Ibiza, das Piratennest

Die Freibeuter haben ihre Spuren hinterlassen

Teil eines raffinierten Warnsystems - pixelio.de
Teil eines raffinierten Warnsystems - pixelio.de
Piraten haben auf Ibiza Geschichte geschrieben. Sie attackierten die kleine Insel und waren dann doch ihre Rettung.

Es gab eine Zeit, da lagen Ibiza und Formentera verloren in der türkisblauen Weite, vom Festland vergessen. Kolumbus hatte die Neue Welt entdeckt, andere Handelswege zogen jetzt das Interesse auf sich. Man schrieb das 16. Jahrhundert und im Mittelmeer herrschten die Piraten. Sie enterten die Inseln, verwüsteten ganze Dörfer, raubten Menschen und verkauften sie auf Sklavenmärkten. Formentera wurde zeitweise vollkommen entvölkert.

Die Wehranlage von Eivissa

Doch die Inselbewohner ließen sich nicht einschüchtern „Man muss Ibiza für alle Zeiten uneinnehmbar machen“, beschloss Spaniens König Philipp II. und befahl 1556 den Neubau der mächtigen Festung von Eivissa. Es entstand eine Wehranlage wie sie zuvor noch niemand errichtet hatte. Schräge Mauern, zwei Kilometer lang, bis zu 20 Meter hoch und drei Meter dick. Fünfeckige Bollwerke, die Schüsse aus jedem Winkel ermöglichten, die jeden Ansturm überdauerten und immer noch so dastehen wie damals. Im Schutz der Anlage kam auch die legendäre Steinschleuder zum Zuge, jene Wunderwaffe, mit der die Einwohner der Balearen ganze Schiffe versenkten.

Ein raffiniertes Warnsystem

Unterdessen wurde Ibizas Küstenlinie zu einem ausgeklügelten Warnsystem, dem man noch heute bei vielen Wanderungen begegnet: Um die Piraten frühzeitig zu erspähen, bauten die Insulaner Verteidigungstürme an der ganzen Inselküste. Sobald ein Schiff am Horizont erschien, wurden Signale gegeben – Rauchzeichen am Tage, Lagerfeuer bei Dunkelheit. Damals stand immer ein anderer Turm in Sichtweite, der die Zeichen dann weitergab. So pflanzten sich die Warnfeuer rasch um die Insel fort, und die Einwohner verschanzten sich in den Wäldern.

Festungskirchen und Wehrdörfer

Viele suchten auch Schutz in den Festungskirchen, ein weiteres Zeugnis der barbarischen Zeiten, Gotteshäuser und Piratenschutz zugleich, teilweise mit Kanonen auf dem Dach. Die Kirche von Sant Jordi trägt sogar die typischen Wehrzinnen. In Santa Eulália liegt die Kirche strategisch günstig, auf dem Puig d’es Missa, wie eine kleine Burg. Auch die Bauern sicherten ihre Höfe, manch einer errichtete meterdicke Schutzmauern und Türme, so dass ganze Wehrdörfer entstanden. Die Siedlung Balàfia bei Sant Llorenç zeigt das noch sehr deutlich.

Der Spieß wird umgedreht

Ganz Ibiza verteidigte sich gegen die Piraten. Aber nicht jeder weiß, dass die Insulaner den Spieß schließlich umdrehten und selbst auszogen, um Schiffe zu entern. Fast jeder Ibizenko soll einen namhaften Freibeuter unter seinen Urahnen haben. Der prominenteste von ihnen ist Antonio Riquer, er kaperte 1806 das Schiff Felicity des englischen Korsaren „El Papa“.

Bis ins 19. Jahrhundert machen Ibizas Freibeuter das Mittelmeer unsicher, und zwar ganz legal. Ihre Majestät höchstpersönlich erteilte die Erlaubnis, den sogenannten Kaperbrief, denn Spanien hatte damals keine Kriegsmarine. So hielten die Piraten seine Hoheitsgewässer von Feinden frei, vollbrachten wahre Heldentaten – und profitierten selbst noch davon: Die ibizenkischen Schebeken waren wendige, kleine Schiffe, brachten gute Beute und Gefangene heim. Damit erlangten die Pityusen neuen Wohlstand; die Wiederbesiedelung Formenteras soll allein deswegen möglich gewesen sein.

Das Ende des wilden Treibens

Am 30. Mai 1856 beschlossen die damaligen Großmächte dann das Ende des wilden Treibens. Spanien weigerte sich zwar zunächst, zu unterschreiben, man erklärte, dies beeinträchtige die nationale Verteidigung zu sehr. Dennoch soll sich das Land fortan ehrenhaft an die Vereinbarung gehalten haben und unterschrieb sie schließlich doch - im Jahre 1908.

So geschah es, dass die Korsaren auf Ibiza regelrechten Ruhm erlangten. Das bestätigt das Denkmal „Ibiza a sus Corsarios“ im Hafen von Eivissa: Ibiza errichtete es zu Ehren ihrer Piraten.

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