
- Leiharbeit - nein Danke! - Fine-Art.de / pixelio
Eine Studie zum Thema Leiharbeit, die vom IAB (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung) veröffentlicht wurde, bringt es auf den Punkt: "Leiharbeiter und befristet Beschäftigte fühlen sich schlechter in die Gesellschaft integriert als unbefristet Beschäftigte." Laut dieser Studie empfinden Selbständige am stärksten, ein vollwertiger Teil der Gesellschaft zu sein.
Leiharbeit schränkt die Lebensqualität der Betroffenen ein
Zeitarbeiter sind, obwohl sie die gleichen oder manchmal sogar niveauvollere Aufgaben zu erledigen haben als ihre privilegierten fest angestellten "Kollegen", auch in Bezug auf Urlaub und Überstundenregelungen schlechter gestellt. Überstunden werden vom Verleiher meist auf die Kündigungsfrist angerechnet, Gleiches gilt für den Urlaub. Sie sind von zusätzlichen sozialen Leistungen, die der Entleiherbetrieb bietet, gänzlich ausgeschlossen und haben weder Anspruch auf Prämien noch auf tarifliche Lohnerhöhungen. Erst ab einer Zugehörigkeit von mindestens einem Jahr erwirbt der Leiharbeiter einen Anspruch auf einen minimalen Betrag an Urlaubsgeld. De facto tritt dieser Zustand nie ein, weil dem Zeitarbeiter vom Verleiher meist rechtzeitig gekündigt wird.
Verzweiflung auf "After Work Partys" ...
.. und auf Demonstrationen, wo die Betroffenen ihrer Verzweiflung und ihren Zukunftsängsten freien Lauf lassen können. Viele Menschen nehmen irrtümlich an, der Leiharbeiter sei mit seinem Dasein zufrieden. Die gleichen Angestellten mit einem unbefristeten sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis sind auch der Meinung, der Zeitarbeiter habe froh zu sein, überhaupt Arbeit zu haben. Leiharbeit nützt eben nicht nur den Entleihern, den Verleihern, sondern auch dem Personalstamm des "Kundenbetriebs". Der Leiharbeiter garantiert, dass der fest Angestellte ohne Probleme auch für längere Zeiten vom Arbeitsplatz abwesend sein kann. Kommt er genesen oder vom Urlaub zurück, findet er seinen Arbeitsplatz in bester Ordnung wieder vor. Auch mangelnde Kompetenz des Stammpersonals, das in Deutschland in Betrieben ab zehn Mitarbeitern Kündigungsschutz genießt, kann mit gut ausgebildeten Leiharbeitern kaschiert werden.
Die moderne Leiharbeit - eine Folge des "Raubtierkapitalismus"
Die befristet Angestellten müssen mit einem freundlichen Lächeln auf dem Gesicht auch unzumutbare Arbeit und Mehrarbeit akzeptieren, weil sie wissen, dass bei Leiharbeitsverhältnissen allein die "Vogel friss oder stirb" - Mentalität herrscht. Katastrophal ist die Situation bei Menschen ohne abgeschlossene Ausbildung oder mit abgebrochenem Studium, die heutzutage praktisch chancenlos sind. Obwohl das "System Zeitarbeit" ursprünglich eigentlich für die Integration in den Arbeitsmarkt dieser Zielgruppe, die auf diesem Wege bei einem potentiellen Arbeitgeber ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen konnte, gelobt wurde. Die Liste der Schikanen, denen Zeitarbeiter ausgesetzt sind, ist lang. Da werden beispielsweise Leiharbeiter abgezogen, wenn sich eine Übernahmeoption im Kundenbetrieb für sie angebahnt hat. Dann geht es vor Gericht - Kündigungsschutzklage, wenn das Leiharbeitsverhältnis mehr als sechs Monate bestanden hat.
Negative Folgen für die Gesundheit
Die durch die Zeitarbeit bedingte mangelnde Identifikation mit dem Arbeitsplatz führt zur psychischen und physischen Erschöpfung. Der ständige Prozess Leiharbeitsplatz, Arbeitslosigkeit und erneuter Bewerbungsprozess zermürbt die Betroffenen. Das (mangelnde Integrations-)"Empfinden fördere außerdem aggressives und strafbares Verhalten und verringere die Motivation, anderen zu helfen und sich sozial und politisch zu engagieren", ist in der IAB-Studie zu lesen. Diese Wahrnehmung, betonen die Wissenschaftler, „hat konkrete Folgen für die Gesundheit und das Handeln von Menschen“. Psychologischen Untersuchungen zufolge sei das Gefühl, ausgeschlossen zu sein, durchaus vergleichbar mit körperlichen Schmerzen. „Zudem werden logisches Denken und die Wahrnehmung von Zeitstrukturen beeinträchtigt, und die Betroffenen erkennen seltener einen Sinn im Leben“, so die Autoren der Studie.
