
- Ich liebe mein Kind und meinen Job - Sonja Mahr
Vor der Geburt war doch alles so perfekt geplant – der Wiedereinstieg in den Job nach der Babypause – mit 50 Prozent der Arbeitszeit, vormittags oder nur ein, zwei Tage pro Woche in Vollzeit arbeiten und den Rest erledigt man flexibel, online von zu Hause.
Ob nach einem, zwei oder drei Jahren Babypause, der Tag des Wiedereinstiegs kommt und wird von den meisten heiß ersehnt. Endlich wird auch wieder die geistige Fähigkeit gefordert, die Gesprächspartner sind erwachsene Menschen im Arbeitsumfeld und nicht andere Eltern in Krabbelgruppen, man kann endlich wieder Dinge bewegen und der eigene Verdienst ist natürlich auch ein feiner Nebeneffekt.
Doch wie all zu oft im Leben kommt alles anders als geplant: Erschrocken stellt man fest, dass sich eigentlich nichts geändert hat, vielleicht liegen sogar manche Projekte, die es auch schon vor der Geburt des Kindes gab, unverändert und unangetastet auf dem Tisch eines Kollegen oder einer Kollegin. Die Dinge, die vor dem Ausstieg schon gestört haben, sind noch schlimmer geworden. Keiner sieht, wie sich das eigene Leben verändert hat. Vielleicht werden auch Absprachen, die vor der Geburt so locker vereinbart wurden, nicht eingehalten und die Arbeitszeiten und inhaltlichen Verantwortlichkeiten sind völlig anders. Keiner sieht welche organisatorische Meisterleistung jeden Morgen vollbracht werden muss, dass man selbst geduscht, mit gebügelter Kleidung, einem hübschen Make Up um 8 Uhr 30 am Arbeitsplatz sitzt und das Kind mit einem gesunden Frühstück im Bauch im Bällebad der KITA herumspringt.
Nur Mut
Dieser Beitrag soll Müttern, die den Schritt des Wiedereinstiegs noch vor sich haben, keine Angst machen. Genauso wenig wie er Müttern, die diese Erfahrung teilen, Futter für ihre Unzufriedenheit geben soll. Er soll zeigen, dass viele Frauen diese Erfahrung machen und dass der Wiedereinstieg in den Job eine Zeit der bewussten Veränderung ist und nicht der unbewussten Rückkehr in alte Gewohnheiten.
Zeit der (Neu-)Orientierung
Die Babypause ist ein wirklicher Ausstieg. Man selbst hat sich durch das Kind weiterentwickelt, das ganze Leben hat sich verändert und da ist es nur normal, dass auch der Job nicht mehr so sein wird wie früher. Das soll nicht heißen, dass die Karriere mit einem Kind beendet ist, nein, ganz und gar nicht. Das soll nur verdeutlichen, dass der Wiedereinstieg eine Veränderung im Leben ist, eine Phase der (Neu)Orientierung. Es ist wichtig sich dessen bewusst zu sein und sich ganz bewusst die Fragen zu stellen:
- Was will ich?
- Was kann ich?
- Was ist mir an meiner Arbeit wichtig?
- Und wie kann ich meine Vorstellungen in die Tat umsetzen?
Die Antworten sind so vielfältig wie die Kinder, die in den Babypausen zu Krabbel- oder Kleinkindern geworden sind. DIE Alternative gibt es nicht. Für eine ist die Selbständigkeit das richtige Modell, für die andere ist es ein Jobwechsel, für die nächste ist es eine neue Position innerhalb des Unternehmens, für die nächste ist es der erneute Ausstieg für eine Fortbildung. Was ist Ihr Modell?
Wichtig ist der Austausch mit anderen Müttern, anderen Wiedereinsteigerinnen und die bewusste Auseinandersetzung mit der Situation und den eigenen Zielen. Steuern Sie Ihr Leben selbst und lassen sich nicht von anderen in Bahnen drängen, die Sie gar nicht wollen. Sie sind Frau Ihres Lebens und weder Klagen noch ewige Unzufriedenheit sind der richtige Weg.
