
- Darmstädter Impuls 2011 - Christa Kaddar
Am 7. April 2011 zeichnete die Stiftung fünf Preisträger im Darmstädter Kongresszentrum „darmstadtium“ aus. „Wir haben uns in keinem Fall die Entscheidung leicht gemacht“, sagte Karl Starzacher, Vorsitzender des Kuratoriums der HSE Stiftung und Staatsminister a. D. Das Ziel der Verleihung der drei im „Darmstädter Impuls“ zusammengefassten Preise sei, Menschen in der Region für bürgerschaftliches Engagement zu sensibilisieren und dieses durch das öffentliche Interesse zu stärken. „Die drei Preise stehen gleichberechtigt nebeneinander.“ Die Preise unterscheiden sich lediglich in der regionalen beziehungsweise nationalen Ausrichtung.
Für den Ludwig-Bergsträsser-Preis hat das Kuratorium zwei Preisträger aus der Region Rhein-Main-Neckar ausgewählt. Beide Preisträger erhalten ein Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro. Das ist einmal der Wiesbadener Verein „Die Clown Doktoren e.V.“, der seit 1994 die regelmäßigen Clowndoktorenvisiten in mittlerweile elf Kinderkliniken in Hessen und Rheinland-Pfalz organisiert, betreut und ausschließlich durch Spenden finanziert – dazu gehört auch die kontinuierliche Weiterbildung der professionellen Künstler.
Auch die Kinder im Darmstädter Klinikum warten auf die Clowndoktoren-Visiten
Auch im Darmstädter Klinikum dürfen sich die kleinen Patienten auf die Clowns freuen, die mit Pantomime, Musik und Seifenblasen Abwechslung in den Krankenhausalltag bringen und Schmerzen, Ängste und Sorgen vergessen lassen. Nicht nur die Kinder, auch Eltern, Ärzte und Pflegepersonal freuen sich über die Clowndoktoren-Therapie, und sehen darin einen wertvollen Beitrag zur Genesung. Seit zwei Jahren bringen die Clowndoktoren zudem Kurzweil zu Menschen in Senioreneinrichtungen. Den Preis nahm Kai Kromer vom Vorstand des Vereins entgegen.
Zum andern ging der Ludwig-Bergsträsser-Preis an die Notfallseelsorge und Krisenintervention im Odenwaldkreis. Gemeinsam mit Pfarrerin Annette Herrmann-Winter machen 30 Ehrenamtliche rund um die Uhr Bereitschaftsdienst, um Seelsorge und Krisenintervention zu leisten, wenn Menschen – etwa durch Unfälle – einen plötzlichen Schicksalsschlag erleiden.
Luise-Büchner-Preis für Darmstädter Heiner und Projekt Lebensweg
Der Luise-Büchner-Preis ging an zwei Preisträger aus Darmstadt, die beide ein Preisgeld von 10.000 Euro erhielten: Der Heimatverein Darmstädter Heiner e. V. richtet seit mehr als sechs Jahrzehnten das Darmstädter Heinerfest aus und erhält damit ein bedeutsames Kultur- und Begegnungsfest für Darmstadt und weit darüber hinaus am Leben. Das Projekt Lebensweg e.V engagiert sich, auf dem Hofgut Oberfeld in Darmstadt eine integrative Lebensgemeinschaft mit 24 Wohn- und 30 Arbeitsplätzen für Menschen mit Behinderung zu schaffen.
Kurze Filme gaben Einblick in die Arbeit der Initiativen und Vereine, was das Publikum offensichtlich sehr berührte. Zu den Höhepunkten des Abends zählten der Auftritt der Clowndoktorenband (Doris Friedmann, Thomas Münzer, Jürgen Demant) und die Auszeichnung von Steffi Jones mit dem Erasmus-Kittler-Preis, der mit 20.000 Euro dotiert ist.
Steffi Jones hat ihre Vorbildfunktion vorgelebt – für Integration und Toleranz
Die frühere Fußballnationalspielerin ist Organisationschefin für die FIFA-Frauenweltmeisterschaft 2011 in Deutschland und sie wurde für ihren engagierten Einsatz für Integration und Toleranz geehrt. Laudator Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußballbundes, schwärmte in höchsten Tönen von seinem „Mädchen“. Als Mädchen im Jungenfußball habe sie Durchsetzungsvermögen gelernt. Schwierige Zeiten in Kindheit und Jugend habe sie überwinden können, weil sie sich von Trainern und Betreuern im Fußballverein an die Hand nehmen ließ und schließlich eine einmalige Karriere im Frauenfußball machte. Dadurch sei sie zum Vorbild für andere geworden. „Für diese Vorbildfunktion hat sie sich nicht entschieden, sie hat sie einfach gelebt.“
An Steffi Jones gerichtet betonte Theo Zwanziger: „Du stehst jetzt in einer Reihe mit Kardinal Lehmann.“ Dieser hatte den Erasmus-Kittler-Preis 2009 erhalten. In der Begründung für die Preisverleihung habe es geheißen: „Kardinal Lehmann hat sich trotz seiner Erfolge die Nähe zu den Menschen bewahrt.“ Das treffe auch auf Steffi Jones zu, die sich für die Menschen in Nordkorea, für junge Strafgefangene, Drogensüchtige, aidskranke Kinder und fairen Handel engagiere. Steffi Jones selbst betonte: „Dieser Preis ist für mich ein immenser Ansporn, zusammen mit dem großen Engagement des DFB die FIFA-Frauen-WM in unserem Land als Plattform zu nutzen, um sich gegen Diskriminierung und Unterdrückung aller Art einzusetzen und zu intensivieren.“ Sie dankte ihrer Mutter, die sie immer angestiftet habe, Gutes zu tun und ihr versprochen habe, irgendwann komme das Gute zu ihr zurück. „Jetzt bin ich OK-Präsidentin und das ist ein Traum.“ Sie kündigte an, ihr Preisgeld für soziale Zwecke zu spenden.
Stifter ist der Nachhaltigkeitskonzern HSE
Die HSE Stiftung mit Sitz in Darmstadt wurde 1999 gegründet, um nachhaltiges gemeinnütziges Engagement zu fördern. Nach eigenen Angaben unterstützte die HSE Stiftung im vergangenen Jahr 255 Projekte von gemeinnützigen Körperschaften vor allem in den Bereichen Kunst und Kultur, Soziales, Sport und Bildung. Stifter ist der Nachhaltigkeitskonzern HSE (HEAG Südhessische Energie AG) – der größte eigenständige Dienstleister für Energie, Wasser und Entsorgung in Südhessen. Die HSE liefert ihren Kunden eigenen Angaben zufolge über die Vertriebstochter Entega seit dem Jahr 2008 komplett atomstromfreie Energie und gehört zu den größten Anbietern von Ökostrom in Deutschland. Erklärtes Ziel des Darmstädter Unternehmens ist es, die Energieversorgung der Zukunft in Richtung Nachhaltigkeit zu verändern.
