Humanethologie erforscht Verhalten des Menschen biologisch

Verhalten wird von Biologen nicht nur bei Tieren, sondern auch beim Menschen erforscht.

Schon vor dem Beginn der modernen Verhaltensforschung gab es Forscher, die auf die Beziehungen zwischen tierischen und menschlichen Verhaltensweisen hinwiesen. August Franken veröffentlichte 1910 im Pädagogischen Magazin Nr. 413 einen Band mit dem Titel „Möglichkeiten und Grundlagen einer allgemeinen Psychologie, im besonderen der Tierpsychologie.“ Aus der Tierpsychologie wurde später die Ethologie und aus dieser erwächst die Humanethologie.

Erforschung des menschlichen Verhaltens auf stammesgeschichtlicher Grundlage

Der Begriff Humanethologie selbst wurde erst 1966 erstmalig gebraucht. Der Taucher und Meeresforscher Hans Hass und der Zoologe Irenäus Eibl-Eibesfeldt wollten die in der Zoologie am Tier gewonnenen Erkenntnisse nutzen, um menschliches Verhalten auf einer stammesgeschichtlichen Grundlage verstehen zu können. Humanethologische Forschung wendet also biologische Fragestellungen nach Funktion, Ontogenese, Phylogenese und Motivation eines biologischen Phänomens (Verhalten) am Menschen an. Dabei werden Erkenntnisse, die durch das Studium tierischen Verhaltens gewonnen wurden, als Hypothesen auf das menschliche Verhalten übertragen und dort auf ihre Gültigkeit für den Menschen und sein Verhalten überprüft.

Die Ethologie machte damit einen Sprung von der Tierpsychologie zur Psychologie des Menschen. Die Bedeutung einer Humanethologie ergibt sich vor allem aus dem Bestreben, menschliches Verhalten losgelöst von gesellschaftlichen Kategorien naturwissenschaftlich analysieren zu wollen. Es geht darum, Verhaltensweisen jenseits kultureller und gesellschaftlich-historischer Bedingtheiten zu erkennen und zu erforschen. Verhalten, welches den Menschen als Spezies Mensch in der Gattung Homo ausmacht.

Ausdrucksverhalten und andere biologische Konstanten

Dabei sind zahlreiche Untersuchungen vor allem Bereich des Ausdrucksverhaltens sowie des Sozialverhaltens, beispielsweise anhand der Phänomene Bindung und Aggression, angestellt worden. Dabei wurden viele biologische Konstanten im menschlichen Verhalten entdeckt. Sie sind bei allen Völkern über die Kulturen und Geschichte hinweg grundsätzlich gleich geblieben. Der Augengruß ist eine solche biologische Konstante im menschlichen Verhalten.

Kulturethologie und Stadtethologie

Eine weitere Disziplin der Humanethologie hat sich als Kulturethologie etabliert. Das ist jener Teil der Humanethologie, der sich mit den ideellen Leistungen und materiellen Produkten der menschlichen Kultur befasst. Konsequent wendet sie das ethologische und humanethologische Instrumentarium auf kulturelle Phänomene an. Ein Musterbeispiel für solche Arbeiten ist eine Publikation mit dem Titel „Biologie der Uniform“ von Otto König, erschienen 1968 in der Zeitschrift „Naturwissenschaft und Medizin“. Seit 1991 gibt in Wien das Ludwig-Boltzmann-Institut für Stadtethologie. Es erforscht Probleme der Stadtplanung aus einer Sicht der biologischen Notwendigkeiten des Menschen.

Quellen:

  • Eibl-Eibesfeldt, Irenäus & Hans Hass (1966): Zum Projekt einer ethologisch orientierten Untersuchung des menschlichen Verhaltens. – Mitteilungen der Max-Planck-Gesellschaft Nr. 6, S. 383-396
  • Eibl-Eibesfeldt, I. (1999): Grundriss der vergleichenden Verhaltensforschung. Ethologie, – München und Zürich, 8., überarb. Aufl, 932 pp.

Eibl-Eibesfeldt, Irenäus (2004): Die Biologie des menschlichen Verhaltens. Grundriss der Humanethologie, – Blank Media, Vierkirchen-Pasenbach, 5. Aufl., genehmigte Sonderausg, 1118 S.

König, Otto (1970): Kultur und Verhaltensforschung. Einführung in die Kulturethologie. München

Gerhard Ott, Annegret Ott

Gerhard Ott - Ott, Gerhard Manchmal genutztes Pseudonym: Perdurus Eus *11. Febr. 1954 in Walsum am Niederrhein, Studium Erziehungswissenschaften ...

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