Hunde am Arbeitsplatz

Tierschützer werben für Vierbeiner in Büros und Betrieben

Eine Initiative in den USA ist Vorbild: Mit dem „tierischen Schnuppertag" warb der Deutsche Tierschutzbund erstmals bundesweit für Hunde als Arbeitskollegen.

Ab und zu, wenn sie sicher ist, dass der Chef nichts erfährt, nimmt Anne M. ihre Hündin Emma (beide Namen geändert) mit zur Arbeit, wo die ältere Mischlingsdame von den Kollegen herzlich aufgenommen wird und den Tag friedlich schlummernd unter dem Schreibtisch verbringt. Anne M. ist in einer Behörde in Schleswig-Holstein beschäftigt, mit vielen Außenstellen und entsprechend großem Zuständigkeitsbereich für die Amtsleitung. „Eigentlich“ sind Tiere dort, wie fast überall in deutschen Büros und Betrieben, nicht erwünscht. Aber vielleicht ist es mit der Heimlichkeit irgendwann vorbei und Emma wird ganz offiziell zur vierbeinigen Arbeitskollegin. Dann nämlich, wenn eine Aktion des Deutschen Tierschutzbundes Früchte trägt: der „tierische Schnuppertag“ , der Ende Juni 2008 erstmals bundesweit ausgerufen wurde.

Über 800 Unternehmen machten mit

Unternehmen in ganz Deutschland waren aufgerufen, ihren Beschäftigten an diesem Tag die Mitnahme ihrer Vierbeiner an den Arbeitsplatz zu erlauben. Ziel der Initiative ist es, den positiven Einfluss von Hunden auf das menschliche Wohlbefinden herauszustellen – sowohl in der Freizeit als auch im Berufsalltag.

Mit der Beteiligung zeigte sich der Veranstalter mehr als zufrieden: Über 800 Unternehmen machten mit, vom Frisör über Medien- und Handelsfirmen bis zu Verwaltungen. „Die Resonanz ist großartig“, resümierte Tierschutzbund-Präsident Wolfgang Apel.

Initiative nach amerikanischem Vorbild

Vorbild ist eine Initiative in den USA. Die Organisation „Pet Sitters International“ hat dort 1999 den „Take your dog to work day“ ins Leben gerufen, der Jahr für Jahr mehr Aufmerksamkeit findet. Tausende von US-Unternehmen öffnen mittlerweile am „Take your dog to work day“ ihre Türen für die vierbeinigen Lieblinge ihrer Beschäftigten. Ein Viertel der Haustierbesitzer bringen nach Angaben des Industrieverbandes Heimtierbedarf (IVH) in den USA ihre Hunde mit zum Arbeitsplatz.

Die Argumente für Hunde als Arbeitskollegen sind vielfältig: Befragungen zufolge haben sie einen positiven Einfluss auf die Motivation und die Produktivität der Angestellten und sorgen für ein gutes Betriebsklima. So berichtete die Psychologin Dr. Andrea Beetz aus Erlangen, die sich wissenschaftlich dem Thema Mensch-Hund-Beziehung widmet, in einem Interview mit einer Hundezeitschrift von Forschungsergebnissen, denen zufolge Tiere (nicht nur Hunde) „in einer Arbeitsumgebung den Stress reduzieren“.

Hunde bereichern den Arbeitsalltag

„Meine Kollegen freuen sich immer, wenn Emma dabei ist,“ hat Anne M. beobachtet. „Sie bereichert einfach den Arbeitsalltag, für uns alle.“ Man käme leichter und entspannter miteinander ins Gespräch – auch, aber nicht nur über das Thema Hund. Tierfreunde verweisen zudem auf die in zahlreichen Studien nachgewiesene positive Wirkung von Vierbeinern auf Körper, Geist und Seele des Menschen, nicht nur am Arbeitsplatz: „Allein das Streicheln eines Hundes senkt den Blutdruck und hilft so, Stress abzubauen“, so der IVH.

Der „Schnuppertag“ ist nach Aussage seiner Initiatoren außerdem eine Werbung für den Partner auf vier Pfoten als Freund und Begleiter ganz generell. Kollegen, die keine Hunde-Erfahrung haben, könnten so Berührungsängste abbauen – und eventuell ihre Liebe zum Hund entdecken.

Heike Wells, Heike Wells

Heike Wells - Heike Wells, geboren 1957 im Rheinland, lebt heute an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste und arbeitet als freie Journalistin ...

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