
- Buchcover "House of the Lost" - Sarah Rayne Homepage
Sarah Rayne, Autorin der Bücher Todeskammer, Fluch der Finsternis und Haus der Schatten, brachte mit House of the Lost einen neuen Mysterythriller auf den Markt. Doch weicht dieser Roman von ihrem bisherigen Schema ab.
Gegenwart
Theo Kendall, ein mehr oder minder erfolgreicher Schriftsteller, sieht nach vielen Jahren Fenn House, ein altes, verwittertes Haus irgendwo in England wieder, in dem er als Kind mit seinen Cousinen und Cousins viel Zeit verbrachte. Vor vier Monaten wurde seine Cousine Charmery auf grausame Weise getötet und hinterließ in ihrem Testament das Haus Theo. Wider besseren Wissens zieht Theo dorthin, um sein neuestes Buch fertig zu stellen. Doch sobald er in Fenn House ankommt, geschehen merkwürdige Dinge, eine alte Standuhr zieht sich von alleine auf und ein Bild seiner Cousine Charmery findet sich plötzlich statt auf der Wand auf dem Tisch lehnend wieder. Außerdem merk Theo, dass, sobald er den Computer andreht und schreiben will, eine völlig neue Geschichte auf dem Bildschirm erscheint. Es ist die Geschichte zwei Kinder in einer Zeit, in der Menschen ohne jeden Grund verschwinden und in der das auftauchen der kaltäugigen Männer einem Todesurteil gleichkommt.
Rumänien, früher 1970er Jahre
Nicolae Ceausescu und seine Frau Elena haben das Land fest im Griff. Um die enormen Schulden Rumäniens abbezahlen zu können, ordert Nicolae ein strenges Sparprogramm an, die Bevölkerung hungert. Die kommunistische Partei regiert, jeder, der nicht mit ihr konform ist, wird von den kaltäugigen Männern gefunden, abgeholt und in eines der beiden gefürchtetsten Gefängnisse gebracht, Pitesti Gaol oder Jilava Gaol. Dasselbe passiert auch Matthew, dessen beste Freundin Mara mitgenommen wird, um Matthew zu erpressen, dass er seinen Vater verrät. Matthew's Vater schreibt Zeitungsartikel, in denen er sich gegen das Terrorregime ausspricht und ist schon seit langem im Visier der Partei. Elizabeth, seine Frau und Matthew's Mutter, wurde schon vor langer Zeit, als ihr Sohn noch ein Baby war, abgeholt. Es ist eine dunkle Zeit, voller Folter, Gewalt und Tod. Niemand, der ihn ihr lebte, kam unbeschadet daraus hervor. Es ist eine Zeit, die selbst noch die Gegenwart beeinflusst.
House of the Lost enttäuscht
Wer Sarah Rayne und ihre Werke kennt und gelesen hat, wird von diesem Buch leicht enttäuscht sein. Der Schreibstil bleibt derselbe und auch die Spannung kommt nicht zu kurz, doch es fehlt der typische Sarah Rayne Stil. Wie in ihren anderen Büchern gibt es zwei Zeitstränge, die Gegenwart und Rumänien der 70'er Jahre, die parallel zueinander verlaufen und voneinander beeinflusst werden. Wie in ihren anderen Büchern gibt es einen Mörder, der sich erst am Ende stellt und dessen Motive dem Wahnsinn entspringen.
Dennoch, dieses Buch ähnelt mehr einem historischen Roman, als einem echten Mysterythriller à la Sarah Rayne. Das Buch ist kurz, nur etwa vierhundert Seiten und die Handlung schnell vorbei. Es gibt keine wirklich überraschenden Entdeckungen und Zusammenhänge, auf die der Leser erst nach und nach selbst drauf kommt. Und dass sich Charmery's Mörder erst am Ende zu erkennen gibt, scheint eher ein schwacher Versuch zu sein, der ganzen Geschichte noch einen eigenen Touch zu verleihen.
Wer sich für die Welt der Mysterythriller interessiert, ist bei Sarah Rayne gut aufgehoben. Ihre Bücher sind spannend bis zum Schluss und versprechen einige Stunden Gruselspaß. Doch House of the Lost ist bis jetzt ihr schwächstes Werk und ist selbst für einen echten Sara Rayne- Fan kein Muss.
Sarah Rayne: House of the Lost, Pocket Books (2010); ISBN: 1847393578; 7,99 Euro
