Hugo Strasser, Max Greger, Ambros Seelos

Swing-Legenden präsentieren Welthits in der Swing-Night

Die Swing-Legenden: Seelos, Strasser und Greger  - Pressefoto
Die Swing-Legenden: Seelos, Strasser und Greger - Pressefoto
Im Krieg war die Musik der Amerikaner in Deutschland verboten. Sie schlichen heimlich in die Clubs und lernten den Swing dort kennen und lieben.

Drei Swing-Legenden waren angekündigt, zwei kamen nur. Mit über 39 Fieber sei ein Bühnenauftritt zu gefährlich, entschuldigten Max Greger und Hugo Strasser ihren berühmten Kollegen Ambros Seelos. Dafür übernahm Saxophonist Bernhard Ullrich den Part seines Orchester-Chefs und das nicht weniger meisterhaft. Das Orchester Ambros Seelos eröffnete mit „Trumpet Blues“ eine swingende Konzertnacht in der ausverkauften Loisachhalle und beendete diese mit „Route 66“, dazwischen reihten sich Welthits aneinander. Es war die fremdartige Jazzmusik, die der „Max am Sax“ und der „Klarinetten-Hugo“ am Ende des Zweiten Weltkriegs heimlich in den Ami-Clubs in München kennen und lieben lernten.

Elastischer Trompetenton im Gummi-Mambo

Vor jedem bekannten Swing-Titel, den Gitarrist und Sänger der Ambros Seelos-Band Thomas Merseny ankündigte, bekam er ein entzücktes „Aaahh“ oder „Oooh“ aus dem Saal zurück. Ganz in Jazz-Manier wurden die Songs abwechselnd von Solisten improvisiert. Manfred Niezgoda spielte den berühmten Gummi-Mambo auf seiner Trompete so, dass sich der Ton elastisch bis zur Zerreißgrenze zog. „Chatanooga Choo Choo“ interpretierte Arturo Perez kunstvoll auf dem Keyboard und der Amerikaner Butch Kellem spielte das bekannte „Makin‘ Whoopee“ mit dem dunklen sanften Ton seiner Posaune. Die Musiker gehören seit Jahrzehnten ins Orchester von Ambros Seelos – ein gelernter Installateur und Spengler, den das Saxophon und die Klarinette am Ende mehr interessierten als sein Beruf. 1956 überrollte den damals 21-jährigen Seelos die Rock ‘n‘ Roll-Welle in Deutschland. 1958 übernahm er das Septett „Jokers“ aus der später die eigene Band hervorging.

Mit „Tequila“, „Petite Fleur“, „In The Mood“ ging es am Freitagabend in der Loisachhalle weiter. „Summertime“ von George Gershwin aus seiner Oper „Porgy und Bess“ war freilich einer der Höhepunkte, genauso wie „Unforgettable“, im Duo von der Soulsängerin Steffi Denk und Thomas Merseny gesungen.

Es war die fremdartige Jazzmusik, die der „Max am Sax“ und der „Klarinetten-Hugo“ am Ende des Zweiten Weltkriegs heimlich in den Ami-Clubs in München kennen und lieben lernten.

Mit seiner Erkennungsmelodie, dem „Wild Cat Blues“ von Fats Waller, kam Hugo Strasser ins Swing-Spiel des Abends, unverkennbar samtweich spielte er dieses Lied auf seiner Klarinette wie kein anderer. Hugo Strasser feiert am 7. April seinen 88. Geburtstag. Nach dem Krieg kehrte der gebürtige Münchner in seine Heimatstadt zurück und interessierte sich für die in Deutschland verbotene Musik der Amerikaner. Von 1949 bis 1954 war er Klarinettist und Saxophonist bei Max Greger. 1955 gründete er seine eigene Bigband, die bis heute zu den besten Tanzorchestern Europas zählt.

Jam-Session zu „Ice-Cream“ zum Abschied

Der Beifall für Max Greger war groß, als der heute 83-jährige Musiker bei dem Stück „Night Train“ auf die Bühne kam und so unverkennbar sein Saxophon spielte. Auch Greger machte zu Kriegsende verbotenerweise in den Kapellen der Ami-Clubs Musik. Später, 1948, gründete er sein Enzian-Sextett, das einen Dauer-Sendeplatz im Bayerischen Rundfunk hatte. Später wurde seine Bigband zum ersten Tournee-Orchester in Deutschland ernannt.

Beim berühmten Dixieland „Ice Cream“ kamen schließlich alle Solisten noch einmal zum Zug und mit lang anhaltendem Applaus und stehender Ovation würdigte das Publikum, darunter auch Max Gregers Freund und Schlagersänger Gus Backus, das Lebenswerk der beiden Swing-Legenden.

Andrea Weber, Andrea Weber

Andrea Weber - Ich arbeite als freie Journalistin für die Tageszeitung Münchner Merkur, Lokalredaktion in Wolfratshausen und für die ...

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