
- New Orleans - mikrash/morguefile.com
Ungläubiges Staunen erfasste die Musikwelt – wie kommt der höchst populäre Darsteller des Dr. House dazu zu singen? Noch dazu Blues – und nicht irgendwelche Titel, sondern Klassiker des New-Orleans-Blues, die mit Legenden der Bluesmusik automatisch in Verbindung gebracht werden.
Hugh Laurie nimmt es mit den großen Blues-Legenden auf
Die doch etwas überraschende Antwort ist, dass dieser Hugh Laurie auch als Bluesmusiker seinen Weg gegangen wäre – ohne den Umweg als Schauspieler. Der New-Orleans-Blues ist Lauries Leidenschaft seit seiner Kindheit, und das hört man jeder einzelnen Aufnahme an. Laurie beginnt mit dem Klassiker „St. James Infirmary“, und schon bei der ersten Nummer kann man den sicher ironisch gemeinten Albumtitel „Let Them Talk“ (Warner Music VÖ: 29.4.2011) anwenden – dieser exzellente Schauspieler ist ein toller Sänger. Mutig ist er noch dazu – es ist immer ein Risiko mit Experimenten ein sehr gutes Image zu gefährden – aber Laurie wird sich wohl seiner Sache sehr sicher gewesen sein. Es folgt der Lead Belly-Klassiker „You Don't Know My Mind“, den Laurie sehr routiniert interpretiert. „Buddy Bolden's Blues“ und „The Wale Has Swallowed Me“ entführen den Zuhörer endgültig nach New Orleans – eine Stadt, die seit der Hurrikan-Katastrophe 2005 schon jahrelang wirklich den Blues hat. Memphis Slims „John Henry“ ist der nächste Titel, ein mitreißendes Duett mit Irma Thomas. Robert Johnsons „They're Red Hot“ ist ein Titel, dem sich ja schon Eric Clapton angenommen hat. „Six Cold Feet“ ist der erste große Höhepunkt der CD. Eine toll gespielte Gitarre und ein Laurie in Hochform machen diesen Titel zum absoluten Genuss.
Tom Jones, Irma Thomas und Dr. John als Verstärkung
Nun beginnt der Abschnitt der CD mit den höchst populären New-Orleans-Titeln – gestartet wird mit „Joshua Fit The Battle Of Jericho“. Die unvergessene Bessie Smith und ihr „After You've Gone“ bringen Laurie und Dr. John in Coproduktion – tolle Klaviernummer. „Swanee River“ verbindet man natürlich mit der Stimme von Ray Charles, Laurie schafft es aber auch diesem Titel eine eigene Interpretation entgegenzusetzen. Es folgt der nächste große Höhepunkt – der „Police Dog Blues“ – nur mit einer inspirierten Gitarre begleitet, ist das die stärkste Nummer der gesamten CD. Professor Longhairs „Tipitana“ nimmt dann Fahrt auf und der folgende „Whining Boy Blues“ ist wieder eine eher ruhige Ballade. Nun tritt der „Tiger“ auf den Plan – Tom Jones und Irma Thomas unterstützen Laurie bei „Baby, Please Make A Change“. Wer jetzt noch nicht von dieser Scheibe begeistert ist, hat entweder nicht auszuräumende Vorurteile gegen singende Schauspieler, oder kann mit klassischem Blues nichts anfangen. Laurie beschließt dann mit der richtigen Antwort an alle Nörgler – James Bookers „Let Them Talk“ bildet fast den Abschluss dieser CD. Zum Glück gibt es aber noch drei Zugaben: „Guess I’m A Fool“, „It Ain’t Necessarily So“ und „Low Down, Worried and Blue“.
New-Orleans-Blues – ein Fall für die Hitparaden 2011?
Einige, die Hugh Laurie als Schauspieler und grandiosen Darsteller des Dr. House in der gleichnamigen Serie lieben, werden vielleicht über diese Produktion den Weg zum Blues finden. Der Blues hat in der Entwicklungsgeschichte viele Varianten ausgebildet. Teilweise bewegte er sich sogar in Richtung Hardrock, und nicht Gefühl, sondern Lautstärke waren die wesentlichen Merkmale. Der klassische New-Orleans-Blues entspricht dem derzeitigen Musiktrend aber wesentlich besser. Erstaunlich viel wirklich gute Musik ist in den Charts vertreten. Zaz oder Adele haben für die neue Generation auch die Tür zum Blues geöffnet. Laurie ist genau im richtigen Moment eingetreten, und hat sich mit dieser CD selbst einen großen Wunsch erfüllt. Hugh Laurie mit dieser Produktion in den Hitparaden wiederzufinden, wäre auch für viele Musikliebhaber ein freudiges Ereignis.
Quelle:
Videos:
"Swanee River" live
"Baby, Please Make A Change" mit Tom Jones und Irma Thomas
