Als Anne Höpfner vor über zwei Jahren ihre Taiga im für einen Hund biblischen Alter von 17 Jahren einschläfern lassen musste, war sie untröstlich. „Ich konnte gar nicht damit fertig werden“, erzählt die Schleswig-Holsteinerin. Taiga bleibt unvergessen, auch wenn heute Räuber das Leben der Seniorin teilt. Nach anfänglichen Gewöhnungsschwierigkeiten liebt sie den eigenwilligen kleinen Kerl heiß und innig: „So ein Hund, der ist ein Stück Lebensinhalt.“
Vierbeiner als Jungbrunnen
Mit dieser Meinung steht die 70-Jährige nicht allein da: Hunde können für ältere Menschen wahre Jungbrunnen sein, weiß man etwa auch beim Industrieverband Heimtierbedarf (IVH). Sie sind, wie der Mensch, soziale Wesen, bieten Gesellschaft, brauchen (und geben) Liebe und Zuwendung; sie motivieren (wegen des notwendigen Gassigangs) zu regelmäßiger Bewegung an der frischen Luft, zu Begegnungen und Kontakten, zum Beispiel mit anderen Hundehaltern aus der Nachbarschaft. Ja, Haustiere wie Hunde und auch Katzen können Studien zufolge sogar vorbeugend gegen Krankheiten wirken – lindern sie doch Gefühle der Einsamkeit, die alte Menschen laut einer aktuellen Untersuchung der Universität von Chicago anfälliger machten für „altersbedingte Schädigungen des Nervensystems“.
Wichtig ist jedoch die Wahl des richtigen vierbeinigen Partners im Alter. Denn die Bedürfnisse eines Hundes an Erziehung, Bewegung und Beschäftigung können einen älteren Menschen auch überfordern. Große, kräftige Vierbeiner – besonders, wenn sie noch Nachhilfe in richtigem Hundeverhalten benötigen – sind darum für Senioren ebenso wenig geeignet wie besonders arbeitsfreudige – es sei denn, der Zweibeiner selbst ist auch im Alter ausgesprochen sportlich. Ideal sind nach Meinung von Experten Vertreter kleinerer Rassen insbesondere aus der Gruppe der sogenannten Gesellschaftshunde.
Alternative Tierheim-Hund
Statt eines Welpen sollten Senioren vielleicht auch einen älteren Vierbeiner in Erwägung ziehen, rät der IVH. Eine Empfehlung, der offenbar immer mehr Betroffene folgen: Einer Studie zufolge hat die Vermittlung von Tierheim-Hunden an ältere Alleinstehende in den vergangenen sechs Jahren in Deutschland im Vergleich zu anderen Personengruppen um rund 13 Prozent zugenommen.
Anne Höpfner liegt also im Trend mit ihrem Räuber, der zwar nicht aus dem Tierheim, aber „aus zweiter Hand“ zu ihr kam. Und nach Taiga, einem kleinen, wuscheligen Pudel-Dackel-Mix, hat sie sich wieder für einen kurzbeinigen Lebensbegleiter entschieden: Der Nachfolger ist ebenfalls ein Mischling, beteiligt sind hier Dackel und Pekingese.
Ein Herz und eine Seele
Anfangs hatte der Kleine es schwer, ihre Zuneigung zu erobern, räumt die Hundefreundin ein: „Ich weiß, dass es nicht richtig ist, aber ich habe immer mit Taiga verglichen ...“ Aber über die Monate sind die beiden zum Team zusammengewachsen und jetzt täglich gemeinsam unterwegs; kurz: Anne Höpfner und Räuber sind ein Herz und eine Seele.
