House of Boys

Land, Jahr: Deutschland / Luxemburg, 2009

Regie: Jean-Claude Schlim

Drehbuch: Jean-Claude Schlim, Christian Thiry, Bob Graham

Darsteller: Layke Anderson (Frank), Benn Northover (Jake), Udo Kier (Madame), Eleanor David (Emma), Steven Webb (Angelo), Luke Wilkins (Dean), Stephen Fry (Dr. Marsh), Ross Antony (Rick), Joanna Scanlan (Schwester Suzanne), Emma Griffiths Malin (Carol)

Laufzeit: 112 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

DVD-Kauf-Start: 24. Juni 2011

Quellen

Filmlichter

Internet Movie Database

Blickpunkt:Film

Mathias Wagner, Christine Wagner

Mathias Wagner - Ich bin seit dem 23. April 2010 Mitglied von Suite101 und weiß inzwischen die Möglichkeiten zu schätzen, die mir dieses ...

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