Geringere Teilhabe am sozialen Leben
Da soziale Netzwerke, die für die psychische Gesundheit sehr wichtig sind, vielfach auch den Arbeitsplatz mit einbeziehen, haben auch hier Leiharbeiter die schlechteren Karten. Von betrieblichen Festivitäten während und nach der Arbeitszeit sind sie meist ausgeschlossen. Schon eine E-Mail-Adresse mit .ext kann das Gefühl, dass man sich ausgeschlossen fühlt, verstärken. Einen ähnlichen Effekt hat es, wenn Zeitarbeiter Neuzugängen des Stammpersonals nicht einmal namentlich vorgestellt werden.
Zeitarbeit ohne "Klebeeffekt"
Laut IAB hat sich die Zahl der Zeitarbeiter seit 2004 mehr als verfünffacht - auf zuletzt annähernd eine Million. Mehr als die Hälfte von ihnen sind weniger als drei Monate im Einsatz - und verdienen im Schnitt 20 Prozent weniger als die Stammbelegschaft, hat das Institut unter dem Dach der Bundesagentur für Arbeit herausgefunden. Das Argument pro Zeitarbeit, dass Leiharbeit in ein unbefristetes sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis münde, ist von der IAB Studie entkräftet worden. Die Wissenschaftler sahen dies nur in Ausnahmen bestätigt.
Das BAG-Urteil als ausgleichende Gerechtigkeit
Das Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 14. Dezember 2010, das die christlichen Zeitarbeitstarife auch rückwirkend für null und nichtig erklärt hat, verspricht wenigstens in Bezug auf die finanzielle Situation Abhilfe.
Arbeitnehmerfreizügigkeit und EU-Osterweiterung
Arbeitsfähige Menschen sollten in jedem Fall ihre wertvolle Arbeitskraft dem Zugriff der Verleiher entziehen. Ohne die Arbeitskraft der als Leiharbeiter Missbrauchten kann die deutsche Wirtschaft nicht existieren. Die Panikmache durch die EU-Osterweiterung und den Zustrom von "billigen" Arbeitskräften aus dem Osten kann entkräftet werden, da die Wirtschaft vor allem gut ausgebildete Fachkräfte, wie es sie in Deutschland gibt, benötigt. Akzeptieren Osteuropäer schlecht bezahlte Jobs zum Beispiel in der Baubranche, dann nutzen sie diese als Sprungbrett für eine Weiterqualifizierung, spätestens jedoch beim Nachwuchs peilen sie ausschließlich die hoch bezahlten Jobs in Deutschland an.
Besser selbständig als "Arbeitssklave"
Die Erkenntnis der IAB-Studie, dass Selbständige sich am stärksten vollwertig in der Gesellschaft fühlen, sollte ein Anlass zum Nachdenken sein. Lieber selbständig als Fahrlehrer als Leiharbeiter? Wer jedoch über eine abgeschlossene Ausbildung wie Industriekaufmann verfügt, bekommt eine Umschulung vom Arbeitsamt nicht bezahlt, wenn er beim Arbeitsamt als arbeitssuchend gemeldet ist. Eine Finanzierung über BAFöG kann hier bei jungen Menschen in Betracht gezogen werden. Der Weiterqualifizierungstrend der Schüler und auch der Erwachsenen ist ungebrochen. Als Sprachlehrer bei Volkshochschulen oder im privaten Einzelunterricht kann man ein Gehalt erzielen, das mit einem Zeitarbeitergehalt locker konkurrieren kann. Als Tagesmutter tätig werden? Das Internet bietet eine Hülle und Fülle von Möglichkeiten, sein Geld als Selbständiger zu verdienen. Unerlässlich ist jedoch in jedem Fall, sich ausreichend zu informieren.
Tipp
Wenn man trotzdem den Einstieg, zum Beispiel in das Büroarbeitsleben, über eine Zeitarbeitsfirma versuchen möchte, sollte man sich nur auf Anzeigen von Verleiherfirmen bewerben, die eine Übernahmeoption anbieten.
