
- Hybrid live beim Ultra Music Festival, Miami 2008 - Hybrid
Theoretisch hat jeder Medienkonsument schon die Musik von Hybrid gehört, auch wenn die Gruppe in Deutschland noch weitgehend unbekannt ist. Die britische Band, bestehend aus zwei DJs und wechselnden Gastsängern und Musikern, fusioniert seit über 15 Jahren elektronische Musik, Big Beat, Alternative, Filmsoundtracks und Orchestermusik in mitreißender Weise und untermalt Hollywood-Blockbuster, Werbespots und Remixe für Popgrößen.
Hybrid - der Beginn als Dancefloor-DJs
Hybrid wurde 1995 von den DJs Mike Truman, Chris Healings und Lee Mullin im walisischen Swansea gegründet. Abseits großer Dancefloor-Metropolen wie London oder Manchester veröffentlichten sie 1996 ihre Debütsingle "Fall Out Of Love". Danach folgten Beiträge auf Dancefloor-Samplern, Remixe für andere Künstler und Live-DJ-Sets.
Beeinflusst von der Dance Music der 1990er wie Techno, Breakbeat, Drum 'n' Bass, Trip Hop, House und Chill Out entwickelten sie ihre eigene Vision aus elektronischer Musik, epischen Filmsoundtracks und dem Einsatz von Sinfonie-Orchestern, wie 1999 auf dem Debütalbum "Wide Angle".
Hybrid – Film-Noir-Soundtracks mit Breakbeats und Orchester
Abseits vom überdrehten Big-Beat-Humor, Lifestyle-DJs oder Hitsingles zelebrierten sie mit Gastsängerin Julee Cruise epische, bis zu zehn Minuten lange elektronische Klanglandschaften mit monströsen Samples, wuchtigen Beats, grandiosen Melodien und dem perfekt integrierten Breitwandklang des Russian Federal Orchestra, quasi Klassikrock im DJ-Gewand von Progressive House und Breakbeats.
Mit den beiden Folgesingles kamen sie nah an die großen Hit heran – der mitreißende, musikalische Film Noir "If I Survive" mit Sängerin Cruise in Höchstform, und das elegische "Finished Symphony", ein traumhafter Instrumental-Track, Dauerbrenner auf Chill-Out-Samplern und eine deutliche Hommage an Massive Attack.
Ihre gerne bis zehn Minuten langen Singles verkörpern den formvollendeten Longtrack elektronischer Musik der 2000er Jahre, wie es New Order und Cabaret Voltaire in den 1980ern und Underworld und Orbital in den 1990er Jahren zelebrierten. 2000 stieg Lee Mullin aus, und 2002 veröffentlichte das Duo die Single "Kid 2000" mit Gastsängerin Chrissie Hynde von den Pretenders. Für ihr nächstes Album "Morning Sci-Fi" (2003) nahmen sie sich vier Jahre Zeit.
"Morning Sci-Fi" – das Meisterwerk von Hybrid
Mit den Gastsängern Adam Taylor und Kirsty Hawkshaw sowie New-Order-Bassist Pete Hook und Gitarrist Tim Hutton schafften sie ein komplexes Meisterwerk elektronischer Musik. Das Album bietet größtenteils instrumentale, virtuelle Soundtracks wie aus einem Science-Fiction-Film, die mit Orchester-Begleitung eine Reise durch ein psychedelisches, elektronisches Klangkosmos bestreiten.
"Morning Sci-Fi" brachte Hybrid weltweit Anerkennung, auch wenn keine der fünf hervorragenden Singles zum Charts-Hit wurde. Dafür wurde Hollywood auf Hybrid aufmerksam – Actionfilm-Regisseur Tony Scott ("Gladiator", "Black Hawk Down") und sein Soundtrack-Komponist Harry Gregson-Williams baten die beiden DJs 2003 ins Hollywood-Studio, um Teile der Filmmusik zum Blockbuster "Man On Fire" mit Denzel Washington einzuspielen.
Neben wuchtig verzerrten, instrumentalen Beats und Loops glänzte ihre Kooperation durch den ethnisch beeinflussten Titelsong mit Gastsängerin Lisa Gerrard von Dead Can Dance. Bis heute vertonte Hybrid Filmhits wie "Sin City", "The Spirit", "Vampire Diary", "Narnia", "Mr. & Mrs. Smith", "X-Men Origins: Wolverine" sowie zusammen mit Scott, Washington und Gregson-Williams die Action-Kracher "Deja Vu", "Die Entführung der U-Bahn Pelham 123" und "Unstoppable".
