Eine klassische Szene im Park irgendwo in Deutschland: Ein Mensch und sein Hund sind gemeinsam unterwegs. Der Mensch will verweilen, der Hund soll sich hinsetzen. „Sitz“, sagt der Mensch, der Hund schaut ratlos. „Sitz!“, wiederholt der Mensch, schon lauter, ruft noch einmal und noch einmal ... ohne Reaktion. Das könnte ein zwischen Zwei- und Vierbeinern typisches Kommunikationsproblem sein. Schließlich können unsere Freunde auf vier Pfoten nicht Deutsch (oder eine andere „Menschen“-Sprache), sondern verständigen sich in erster Linie über das, was Verhaltensforscher „Ausdrucksverhalten“ nennen: „Die Körpersprache ist für Hunde das wichtigste Mittel der Verständigung“, weiß die Hundetrainerin Steffi Theile aus dem schleswig-holsteinischen Katharinenheerd.

„Auf Hündisch“ heißt mit Körpersignalen zu kommunizieren

Wer mit seinem Vierbeiner erfolgreich kommunizieren will, sollte dies darum „auf Hündisch“, also mit Hilfe von Körpersignalen, tun. Und wenn er die Tiere im Umgang miteinander genau beobachtet, erkennt er, wie vielfältig diese Signale sind.

Die Haltung von Kopf oder Rute, aufgestellte Nackenhaare, das Spiel der Ohren, ein Stirnrunzeln, Blick und Bewegungen ... das Repertoire besteht aus unzähligen, fein abgestimmten Elementen. „Das Verständigungssystem des Hundes ist ausgesprochen leistungsstark“, schreibt die Verhaltensforscherin Frauke Ohl in ihrem Buch „Körpersprache des Hundes“ (Verlag Eugen Ulmer, Neuauflage 2006 ISBN 3-8001-7445-6): „Nur – um wirklich zu funktionieren, muss es auch verstanden werden.“

Der Rat von Experten lautet, den Hund „lesen“ zu lernen

Der Rat von Experten an Hundehalter lautet darum, ihr Tier „lesen“ zu lernen, sprich, genau hinzuschauen, um so seine Seelenlage zu erkunden. Ist der vierbeinige Freund freudig erregt oder gelangweilt? Fühlt er sich in einer Situation verunsichert oder überlegen? Diese und viele andere Botschaften übermittelt er durch seine Körpersprache. Und sowohl im Alltag als auch in der Erziehung kann sich der Mensch die durch genaues Achtgeben gewonnenen Erkenntnisse zunutze machen.

Beispiel „Sitz“: Hunde können dieses Wort ja zunächst zu keiner Handlung in Beziehung setzen. Gleichzeitig aber verfügen sie, als „Körpersprachler“, nicht nur selbst über differenzierte Ausdrucksmöglichkeiten, sondern haben ihrerseits das Verhalten "ihres" Menschen genau im Auge. „Sie erschließen sich ihre Welt durch Beobachtung“, formuliert es Steffi Theile. Aus gutem Grund wird das „Sitz“-Kommando in vielen Hundeschulen und -vereinen darum in Verbindung mit einem Sichtzeichen wie dem gehobenen Finger trainiert.

Hunde lernen durch Verknüpfung und Wiederholung

Verhaltensforscher haben nämlich herausgefunden, dass Hunde vor allem durch Verknüpfung und Wiederholung lernen: Der Vierbeiner sieht den Finger, setzt sich, gespannt darauf, was nun passiert, hin – und wird mit Lob oder Leckerli bestätigt. Geschieht dies wieder und wieder, verinnerlicht er: Wenn mein Mensch den Finger hebt und ich mich setze, bekomme ich eine tolle Belohnung.

Ein gutes Geschäft! Parallel dazu oder später wird das Kommando „Sitz“ eingeführt. Und irgendwann (nach vielen, vielen weiteren Wiederholungen) stellt sich eine sichere Verknüpfung zwischen Hörzeichen und Handlung ein: „Sitz“ heißt, ich soll mich hinsetzen. Lektion gelernt!