
- Witzzeichnung - Sonja v. Eisenstein
Haben Sie schon einmal Humor zu Ihrer Verteidigung angesichts einer bedrohenden Situation eingesetzt? Wenn Sie auch nur ein wenig Talent dazu haben, fördern Sie es! Mit Humor wurde schon so manche schwierige Lage gemeistert. Gelingt es einem, den „Feind“ erst einmal zum Lachen zu bringen, hat man auch schon den Sieg davon getragen. Ein Sieg, der für den anderen keine Niederlage bedeutet, denn es wird ja nur die „feindliche Gesinnung“ und nicht ein ganzer Mensch besiegt. Humor bedeutet immer, dass man über der Situation stehen muss. Das richtige Wort, die richtige Pointe im richtigen Moment, können Feindschaften in Freundschaften umwandeln. Dreierlei Dinge sind dazu erforderlich:
- Menschenkenntnis, um die Schwäche des Gegners einzuschätzen
- Sinn für Komik
- und nicht zuletzt ein hohes Maß an Furchtlosigkeit und Unerschrockenheit
Wie zwei Schauspieler mit Humor einen Zöllner weich kriegten
Mit der Waffe des Humors ist schon so manches Unheil abgewandt und sogar zu einem „Glücksfall“ umgewandelt worden. Aber Vorsicht, Humor ohne Menschenkenntnis und der rechten Dosierung kann auch ins Auge gehen! Ist einem aber ein gewisses Gespür für Menschen und Situationen gegeben, sind dem gezielt eingesetzten Humor auch zur Selbstverteidigung keine Grenzen gesetzt. Das zeigt auch eine Episode der zu Beginn des 19. Jahrhunderts bekannten Schauspieler Alexander Moissi und des Komikers Max Pallenberg. Als die beiden Künstler von einem Auslandsgastspiel nach Österreich zurückkehrten, trachteten sie, unverzollt ein Kilo Kaffee aus der Schweiz über die Grenze zu schmuggeln.
Der Zöllner sah flüchtig in ihre Pässe und hätte sie schon weiter ziehen lassen, wenn der Kaffee nicht so auffällig geduftet hätte. Auf die Frage, was sie in ihrem Paket haben, antwortete Max Pallenberg, ohne eine Miene zu verziehen: „Kaninchenfutter“. Der Zöllner stutzte einen Moment und fragte dann mit einem leicht drohenden Unterton: „Seit wann trinken Kaninchen denn Kaffee?“ Aber Pallenberg ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Er spielte seine Menschenkenntnis, seinen Sinn für Komik, Humor und seine Furchtlosigkeit aus - und antwortete todernst: „Sie werden lachen, aber bei mir kriegen sie nun mal nichts anderes.“ Damit war der Zöllner als Gegner zu Fall gebracht! Er musste nämlich tatsächlich herzlich darüber lachen - und ließ die beiden Schauspieler mit ihrem Kaffee passieren.
Das Wissen, wo man was wie sagen kann
Freilich, Max Pallenberg hatte den Zöllner mit seiner guten Menschenkenntnis auch richtig eingeschätzt, denn ohne die richtige Einschätzung hätte diese ganze Geschichte auch weniger erfreulich enden können. Offener Humor im Nationalsozialismus, wenn er sich auch nur ansatzweise gegen das Regime richtete, hätte einen ins Gefängnis oder gar auf den Galgen bringen können. Diese Härte bekam so mancher Humorist oder Karikaturist schmerzlich zu spüren. Doch eine Humorform konnte sich auch hier durchsetzen – die "diplomatisch-hintergründige". Der Dichter und Schriftsteller Ernst Jünger wandte sie an und konnte sich damit genial aus einer für ihn sehr heiklen Situation heraushelfen, in die er durch das Regime gebracht wurde und bewies damit wieder einmal mehr, wie gut dosierter Humor sich auch zur Selbstverteidigung einsetzen lässt.
Hitler und die Nationalsozialisten glaubten lange Zeit, eine Verherrlichung des Krieges aus Jüngers Werken herauszulesen. 1927 boten sie dem still und zurückgezogen lebenden Dichter, der ungeschoren arbeiten durfte, ein Reichsmandat an. Aber Ernst Jünger wehrte mit den Worten ab: „Meine Herrn, ich halte es für wesentlich verdienstvoller, auch nur einen einzigen, wertvollen Vers zu schreiben, als sechzigtausend Dummköpfe zu vertreten!“ Das Resultat: Die Nationalsozialisten zeigten Verständnis für Jüngers Ablehnung und ließen ihn weiter ungeschoren arbeiten.
Die Weisheit des Humors im Alter
Es lohnt sich also, Humor zu fördern und zu kultivieren. Auch für sich selber, damit man in die Lage kommt, in späteren Jahren auch einmal die Dinge belächeln zu können, über die man in jüngeren Jahren gar nicht so sehr lachen konnte. Eines dieser Bespiele liefert uns ein Politiker, der den Österreichern unvergesslich bleiben wird: der ehemalige Bundeskanzler Bruno Kreisky. Als Bundeskanzler mit der längsten Amtszeit war er auch das Lieblingskind aller Karikaturisten des Landes - und weit darüber hinaus. Laufend wurde er als deren Zielscheibe benutzt und fand sich in zahlreichen Witzfiguren dargestellt. In jungen Jahren hielt sich Kreiskys Begeisterung darüber sehr in Grenzen, wenn ihm schon am Morgen aus dem Stapel der Zeitungen, die er lesen musste, reihenweise seine Karikaturen entgegen sprangen. Aber mit zunehmenden Alter wurde er gelassener und stellte nüchtern fest: „Je älter ich werde, desto ähnlicher werde ich meinen Karikaturen.“ Was gibt es Schöneres, als mit so viel Humor auf sein Alter blicken zu können!