Musik von Hybrid in Film und Fernsehen
Dazu trugen sie eigenes Material ebenso bei wie Remixe der eigentlichen Komponisten wie Gregson-Williams oder John Murphy, mit denen sie eine musikalische Freundschaft verbindet. Die Sampler "Scores" (2005) und "Soundsystem 01" (2008) geben einen guten Einblick in die Remixe, Filmmusiken und Kollaborationen von Hybrid.
Dazu komponierten sie 2007 ihren ersten eigenen Soundtrack für den Film "Catacombs" und steuerten Songs und Titelmelodien für Fernsehformate wie Top Gear, Big Brother und CSI:NY ebenso bei wie für TV-Werbespots, Sport-Reportagen, Dokumentarfilme und Computerspiele. 2006 folgte das dritte Album "I Choose Noise", wiederum mit einer Reihe illustrer Gastmusiker – von Pete Hooks über das Seattle Session Orchestra bis zu den Sängern John Graham, Judy Tzuke, Kirsty Hawkshaw und Perry Farrell von Jane's Addiction auf dem epochalen Big-Beat-Track "Dogstar".
Einflüsse von Indie bis zu Filmsoundtracks
Die Vorliebe für Rock, Pop, Alternative und Folk kommt nicht von ungefähr – Hybrid bezeichnen als Einfluss weniger Electronica-Kollegen, sondern Bands wie Radiohead, New Order, Soulwax und The Doves ebenso wie Singer/Songwriter, klassische Komponisten wie Arvo Pärt and Alexander Gretchaninov und die Filmsoundtracks von Bernhard Herrmann, John Barry, Jerry Goldsmith und Lalo Schifrin.
Das zeigt sich an den über 100 Remixen für andere Künstler – neben der Bandbreite elektronischer Musik wie Jean-Michel Jarre, Gary Numan, The Orb oder Moby stehen auch R.E.M., Radiohead, Coldplay, U2, Madonna, Alanis Morissette, Kate Bush und Prince auf der Liste der Remixer und Produzenten. Dadurch näherte sich Hybrid stärker dem alternativen Rock, Akustikpop und klassischen Songstrukturen an. Mit der Gitarristin, Pianistin und Sängerin Charlotte James nahmen sie 2008 die Single "The Formula Of Fear" auf und engagierten die charismatische, hübsche Sängerin danach als festes drittes Mitglied.
"Disappear Here" – das aktuelle Album von Hybrid
Neben DJ-Sets als Duo spielen Hybrid seitdem mit fester Begleitband bei Open-Air-Konzerten, Kulturfestivals und auf Touren durch Großbritannien, Europa und die USA. 2010 folgte mit James das vierte Album "Disappear Here", bei dem die Big Beats, Samples und orchestralen Arrangements durch Gothic Rock, Alternative und akustische Balladen bereichert werden – vom episch-sakralen "Break My Soul" bis zur filmreifen Ballade des Titelsongs.
Für das fünfte Studioalbum will sich Hybrid nicht wieder vier Jahre Zeit lassen, sondern es kommendes Jahr veröffentlichen. Bis dahin tourt die Band viel, remixt, produziert und komponiert für weitere Soundtracks. Und als wären die scheuen Musiker aus dem malerischen Swansea noch nicht genug ausgelastet, vertreiben sie zusätzlich selbst gestaltete T-Shirts über ihre Website.
Mehr Infos über Hybrid sowie Songs und Tourdaten finden sich auf ihrer Website und ihrer Soundcloud, bei Facebook und bei Twitter.
Form und Funktion – Hybrid bei YouTube:
Hybrid und Julee Cruise – If I Survive (Video zur Singleversion, 1999)
Hybrid – Finished Symphony (Fanvideo zur Singleversion, 1999)
Hybrid und Lisa Gerrard – Man On Fire (Soundtrack, 2003)
Hybrid und Harry Gregson-Williams – Humvee Chase (aus dem Film "Deja Vu", 2006)
Hybrid und Charlotte James – The Formula Of Fear (Live 2007)
Hybrid und John Graham – Choke (aus der Comic-Verfilmung "The Spirit", 2008)
Hybrid – Can You Hear Me Now? (Videoclip, 2010)
Hybrid – Break My Soul (Videoclip, 2010)
