"How I Met Your Mother" - US-Serie auch auf Pro7

Seit 2005 läuft in den USA die Sitcom "How I Met Your Mother" (CBS) - ein Meisterstück! Seit diesem September zeigt sie auch ProSieben - hier ist sie kein Meisterstück.

Ach, was für ein Leben führen doch diese fünf äußerst smarten New Yorker namens Ted, Marshall, Lily, Robin und Barney in der Serie "How I Met Your Mother"! Das Schöne: Man kann es sich ja im Fernsehen anschauen und miterleben. Das Schlechte: Man kann es sich nur im Fernsehen anschauen und nicht wirklich mitleben. Mit "How I Met Your Mother“ hat es das US-amerikanische Fernsehen endlich wieder geschafft, eine Clique auf den Bildschirm zu bringen, die enorm unterhaltsam ist und mit der man sich anfreundet. Das gute, alte "Friends“-Gefühl!

"How I Met Your Mother": Wie damals in der Serie "Friends" - nur besser

Mit "How I Met Your Mother“ ist den Machern Craig Thomas und Carter Bays ein Meisterstück gelungen: Wo die "Friends“-Charaktere noch ein wenig zu selbstsüchtig und unsympathisch wirkten (man aber trotzdem dabei sein wollte), sind die Leute um Protagonist Ted Mosby (Josh Radnor) jetzt absolute Sympathieträger und die perfekten Freunde: Sie sind enorm unterhaltend, witzig und immer wieder extrem absurd. Selbst Barney (wirklich großartig: Niel Patrick Harris), eigentlich der Frauen jagende und egozentrische Unsymphat des Ensembles, ist auf seine ganz eigene Art ein Kumpel zum gern haben. Im Gegensatz zu ihm stehen der etwas tollpatschige aber treue Marshall (Jason Segel) und die gute, manchmal etwas exzentrische Lily (Alyson Hannigan), die zusammen ein herzensgutes Paar ergeben. Und dann gibt es noch die karrierefixierte Robin (Cobie Smulders), die am Anfang der Serie „nur“ Teds große Liebe ist, sich aber schnell zu einem gleichwertigen Part in der 5er-Konstellation entwickelt.

ProSieben zeigt die Sitcom "How I Met Your Mother" am Samstagnachmittag, natürlich synchronisiert

ProSieben zeigt "How I Met Your Mother“ nun leider nur im Nachmittagsprogramm am Samstag. Aber kann man es dem Sender verübeln? Versuche in der Vergangenheit bewiesen, dass US-Comedys und Sitcoms in der Primetime nicht geschaut werden. Nach spätestens zweimal "How I Met Your Mother“ wäre Schluss gewesen. Dann lieber die Serie am Samstag über die Mattscheibe plätschern lassen. Laut dem Fachportal quotenmeter.de sind die Einschaltquoten auch gar nicht so schlecht, außerdem habe sich sogar eine kleine Fangemeinde gebildet. Nun, traditionell verrichtet man Samstagnachmittags ja eher Dinge, die nichts mit Fernsehen zu tun haben. Was jetzt? Keine Angst! Diese "Fangemeinde“ bezieht sich sicherlich auf die unsynchronisierte Serie. Man kann weiterhin getrost den Rasen mähen oder zum Shoppen in die City fahren – das Anschauen der Serie in deutscher Synchronisation macht gar keinen Sinn: Gags funktionieren hier noch weniger, als in anderen synchronisierten US-Formaten, die herausragenden schauspielerischen Leistungen verkommen zu überkandidelten Albernheiten und die vielen feinen Nuancen, die sich in der Mischung aus Gesten und eben der Sprache ergeben, gehen völlig unter. Solche neuen Freunde will man nicht haben. Also bleibt die neue Clique leider nur denen vorbehalten, die der englischen Sprache mächtig sind und sich zumindest ein bisschen mit dem US-amerikanischen Alltagsleben auskennen. Zugegeben, dieses Dogma nervt ("Ich schaue mir ja sowieso nur noch Serien im Originalton an!“), hier aber trifft es leider zu.

"How I Met Your Mother" ist eine typische Sitcom - und bricht dabei ständig die Regeln

Zurück zur unsynchronisierten Serie "How I Met Your Mother": Das Angenehmste an "How I Met Your Mother“ ist, dass es eine klassische Sitcom ist und sich an die Regeln des Geschäfts halt: Ein festes Ensemble, wiederkehrende Handlungsorte und am Ende der Folge ist die Ausgangssituation wiederhergestellt. Meistes jedenfalls. Denn noch viel angenehmer ist, dass es regelmäßige Brechungen mit den dogmatischen Gesetzen der Sitcom gibt: Das Ensemble wird nicht nur durch starke Episodenfiguren bespielt, sondern durch Figuren, die oftmals über mehrere Folgen das Ensemble ergänzen und dann ganz plötzlich aber authentisch verschwinden. Außerdem werden die Handlungsorte immer wieder erweitert, was dem Universum der Serie eine ungeahnte Tiefe gibt. Und – das ist relativ neu – es gibt Handlungsstränge, die sich durch mehrere Folgen, eine ganze Staffel bzw. die ganze Serie ziehen. Dennoch ist "How I Met Your Mother“ eine Sitcom. Eine klassische sogar. Nur eine, die die Entwicklung dieses mittlerweile schon ehrwürdigen Genres weiterdreht, indem es sich an moderneren Erzählweisen orientiert ("24“, "Lost“).

In den USA mittlerweile in der 4. Staffel - obwohl die Antwort auf die große Frage bisher ausblieb

Dabei ist diese Ignoranz gegenüber den "heiligen“ Geboten aus den Hollywood-Gesetzesbüchern nicht ungefährlich. Das gemeine Publikum kann so was durchaus übel nehmen. So auch die Tatsache, dass jemand - wie im Titel angedeutet - erzählt, "wie ich eure Mutter traf“, was als Rahmenhandlung im Pilot der Serie etabliert wird. Warum sollte das Publikum diese besondere Form des Erzählens mit Abschalten bestrafen? Nun ja, die Serie läuft in den USA mittlerweile in der vierten Staffel – doch die Antwort steht bis heute aus. Aber allein der Umstand, dass es eine vierte Staffel gibt beweist: Die Zuschauer schalten nicht ab. Denn Craig Thomas und Carter Bays haben einfach gute Arbeit geleistet; die Serie "How I Met Your Mother" zieht den Zuschauer trotz dieser Ungeheuerlichkeiten so stark in den Bann, dass man solche Kleinigkeiten eigentlich doch nicht wissen möchte – denn dann wäre die Serie ja zu Ende erzählt.