
- Hunde und andere Zeitgenossen - Elliott Erwitt, Magnum Photos
Im Focke-Museum – Bremer Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte wird seit dem 2. Juli eine Sonderausstellung mit dem Titel "Hunde und andere Zeitgenossen" gezeigt. Ein Teil der Ausstellung konzentriert sich ganz auf das Thema Hund (und Mensch) und ist dabei anrührend komisch. Im anderen Teil werden Vintage Prints aus den 1940er bis 1980er Jahren gezeigt. Abgerundet wird die Ausstellung durch drei Kurzfilme Erwitts und ein Interview mit ihm "Elliott Erwitt unter Hunden".
Elliott Erwitt – Fotojournalist, Fotograf und Filmemacher
Erwitt, geboren 1928 in Paris als Sohn russischer Emigranten, verbringt seine Kindheit in Mailand. 1938 flüchtet die Familie vor den italienischen Faschisten zunächst nach Paris, dann nach New York und später Los Angeles. Seine erste Kamera ist eine Rolleiflex, und nach eigener Aussage wird er zum Voyeur. "Ich (…) setzte mich irgendwohin und fotografierte, was ich sah. Ich wusste ganz genau, dass ich Fotograf werden wollte, mir gefiel es, weil es kein Büro-Beruf war." Er besucht Kurse für Fotografie und Film, und lernt nach einem erneuten Umzug nach New York den Fotografen Edward Steichen sowie Robert Capa und Roy Stryker kennen, die ihm zu ersten Aufträgen verhelfen.
Seit 1954 ist Elliott Erwitt Vollmitglied der renommierten Fotoagentur Magnum Photos und arbeitet seither als Reportage- und Werbefotograf. Von 1966 bis 1969 ist er Präsident von Magnum, später Vizepräsident. Auch ohne Auftrag hat Erwitt seine Kamera stets griffbereit, sein Fotografencredo ist "Blende 8 und zur Stelle sein!" Elliott Erwitt fotografiert auch heute noch. Mit seiner vierten Ehefrau, der Filmemacherin Pia Frankenberg, lebt er in New York. Er hat sechs Kinder und liebt Hunde.
Erwitt zeigt die Komik im Verhältnis Hund zu Mensch in Perfektion
Hunde haben, so Erwitt, den Vorteil, dass sie nie nach Abzügen fragen. Erwitt liebt Hunde und bringt die nötige Geduld auf, die gerade für Tierfotografie vonnöten ist, um den richtigen Moment abzupassen. Und so ist ein großer Teil der Bremer Ausstellung den Hunden gewidmet. Hier sind irrwitzig komische Aufnahmen zu den Themen Hund, Hund und Hund, Hund und Mensch und Hund und Schuhe zu sehen. Erwitt spielt mit der Ähnlichkeit zwischen Hund und Herrchen oder Frauchen und arbeitet die menschlichen Züge der Vierbeiner meisterhaft heraus. Hier verschmilzt eine Bulldogge mit ihrem Menschen, dort entpuppt sich das sturmverwehte Haar einer Frau auf den zweiten Blick als Yorkshire Terrier.
Einige der Aufnahmen wären sicher ohne Erwitts spezielle Methoden, die Aufmerksamkeit seiner Objekte zu erlangen, nicht möglich gewesen. Hunde bellt er an. Wie er im Film erläutert, reagieren sie ebenso unterschiedlich und individuell darauf wie Menschen – manche ignorieren ihn, andere sind sauer, ein kleiner Hund, der auch in der Ausstellung zu sehen ist, erschreckt sich so, dass er mit allen vier Pfoten gleichzeitig hoch in die Luft springt. Für Menschen hat Erwitt stets eine Fahrradhupe in der Tasche. Hunde haben, so Erwitt, menschliche Eigenschaften; ihre einzige nicht-menschliche Eigenschaft sei Treue.
Authentisch und witzig: Erwitts Vintage Prints
Im zweiten Ausstellungsraum werden originale Abzüge von Elliott Erwitts Fotografien gezeigt, die kurz nach der Aufnahme entstanden sind. Die Fotos stammen aus den 1940er bis 1980er Jahren und zeigen in etwas größerem Postkartenformat Motive in verschiedensten Ländern. Erwitt lehnt, ganz im Sinne des Authentizitätsethos von Magnum Photos, gestellte Bilder ab. Mit viel Geduld und gutem Gespür passt er ironische, komische Momente ab, ohne vorher zu wissen, was dabei herauskommen soll. Seine Fotos sollen unmittelbar, unverfälscht sein, und sie sind selten bearbeitet. In Einzelfällen sieht man, wie er mit Rotstift eine Ausschnittsveränderung eingezeichnet hat.
Auch bei den Vintage Prints finden sich einige Hundemotive, daneben viele Strandszenen sowie kontrastreiche experimentelle Licht- und Schattenspiele. Viele der Vintages sind wie auch die Hundefotos voller Ironie und Komik und subtilem Witz, manchmal erst auf den zweiten Blick – etwa wenn der Schnabel der Taube, die auf der Lehne einer Parkbank in Paris sitzt, mit der Nase des nebenan sitzenden Mannes korrespondiert.
Hunde und andere Zeitgenossen – Daten zur Ausstellung
Die Ausstellung "Elliott Erwitt. Hunde und andere Zeitgenossen" wird vom 2. Juli bis 30. Oktober 2011 gezeigt im Focke-Museum – Bremer Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Schwachhauser Heerstraße 240 in Bremen.
Zu sehen sind insgesamt 220 Fotografien Erwitts, darunter 140 Vintage Prints. Zusätzlich werden folgende drei Kurzfilme von Elliott Erwitt gezeigt: "Red, White and Bluegrass" (1971), "Beauty Knows No Pain" (1973) und "Good Nudes" (1983), außerdem der Film "Elliott Erwitt unter Hunden" (1995) von Erwitts Ehefrau Pia Frankenberg.
- Öffnungszeiten: Dienstag 10 bis 21 Uhr, Mittwoch bis Sonntag 10 bis 17 Uhr
- Eintritt: Erwachsene 6 Euro, ermäßigt 4 Euro (mit Führung 10 Euro/7 Euro), Kinder 3 Euro, Familien 12 Euro.
Quellen und weiterführende Informationen:
Presseinformationen des Focke-Museums
