Huftiere (Ungulata), Horntiere, Unpaarhufer. Wer ist wer?

Poitou-Esel - Norbert Potensky
Poitou-Esel - Norbert Potensky
Was haben Giraffe, Pferd, Ziege und Schwein miteinander zu tun? Nichts? Weit gefehlt. Sie alle gehören zu einer Gruppe, die man allgemein Huftiere nennt.

Wer verwirrt ist über die unterschiedlichen Bezeichnungen, der mit Hörnern und Hufen versehenen Säugetiere, wird hier fündig. Vorweg ein Glossar als Wegweiser durch die häufigsten Bezeichnungen, die man selbst noch aus dem Biologieunterricht in Erinnerung hat oder die einem auch in Sachbüchern häufig unter kommen.

Kleines Glossar

  • Huftiere (Ungulata): ist eine zusammenfassende Bezeichnung für mehrere Gruppen von Säugetieren, insbesondere der Paarhufer und der Unpaarhufer, kein taxonomischer Status
  • Horntiere (Cavicornia): früher Bezeichnung für Hörner tragende Paarhufer (Artiodactylen), wie Rinder, Ziegen, Schafe oder Antilopen. Die Bezeichnung Cavicornia hat keinen direkten taxonomischen Status
  • Hornträger oder Rinderartige (Bovidae): Familie der wiederkäuenden Paarhufer
  • Rinder (Bovinae): Unterfamilie Rind
  • eigentliche Rinder (Bos): Gattung Rind

Wen bezeichnet man nun als Huftiere?

Normalerweise gelten die Tiere als Huftiere, die nicht nur auf ihren Zehenspitzen gehen (Zehenspitzengänger), sondern deren Zehennägel sich zu einem Huf entwickelt haben. Nach neuem Erkenntnisstand werden heute nur mehr eindeutig die Unpaarhufer und Paarhufer dazu gezählt, früher auch noch die Rüsseltiere, Schliefer und Seekühe.

  • Sohlengänger: beim Gehen berührt der ganze Fuß von der Ferse bis zu den Zehen den Boden: Mensch, Affe, Bär
  • Zehengänger: nur die Zehen berühren den Boden: Hund, Katze, Vögel
  • Spitzengänger oder Zehenspitzengänger: Paarhufer, Unpaarhufer, Schweine, Elefanten, Pferde

Huftiere berühren beim Gehen den Boden nur mit den Zehenspitzen, was ihnen mit den verlängerten Läufen eine schnellere Fortbewegung ermöglicht. Das ermöglichte ihnen das Überleben gegenüber ihren Fressfeinden, den Raubtieren (Carnivora). Zum Schutz der stark beanspruchten Zehen entwickelte sich der mit Horn verkleidete Huf. Das Pferd zum Beispiel hat an jedem Fuß nur eine Zehe, deren Knochenaufbau dem Mittelfinger der menschlichen Hand ähnlich ist. So gehen also Pferde eigentlich auf der Spitze ihrer Mittelfinger.

Unpaarhufer (Perissodactyla)

Als Unpaarhufer wird die Ordnung der Säugetiere bezeichnet, bei denen der mittlere Strahl (3. Strahl) der Zehen und der Finger stark, die seitlichen Finger hingegen schwach entwickelt sind oder ganz fehlen. Drei Zehen haben die Nashörner, alle anderen Unpaarhufer sind einzehig. Zu den Unpaarhufern zählen heute nur mehr drei Familien mit wenigen Arten.

  • Tapire (Tapiridae): 4 Arten
  • Nashörner (Rhinocerotidae): 5 Arten
  • Pferde (Equidae): 8 Arten ( Pferd, Esel, Zebra)

Paarhufer (Artiodactyla)

Paarhufer haben zwei Zehen, wie Hirsche oder Kamele oder vier Zehen, wie die Flusspferde. Paarhufer verlagern ihr Gewicht auf den dritten und vierten Zeh (Finger) eines jeden Fußes. Bei vielen Arten sind deshalb auch nur mehr diese zwei Zehen vorhanden, bei den anderen (vier Zehen) sind zwei davon kleiner ausgeformt. Zu den Paarhufern zählen folgende Unterordnungen:

  • Nichtwiederkäuer (Nonruminantia oder Suiforma), wie Schweine und Flusspferde
  • Schwielensohler (Tylopoda), wie Kamele
  • Wiederkäuer (Ruminantia), wie die Hornträger (Bovidae), Giraffen, Antilopen und Hirsche

Gemeinsame Merkmale

Die meisten Arten der Huftiere verfügen über ein längliches Maul, einen gedrungenen Körper und Mahlzähne. Der Lebensraum reicht von der Savanne bis zum Hochgebirge. Sie sind reine Fluchttiere mit geschärften Sinnen um Gefahren schnell zu entdecken und ihren Feinden zu entkommen. Im Laufe der Evolution haben Huftiere verschiedene Sozialstrukturen ausgebildet, die von der Körpergröße und dem Lebensraum abhängen. Zebras beispielsweise leben in Harems, bestehend aus einen Männchen und vielen Weibchen, Rentiere und Karibus wiederum leben in Herden, die auch mehrere hundert Tiere umfassen können.

Pflanzenfresser oder Allesfresser?

Bis auf die Unterordnung Schweine und Flusspferde (Nonruminantia oder Suiforma) sind sie Pflanzenfresser. Die Nahrungsaufnahme erfolgt durch das Umfassen von Blättern oder Gras mit der Zunge. Die unteren Schneide- und Eckzähne säbeln anschließend die Halme ab. Durch die zellulosereiche Nahrung ist auch eine ausgeklügelte Form der Verdauung notwendig, deshalb findet sich hier sowohl der Wiederkäuermagen, aber auch ein verlängerter Blinddarm zur Aufspaltung der Zellulose wieder.

Die Familie der Hornträger (Bovidae)

Eine artenreiche Gruppe mit fünf Unterfamilien stellen bei den Huftieren die Hornträger (Bovidae), deren Ursprung in Eurasien vermutet wird. Die heutige Verbreitung erstreckt sich von Afrika bis nach Nordamerika. Über die Nutztiere Schafe, Ziegen oder Rinder verbreiteten sie sich auch in Südamerika, aber auch in Australien, wo sie ursprünglich nicht vorkamen. Gnu, Antilope und Büffel gehören ebenso in diese Familie. Alle Tiere haben Hörner, auch die Weibchen, wenn auch kleiner ausgeformt. Bei einigen Haustierrassen fehlt das Gehörn mittlerweile ganz (einige Rinder und Schafe). Das Horn besteht aus einem Knochenkern umgeben von einer Hornsubstanz, das ein ganzes Leben lang mit wächst und nicht, wie bei den Hirschartigen (Cervidae), jährlich abgeworfen wird.

Quellen:

  • www.uni-bielefeld.de/biologie/;
  • International Knowledge: Säugetiere, Contmedia Verlag 2008 Burg;
  • e.encyclopedia animal, Dorling Kindersley 2005 London
Adele Sansone, Adele Sansone

Adele Sansone - Als Autorin für suite101.de interessieren mich vor allem die Bereiche Pflanzen und Tiere: Wie leben sie heute? Wie sind die einzelnen ...

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