Hybridkraftwerk Prenzlau in der Uckermark eingeweiht

Windturbine in Bau - Enertrag AG
Windturbine in Bau - Enertrag AG
Das Hybridkraftwerk Prenzlau ist ein Pilotprojekt für grundlastfähige Windkraftwerke. Wasserstoff wird erzeugt und als Energiespeicher genutzt.

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) eröffnete am 25. Oktober 2011 in Prenzlau ein Hybridkraftwerk des Windenergieunternehmens Enertrag. Das bezeichnet die Anlage als Hybridkraftwerk. Es soll nach den Worten des Betreibers das erste Wasserstoff-Verbundkraftwerk weltweit sein.

Das Hybridkraftwerk Prenzlau

Das Hybridkraftwerk Prenzlau vernetzt die Energiequellen Wind, Wasserstoff und Biogas zu einem Verbund. Dabei werden die spezifischen Vorteile dieser Energiequellen optimal genutzt: Der von drei Windturbinen gelieferte Strom wird zu einem Teil für die Herstellung von Wasserstoff durch Hydrolyse genutzt. Bei dieser Form der Wasserstoffgewinnung entsteht, im Gegensatz zur klassischen Wasserstoffabspaltung aus Erdgas, kein klimaschädliches Kohlendioxid.

Dieser grüne und schon sehr reine Wasserstoff wird zwischengespeichert und in Zeiten hoher Nachfrage nach Elektroenergie und geringem Windenergieangebot in einem Blockheizkraftwerk zur Erzeugung von Strom- und Wärme genutzt. Dieses Blockheizkraftwerk nutzt als Brennstoff im Regelfall ein Gemisch aus 70 Prozent Biogas und 30 Prozent Wasserstoff.

Ist wegen langer Flaute kein Wasserstoff mehr verfügbar, dann kann das Blockheizkraftwerk auch allein mit Biogas betrieben werden. Außerdem wird der Wasserstoff auch an den Wasserstoff-Tankstellen von Total in Berlin verkauft. Damit ist regenerativ erzeugter Wasserstoff aus der Uckermark für eine Mobilität ohne Emission von Kohlendioxid in der Hauptstadt verfügbar.

Die beteiligten Unternehmen

Anlässlich des Abschlusses einer Kooperationsvereinbarung zwischen den beteiligten Unternehmen Enertrag, Total und Vattenfall sagte Ministerpräsident Matthias Platzeck: „Der Brandenburg kürzlich zum zweiten Mal verliehene ‚Leitstern’ als bestes Bundesland im Bereich Erneuerbare Energien ist Anerkennung, aber auch Ansporn. Wir wollen mit der Weiterentwicklung unserer Energiestrategie den Anteil der Erneuerbaren Energien an unserem Primärverbrauch bis 2020 auf über 20 Prozent bringen. Das klappt nur, wenn alle an einem Strang ziehen. Deshalb freue ich mich über die Kooperation der drei großen Unternehmen. Brandenburg wird bei solchen Projekten auch künftig ein zuverlässiger Partner und Unterstützer sein.“

Bei dieser Gelegenheit erklärte Enertrag-Vorstand Werner Diwald: „Die Grundlastfähigkeit erneuerbarer Energien ist eine der zentralen Herausforderungen beim Umbau der deutschen und europäischen Energiesysteme. Mit unserem Hybridkraftwerk liefern wir eine Lösung zur Speicherung großer Energiemengen aus Windkraft und schaffen mit dem Einstieg in die Wasserstoffwirtschaft zugleich Lösungen auch für die Bereiche Mobilität und Wärme. Enertrag ist stolz darauf, diese Aufgaben gemeinsam mit ihren Partnern Total Deutschland und Vattenfall anzupacken.“

Hans-Christian Gützkow, Geschäftsführer Total Deutschland, erläuterte: „Wir sind davon überzeugt, dass Wasserstoff als Antriebsenergie für Fahrzeuge zukünftig eine wichtige Rolle einnehmen kann. Deswegen erweitert Total im Rahmen der Clean Energy Partnership (CEP) sein Engagement mit zwei weiteren Wasserstoff-Tankstellen an der Heidestraße im Herzen Berlins und in der Hauptstadtregion am neuen Flughafen Willy Brandt. Wir freuen uns, dass Enerzrag mit dem Hybridkraftwerk sozusagen „heimischen“ Treibstoff herstellen wird – Windstrom aus der Uckermark sorgt für grünen Wasserstoff an Berliner Zapfsäulen. Auch die BVG wird dadurch in der Hauptstadt mit Ihren Wasserstoff-Bussen CO2-frei unterwegs sein.“

Dr. Oliver Weinmann, Geschäftsführer der Vattenfall Europe Innovation: „Wir freuen uns, jetzt als Kooperationspartner unser Know-how in dieses Pionierprojekt einbringen zu können. Denn der Ausbau der Stromerzeugung aus Windkraft ist zentraler Bestandteil unserer Konzernstrategie. Umso bedeutender werden künftig Konzepte zur Speicherung von Windstrom. Das Hybridkraftwerk ist ein hochinteressanter Ansatz in dieser Richtung, denn Wind-Wasserstoff-Systeme sind eine attraktive Möglichkeit zur Pufferung fluktuierender Windenergie.“

Als weiterer Partner ist inzwischen die Deutsche Bahn an dem Projekt beteiligt. Die will den Anteil an regenerativem Strom für ihr Netz ausbauen. Für das Hybridkraftwerk werden rund 10 Millionen Euro investiert. Dieses Pionierprojekt fördern das Land Brandenburg und das Bundesverkehrsministerium.

Die Vorteile des Hybridkraftwerks Prenzlau

Mit dieser Anlage entsteht ein Kraftwerksverbund, der mit hoher Verfügbarkeit Grundlast für das Elektroenergienetz liefern kann. Damit wird ein Pferdefuß der Erzeugung regenerativer Energie aus Wind und Sonne beseitigt. Durch die Beteiligung von Biogas wird diese Sicherung der Grundlastfähigkeit auch über lange Zeiten erreicht.

Der erzeugte Wasserstoff ist von hoher Reinheit und, wie schon oben ausgeführt, ohne Abgabe von Kohlendioxid in die Atmosphäre erzeugt. Er ist damit wirklich ein regenerativer Energieträger. Seine Reinheit macht ihn ohne zusätzlichen Aufwand für den Betrieb von Brennstoffzellen nutzbar.

Quellen: Enertrag AG: Das Hybridkraftwerk, Staatskanzlei Brandenburg, Total AG: Wasserstoffprojekte, Vattenfall Europe Innovation GmbH: Wasserstoff-Hybrdkraftwerk