Noch bis ins 18. Jahrhundert war der Vampirglaube auch in Deutschland stark verbreitet. Der Vampir wurde damals noch als furchterregende Kreatur gesehen, die Seuchen verbreitete und den Menschen das Blut in den Adern gefrieren ließ. Die damalige Angst vor Vampiren führte sogar zu Ausgrabungen verdächtiger Gräber und ein erneutes „Töten“ und Verbrennen noch nicht verwester Leichname. Mit dem Vormarsch der Wissenschaft verschwand allmählich auch der Glaube an die Existenz eines solchen Geschöpfes, doch bis in die Gegenwart, und jetzt anscheinend mehr denn je, fasziniert der Mythos Vampir die Menschheit.
Der Vampir in Kino und Fernsehen – Von Dracula bis Buffy
Bram Stoker war es, der dem Vampir sein erstes Gesicht verlieh – mit dem Namen Graf Dracula. Im 20. Jahrhundert eroberte der Graf mehrmals die Leinwände als schreckenerregende Horrorfigur, der man im Dunkeln eher nicht begegnen wollte.Eine der angsteinflößendsten Darbietungen lieferte sicherlich Klaus Kinski im Jahre 1979 in der Neuverfilmung von „Nosferatu“ unter der Regie von Werner Herzog.
In den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts begeisterte die Vampirjägerin Buffy Millionen von Zuschauer. Buffy war damals sozusagen eine Pionierin: die erste Liebesgeschichte zwischen einem Vampir und einem Menschen im Fernsehen. Wie es heute scheint, haben Buffy und Angel damit wahrlich eine Lawine losgetreten. Die Beziehung zwischen Buffy und ihrem Vampir mit dem Namen „Engel“ war damals noch gnadenlos zum Scheitern verurteilt , wodurch es dem Vampir nur noch übrigblieb sich in ein sogenanntes Spin Off (ein Ableger der ursprünglichen Serie) zu retten.
„Twilight“ versus „True Blood“
Doch nun leben wir im 21. Jahrhundert und es hat sich einiges getan in Sachen Vampirliebe. Als die Harry-Potter-Reihe einen Nachfolger brauchte, trat auf einmal Autorin Stephenie Meyer mit ihrer „Twilight“-Reihe auf den Schirm. Plötzlich tauchten „Bis(s) zum Morgengrauen“ und die Folgebände überall auf. Die große Popularität der Bücher führte natürlich zu einer Verfilmung. Zum jetzigen Zeitpunkt scheint die Beziehung auf der Leinwand zwischen Bella und ihrem vegetarischen Vampir Edward ganz gut zu laufen – ein paar Mordattacken ausgenommen.
In 2008, im selben Jahr, in dem „Twilight“ in die Kinos kam, wurde in Amerika außerdem erstmals die Fernsehserie „True Blood“ ausgestrahlt. Diese Serie basiert auf der Sookie-Stackhouse-Buchreihe geschrieben von der amerikanischen Autorin Charlaine Harris, deren erster Band im Jahre 2004, sogar noch ein Jahr vor dem ersten „Twilight“-Band, erschien. Zusätzlich ist das Angebot an Vampirserien wie „The Vampire Diaries“ schier unerschöpflich. Von allen Seiten scheinen die Vampire angeflogen zu kommen.
Die neue Generation Vampir
Und eines haben alle diese Serien, Filme und Bücher gemeinsam: die Liebe. Der Vampir des 21. Jahrhunderts hat – unter anderen Neuerungen – gelernt zu lieben. So darf der Zuschauer nun anstatt in der Luft umherfliegenden Fleischfetzen die Alltagsprobleme und Fragen einer Vampir-Teenie-Beziehung beobachten. Wird er sie küssen oder essen? Das scheint die Frage zu sein, die die Leute brennend interessiert.
Längst ist der Vampir nicht mehr die grausame Kreatur, die sich am Schmerz und Leid seiner Opfer labt und von Mitgefühl nichts mehr weiß, seit sein menschliches Leben hinter ihm liegt. Der neue Vampir ist ganz im Gegenteil äußerst melancholisch und deprimiert ob des Verlustes seiner menschlichen Gefühlswelt. Die schöne, junge Maid rettet ihn aus Jahrzehnten der Einsamkeit und Verbitterung und lässt sein Herz wieder schlagen – zumindest auf metaphorischer Ebene.
Der Vampir – Grausamer Jäger oder Opfer seiner Instinkte?
Der neue Vampir steht im ständigen Konflikt mit seinen niederen Instinkten. Er geht bis ans Äußerste, um seine Geliebte nicht zu verspeisen, da es gewöhnlich deren „leckerer“ Geruch ist, der zum Großteil für ihre Anziehungskraft verantwortlich ist. Überhaupt ist der Vampir nicht mehr der Jäger, der Freude an der Jagd hat, sondern viel mehr ein gequältes, bemitleidenswertes Tier, dass einfach nicht anders kann, als Menschen die Kehle aufzubeißen.
Die Stärksten unter den Vampiren der Neuzeit sind inzwischen sogar schon in der Lage sich „vegetarisch“ (von Tieren wie Bären oder ähnlichem) zu ernähren und in Harmonie mit dem Menschen zu leben. Graf Dracula hätte sich bei der Vorstellung sicherlich an den Kopf gegriffen und noch einmal herzhaft zugebissen.
Alles in allem ist der Vampir menschlicher geworden, sehr zum Leidwesen der Vampir-Community, all derer Fans des herzlosen, eiskalten Killers, die in Edward Cullen und Bill Compton gerade die verabscheuungswürdige Schwäche der Menschlichkeit bemängeln.
Warum lieben wir den Vampir?
Sind die Autorinnen der neuen Vampirbücher optimistisch oder einfach nur fehlgeleitet? Bestimmt scheint es vielen zweifelhaft, dass sich eine Bestie, die von Menschenblut lebt, auf diese Weise zähmen lässt.
Und warum scheint es uns so sehr zu gefallen, uns den Vampir als potentiellen Lebenspartner vorzustellen? Vielleicht sind wir insgeheim so besessen von den übermenschlichen Kräften des Vampirs, dass wir ihn uns zu Eigen machen wollen, um ein wenig an seiner Macht teilzuhaben. Vermenschlichen wir ihn nur deshalb, um unsere Liebe zu ihm zu rechtfertigen? Denn wer darf schon einen reuelosen Mörder lieben?
