
- Howard Carpendale In concert - Simone Heiland
Er will wieder singen, will raus auf die Bühne ins Rampenlicht, eintauchen in den Jubel seiner Fans. Und sie jubeln wie eh und je. Die Tournee ist erst wenige Tage alt und schon ist alles wie immer: brechend volle Hallen, frenetischer Applaus, Freude pur im ganzen Saal. Carpendale ist back. Hello again – die Dritte!
"Hello again" – Howard Carpendale wagte schon viele Comebacks
Nach seiner ersten Auszeit in den 80er Jahren und dem endgültigen Finale 2003, das am Ende ja gar keines war, meldete sich Howard Carpendale stets mit einem kräftigen "Hello again" zurück, einem Ohrwurm, der für den großen Blonden mit dem charmanten Akzent längst zum Markenzeichen avanciert ist – ähnlich wie bei Udo Jürgens das "Merci Chéri".
Carpendales Abschied von einer Scheinwelt, wie er es Ende 2003 selbstkritisch nannte, als das damals ultimativ letzte Konzert am 13. Dezember in der Köln-Arena noch bevor stand, hatte vermutlich mehr mit seiner privaten Situation zu tun, als die Öffentlichkeit je erfahren wird. Abzutreten auf dem Höhepunkt einer Karriere, das ist immer ein Kraftakt. Im Falle eines Superstars lässt sich die überwältigende Wucht der Emotionen nicht in Worte fassen. Wer dabei war, wird es nicht vergessen. "Es war das Berührendste, was ich je erlebt habe", sagt Carpendale heute.
Howard Carpendale hat über 40 Jahre Bühnenerfahrung
"Ich war nie ein Vollblutmusiker", räumte er damals, im Oktober 2003, am Rande eines seiner letzten Konzerte irgendwo in der Provinz, offen ein. Trotzdem hatte er immer alles gegeben. Er wusste, dass es ihn beuteln würde. In Köln, wo vor über 40 Jahren alles begann. Vor gut 20.000 Menschen. Auch vor dem Hintergrund, nicht zu wissen, was kommt. Eine Rückkehr auf die Bühne als Interpret gesprochener Texte hatte Howard Carpendale vor vier Jahren als ein Beispiel in Erwägung gezogen. Abende zu bestreiten im Stile von Peter Ustinov, das hätte er sich vorstellen können. Lebensweisheiten austauschen, Erfahrungen mitteilen in Gesprächsrunden oder allein mit dem Publikum. Auch die Schauspielerei würde ihn reizen, sagte er. Nur das Singen in alter Manier mit Konzerttourneen und Promotionauftritten, das hatte er kategorisch ausgeschlossen.
Doch mit der beruflichen Neuausrichtung wurde es nichts. "Back to the roots" hieß die Devise. Carpendale kehrte auf die Bühne zurück und machte das weiter, was er kategorisch ausgeschlossen hatte. Sein Comeback traf all jene, die ihn lieben, mitten ins Herz. Doch es rief auch Spötter auf den Plan. Das war ihm bewusst, aber es hielt ihn nicht auf.
Carpendale entpuppt sich als kompetenter Gesprächspartner
"Isch bin nicht zurück gekommen, weil die Menschen es wollten. Ich bin zurück gekommen, weil isch es wollte", erzählte er jüngst bei Markus Lanz. Selten hat man Howard Carpendale so offen und frei reden hören. Authentisch will er sein. Das sei für ihn das Wichtigste überhaupt, sagte er. Der gegenseitige Schlagabtausch machte Freude, weil er eine Seite des Künstlers Carpendale zeigte, die meistens im Verborgenen bleibt. Carpendale ist nicht nur ein guter Performer und Entertainer, er ist auch ein kompetenter Gesprächspartner.
In jeder Weise stark. "Stark", das ist auch das Motto der Tournee. Es ist die zweite nach dem umjubelten Comeback 2007, und sie wird den sympathischen Südafrikaner, der seit kurzem die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, für die kommenden Wochen und Monate kreuz und quer durch die Republik führen.
Schon einmal, Anfang der achtziger Jahre, hatte sich Howard Carpendale aus der Welt der Show verabschiedet um sich zwei Jahre später mit einem kräftigen "Hello again" zurück zu melden. Damals war die Auszeit von Anfang an klar definiert: als kreative Pause. Da waren die Voraussetzungen aber auch andere. Da gab es das Suchtproblem seiner Frau noch nicht. Und auch die Diagnose Multiple Sklerose sollte ihm erst viel später gestellt werden. Eine Diagnose, die ihn für den Moment nicht ängstigt, weil der Verlauf dieser vielschichtig auftretenden Erkrankung des zentralen Nervensystems von seinen Ärzten als (noch) nicht beunruhigend eingestuft worden ist. Dennoch steht die Diagnose als Tatsache im Raum und verlangt früher oder später eine Beschäftigung mit dem Thema. Und sie zwingt zwangsläufig zur Beobachtung.
Howard Carpendale ist sich immer treu geblieben
Howard Carpendale ist keiner, der blufft, und Oberflächlichkeit liegt ihm ebenso wenig wie Prahlerei. Er ist sich immer treu geblieben. Auch in seinen unverwechselbaren Gesten. Sie drücken Nähe und Distanz zugleich aus, so wie seine ganze Haltung bei aller Zugewandtheit stets auch Rückzug signalisiert. Er ist ein scheuer Star geblieben.Gefragt, was ihn neben Treue noch auszeichne, antwortet er, man könne sich auf ihn verlassen, aber er rede nicht gern darüber. Bescheidenheit ist somit die dritte Tugend im Bunde.
Am 14. Januar 1946 in Durban / Südafrika geboren stand der Schlagerbarde 1958 zum ersten Mal auf der Bühne. Mit zwölf. Zwei Jahre später hatte er bei einem Nachwuchswettbewerb vor lauter Aufregung darüber, in die Endrunde gekommen zu sein, seinen Text vergessen. Damit war sein Traum, musikalisch seinem Idol Elvis Presley nachzueifern, fürs Erste geplatzt. Howard Carpendale ging nach England um Profi-Sportler zu werden, trat nebenbei als Sänger in einer Beatband auf, gelangte 1966 über ein Gastspiel nach Deutschland, sprach todesmutig in Köln bei Electrola vor und bekam aus dem Stand einen Schallplattenvertrag für seinen Song "Lebenslänglich", der sich überraschend 60.000 mal verkaufte.
Carpendale legte einen kometenhaften Aufstieg hin
Die späten 70er Jahre brachten den Durchbruch. Ein kometenhafter Aufstieg katapultierte ihn in den Schlager-Olymp. Fast 45 Jahre Showbiz, 30 Jahre Tourneegeschäft mit 14 Tourneen und über 25 Millionen verkaufte Tonträger sind bis heute daraus geworden.
