
- Die Welt ist rosa - Nasser-Ali und seine Liebe - ProKino Pressefoto
Alle persischen Märchen beginnen mit den Worten, es war einmal, es war keinmal - und so beginnt auch dieser Film der iranisch-französischen Regisseurin Marjane Satrapi: Es war einmal, es war keinmal ein weltberühmter Geiger mit Namen Nasser-Ali (Mathieu Amalric). Er lebte in den 1950er Jahren in Teheran und war verzweifelt, weil seine ungeliebte Frau im Streit mit ihm seine einzigartige Geige zerbrach. Da keine andere Geige, nicht mal eine Stradivari, seine Freude am Spiel wieder erwecken konnte, beschloss er sich ins Bett zu legen und zu sterben.
Die letzten acht Tage im Leben Nasser-Alis
Nach diesem Vorspiel erzählt der Film melancholisch und humorvoll zugleich die letzten acht Tage im Leben Nasser-Alis, surreale Fantasien wechseln mit realen Begebenheiten. Kurze Szenen zeigen mehrere Todesarten die er in Betracht zieht, jedoch seinen Ansprüchen nicht genügen: Ein bekannter Geiger der in einer Plastiktüte erstickt oder einer Blutlache schwimmt, das geht nun gar nicht. Sein Lieblingsgericht „Huhn mit Pflaumen“ kann ihn nicht aus seinem Leid erlösen, aber für einige glückliche Momente versinkt er als kleiner Mann in den riesigen Brüsten Sophia Lorens.
„Heirate erst einmal“, drängte seine Mutter (Isabella Rossellini), „die Liebe kommt später!“. Nasser-Ali heiratete Faringuisse (Maria de Madeiros) aber die Liebe kam niemals. Wie in einem Märchen aus 1001er Nacht entfalten die langen schönen Bilder auch ein Kaleidoskop seines Lebens mit zahlreichen Erinnerungen und verzweigten Geschichten. Die ausschweifende orientalische Erzählweise entführt in ein Kinomärchen mit subtiler Spannung, denn erst zum Ende puzzelt sich Nasser-Alis geheimnisvolles Schicksal für die Zuschauer zusammen. Darum soll der „Seufzer seines Lebens“ hier nicht verraten werden.
Graphic Novels (Comics) als Filmvorlagen
Regisseurin Satrapi ist Grafikerin und zeichnet Graphic Novels, wie man Bildergeschichten heute veredelt nennt. In „Persepolis“ skizzierte sie ihre Geschichte als junges Mädchen im Iran der Revolutionsjahre und machte daraus vor einigen Jahren einen von der Kritik sehr gelobten Comicfilm.
Satrapi meinte nach „Persopolis“, der Vorteil des Trickfilms liege darin, dass man unterschiedlichste Elemente miteinander kombinieren könne: „Ihre Heldin erinnert sich in Rückblicken, es gibt erzählte Geschichten innerhalb der Geschichte – das können Sie in Spielfilmen nicht so einfach machen“. Zum Glück hat sie kapiert, dass gerade ein Spielfilm das sehr viel besser kann als einige aneinander gereihte Bilder im Animationsfilm.
So ist „Huhn mit Pflaumen“ wunderbares Kino geworden, in dem Satrapi mit ihrem Regiepartner Vincent Paronnaud viele Möglichkeiten und Stilrichtungen des Films erkundet. Das Werk wirkt dadurch manchmal etwas überladen, jedoch kann das als „orientalische Üppigkeit“ durchgehen. Bei der Premiere auf den Filmfestspielen in Venedig wurde das Werk vom Publikum zu recht mit stehenden Ovationen gefeiert.
Der Film
„Huhn mit Pflaumen“ Filmstart am 5. Januar 2012
F/D/B 2011, Regie Marjane Satrapi & Vincent Paronnaud
mit Mathieu Amalric, Isabella Rossellini, Golshifteh Farahani und Chiara Mastroianni
Hier geht es zum Trailer von "Huhn mit Pflaumen"
Das Buch
Satrapis Comicbuch „Huhn mit Pflaumen“ ist nicht mehr als ein Storyboard (Szenenbuch) mit langweiligen und ausdruckslosen Schwarz-Weiß-Zeichnungen. Die kümmerliche Geschichte enthält nur einen Teil der opulenten Bilderfluten des „echten“ Spielfilms. Ihre Filmvorlage von 2005 ist ein Bilderstreifen ohne Magie, dessen Lektüre nur frustriert und nicht den Kinobesuch vertiefen kann.
Marjane Satrapi „Huhn mit Pflaumen“, Edition Moderne Basel, gebunden 86 Seiten, 19,80 €
"Huhn mit Pflaumen" - das Originalrezept (nach Prokino-Presseinfo)
Zutaten für 4 Personen:
4 große Hühnerkeulen, 2 große Zwiebeln, 1 TL Kurkuma, 400 Gr. getrocknete Pflaumen, 50 Gr. Sultaninen (nach Belieben), ½ TL gemahlenen Safran, Salz, Pfeffer, Öl
Außerdem: 600 Gr. Basmati-Reis als Beilage
Die Hühnerkeulen waschen und am Gelenk durchtrennen. Die Zwiebeln in feine Scheiben schneiden. Etwas Öl in einem Schmortopf erhitzen und die Hühnerteile darin rundherum scharf anbraten, damit die Haut goldbraun wird, dann herausnehmen. Den Topf zurück auf den Herd stellen, etwas Öl hinein geben und auf mittlere Hitze bringen. Die Zwiebelscheiben hinzufügen und etwa 3 Minuten unter Rühren braun anbraten. Kurkuma über die Zwiebeln streuen, die getrockneten ?lu zugeben und 5 Minuten mitbraten. Dann die Sultaninen und den Safran dazugeben und mit 1/8 Liter kochendem Wasser ablöschen. Das Huhn hinein geben, mit Salz und Pfeffer abschmecken und das Ganze zugedeckt etwa 5 Minuten auf mittlerer Hitze schmoren lassen. Noch 1 Tasse (160 ml) kochendes Wasser zufügen, auf kleine Hitze reduzieren und zugedeckt gut 1 ½ Stunden köcheln lassen (es soll am Ende knapp ¼ Liter Flüssigkeit übrig sein).
