Ein im wahrsten Sinne des Wortes kurzes Gastspiel lieferte sich der Maler Friedensreich Hundertwasser 1959 an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg, seine Tätigkeit als Gastdozent endete mit einem Polizeieinsatz und einem handfesten Skandal. Was war geschehen?

Die endlose Linie von Hamburg

Hundertwasser hatte die Abwesenheit der Direktion genutzt, um eine Demonstrationsveranstaltung gegen die ungeliebte Gerade zu starten. Mit sieben seiner Studenten und einigen Getreuen nahm der neue Dozent in der Kunsthochschule eine Tag- und Nachtaktion in Angriff: Aus Protest gegen die gerade Linie, die er als "gottlos und unmoralisch" bezeichnete, weil sie in der Natur nicht vorkomme ordnete er an, im Klassenzimmer eine krumme, also handgezogene Linie zu zeichnen, die ohne Anfang und Ende und damit "weltumspannend" sein sollte. Über zehn Kilometer zog sich das geschlängelte Werk quer über Heizungen, Türen, Fenster und Wände. „Am besten wäre es, wenn die Linie wie eine Schlingpflanze die ganze Akademie umschlösse. Aber die Leute sehen ja nicht den Ernst der Sache.." klagte der Künstler.

Es ging ihm dabei nicht um ein bloßes Experiment, sondern um die Verwirklichung seiner Philosophie und seines Weltbildes. Hundertwasser hatte früh die krankmachende Wirkung quadratischer-praktisch-guter Häuserblocks erkannt und bezeichnete das Architekturlineal, das diese geraden Linien entworfen hatte, gar als Mordwaffe. Die "endlose Linie von Hamburg" sollte ein Hilfeschrei an die Welt sein, ein Hilfeschrei an alle Häuserverunstalter und gedankenlosen Architekten. Damit diesen auch möglichst viele zu Ohren bekamen, hatte Hundertwasser, Presse, Funk und Fernsehen eingespannt. Durch die Medien erfuhr schließlich die Direktion von der Aktion und ließ durch einen Polizeieinsatz das Weiterzeichnen der Linie verhindern. Ein Eklat, der auch Hundertwassers Gastspiel jäh beendete.

Die Spirale als Symbol der Endlosigkeit

Bereits 1953 hatte der Künstler die erste Spirale gezeichnet. Diese Form war für den Künstler nicht bloße Verspieltheit, sondern künstlerischer Ausdruck für den endlose, immer weitergehenden Kreislauf der Natur und des Lebens. Sie findet sich auf Briefmarken, Plakaten und Hauswänden, ja ganze Gebäudekomplexe entwarf der Künstler in Spiralform, man denke an die Thermen in Blumau oder die Waldspirale in Darmstadt.

Meist malte der Künstler diese Spirale doppelt, einmal von innen nach außen und dann, in einer gegensätzlichen Farbe eine zweite, die sich wieder hinein ins Zentrum, also zurück zu Ursprung schlängelt. Durch diese Farbgestaltung zieht das Bild den Betrachter förmlich in sich hinein wie in einen Tunnel, so zum Beispiel "Der große Weg" (1955).

Die krumme Linie in Hundertwassers Gebäuden

Wo immer Hundertwasser bei der Gebäudegestaltung mitgewirkt hat, sei es bei der Planung eines neuen Projektes oder bei der Umgestaltung bestehender Fassaden, war die krumme Linie wohl das augenscheinlichste Element. Sie zeigt sich bei neuen Gebäuden schon in der Gesamtform der Anlage, sie findet sich in unebenen, welligen Fußböden, Wölbungen an den Wänden und Dachbegrünungen oder schwingt sich als buntes Keramikband an Außen- und Innenfassaden entlang der von ihm entworfenen Gebäude. Sie umrandet Fenster, Türen und Durchgänge. Sie künden von Hundertwassers Lust, dass Kunst etwas Schönes und Belebendes sein soll, das den Menschen Freude macht, denn „Hässliches“ so äußerte er einmal, gebe es schon genug.

Warum Hundertwasser meist gestreifte Kleidung trug

Als zweite Haut trug der Maler mit den fünf Häuten mit Vorliebe gestreifte Hemden und Hosen. Dies klingt zunächst paradox, da er die gerade Linie so hasste, doch der Künstler hat seine Gründe: Er liebte es, wenn die Streifen den Bewegungen des Körpers folgten und somit stets neue Formen bildeten, die stets gekrümmt waren. Auch viele seiner Bilder bestehen aus Reihen, von gekrümmten Streifen, die er mit verschiedenen Farben ausfüllte.

Quellen

Galerie der Arte Restaurants

Restany: Hundertwasser, der Malerkönig mit den fünf Häuten, Köln 2001