Es war die größe Demonstration gegen Atomkraftwerke die es in Deutschland bisher gab. Innerhalb von weniger als zehn Tagen konnten von den Veranstaltern campact, attac und dem Netzwerk Friedenskooperative, 250.000 Menschen zu den vier Veranstaltungsorten mobilisiert werden. Nach Polizeiangaben beteiligten sich allein in Berlin 120.000, in Hamburg 50.000, in Köln 40.000 und München 30.000 an den Demonstrationen und Kundgebungen. An den Montagsdemonstrationen hatten sich in den vergangen zwei Wochen jeweils einige Zehntausend beteiligt.

Gedenken an die Erdbebenopfer in Japan

Kundgebungsredner in allen vier Städten forderten den sofortigen Ausstieg aus der ihrer Meinung nach nicht beherrschbaren und "tödlichen" Atomenergie. Auf allen vier Kundgebungen wurde zudem den Opfern der Umweltkatastrophe in Japan gedacht. Gegen Naturkatastrophen kann man nicht demonstrieren hieß es auf der Demonstration in Köln, man könne nur den Opfern gedenken und den Überlebenden die notwendige Hilfe anbieten. Die Gefahren der Atomenergie seien dagegen von Menschen verursacht. Abschalten aller AKW weltweit sei die Lehre aus den bisherigen Atomunfällen.

Evangelische Kirche frühzeitig gegen Laufzeitverlängerung

In seinem Redebeitrag hob der Evangelische Pfarrer Jens Sannig, Superintendent der evangelischen Kirche im Rheinland hervor, dass die Synode seiner Kirche sich bereits im Januar 2011, also noch vor der Katastrophe in Japan, eindeutig gegen die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken ausgesprochen habe. Sannig: "Die japanischen Atomkraftwerke galten als erdbebensicher." Das Beispiel zeige - "es gibt keine absolute Sicherheit". Deshalb, so Jens Sanning sei eine Technik, die 100 prozentige Sicherheit erfordere "ethisch nicht verantwortbar".

Alternativen für Atomstrom schon heute ausreichend

Peter Finger wies als Vertreter der Solar World AG darauf hin ,dass die erneuerbaren Energien auch kurzfristig als Alternative zur Atomenergie bereit stünden. Seiner Auffassung nach sind die Potentiale der erneuerbaren Energie riesig und könnten die Atomkraft ersetzen.

Atomenergie militärisch begründet

Alex Rosen sprach als Vertreter der IPPNW, der internationalen Ärtze-Organisation für die Verhütung des Atomkrieges. Der Kinderarzt verwies in Köln auf den Zusammenhang zwischen Atomwaffen und der nur scheinbar "friedlichen Atomenergie". Ohne den Wunsch, Atomwaffen zu entwickeln, gäbe es heute keine Atomenergie und ohne Atomkraftwerke gäbe es kein waffenfähiges Plutonium. Ihr Auftrag blieb bisher unklar. Rosen erinnerte auch an die Folgen der Katastrophe von Tschernobyl. Über 90 Prozent der dort eingesetzten Aufräumarbeiter seien heute krank und mehr als 100.000 der jungen Männer und Frauen aus der betroffenen Region verstarben, bevor sie ihr 50. Lebensjahr erreicht hatten.

Uran für Japan aus dem Westfälichen Gronau?

Matthias Eickhoff (Anti-Atom-Plenum Münster) verwies in seinem Redebeitrag auf die Mitverantwortung deutscher Firmen für die Atomkraftwerke in Japan. So habe die britisch-niederländisch-deutsche Firma Urenco auch von der Urananreicherungsanlage in Gronau aus in früheren Jahren japanische Reaktoren mit angereichertem Uran beliefert. Auch das japanische Kraftwerk Fukushima werde in einer Kundenliste der Urenco erwähnt. Ein Sprecher des Gronauer Werks hatte gegenüber der Lokalpresse bestritten, dass aus Gronau Brennelemene an das Atomkraftwerk Fukushima geliefert worden seien. Da Urenco außer im westfälischen Gronau auch im niederländischen Almelo sowie im britischen Capenhurst produziert, ist auch eine Belieferung von diesen Standorten aus möglich. An der Urenco sind das RWE und Eon beteiligt.