Ich weiß, wer mich getötet hat – Psychothriller mit Lindsay Lohan

Auch Lindsay Lohans Strips in Strapse halfen nichts: Chris Sivertson Psychothriller "Ich weiß, wer mich getötet hat" avancierte zum Flop 2007. Zu Recht?

Steiler Aufstieg, tiefer Fall. Hollywoods einstiger Darling Lindsay Lohan kann davon ein Lied singen. Filme wie „Herbie: Fully Loaded – Ein toller Käfer startet durch“ oder „Zum Glück geküsst“ hievten sie in die oberste Etage der Star-Liga. Nebenher baute sie eine erfolgreiche Karriere als Sängerin auf – ihre Single „I Live for the Day“ stieß bis auf Platz 2 der US-Charts vor – und war das Werbegesicht eines Modehauses.

„Ich weiß, wer mich getötet hat“: Totalflop für Lindsay Lohan

Doch 2007 geriet für die New Yorkerin zum Horrorjahr. Wegen Trunkenheit am Steuer, Drogenbesitzes und Fahrens ohne Führerschein musste sie sich vor Gericht verantworten und der Psychothriller „Ich weiß, wer mich getötet hat“ entwickelte sich zum Totalflop. International spielte der Film kaum zehn Millionen Dollar ein, kassierte dafür im Gegenzug die Rekordanzahl von acht „Goldenen Himbeeren“, darunter gleich drei für Lohan. Mehr „Anti-Oscars“ hatte nicht einmal John Travoltas „Battlefield Earth“ eingeheimst. Ist "Ich weiß, wer mich getötet hat" tatsächlich noch mieser als Travoltas inzwischen legendärer Science-Fiction-Trash oder ist der Thriller besser als sein zweifelhafter Ruf?

Verruchte Stripperin oder brave Schülerin?

Die junge Aubrey (Lindsay Lohan) ist nicht nur hübsch und an der Schule beliebt, sondern auch eine begabte Freizeitautorin und Pianistin. Kein Wunder, dass ihre reichen Eltern Susan (Julia Ormond) und Daniel (Neal McDonough) Fleming stolz auf sie sind. Doch innerhalb weniger Tage wird das Leben der glücklichen Familie völlig auf den Kopf gestellt. Nachdem die Leiche einer vermissten Schülerin aufgefunden wird ist klar, dass ein mörderischer Psychopath sein Unwesen treibt. Ausgerechnet Aubrey wird sein nächstes Opfer. Der mysteriöse Killer entführt und foltert sie. Doch die junge Frau kann entkommen, erwacht nach langer Ohnmacht im Krankenhaus und muss entsetzt feststellen, dass ihr rechtes Bein und ihr rechter Arm amputiert wurden.

Damit nicht genug der Schrecken: Offenbar erkennt sie sogar ihre eigenen Eltern nicht mehr und behauptet, sie heiße Dakota Moss und verdiene sich als Stripperin in Nachtklubs ihre Brötchen. Steht Aubrey lediglich unter Schock oder hat sie einen völligen Gedächtnisverlust erlitten? Immerhin findet FBI-Agentin Julie Bascome (Garcelle Beauvais) heraus, dass in einer Geschichte von Aubrey eine gewisse Dakota Moss als Stripperin arbeitet. Da der nicht nur körperlich, sondern auch psychisch veränderten Aubrey/Dakota niemand glauben will, begibt sie sich auf die mühsame Suche nach ihrer eigenen Identität. Die gefundenen Antworten erschüttern nicht nur sie selbst und ihre Eltern, sondern bringen sie auch in Lebensgefahr …

„Ich weiß, wer mich getötet hat“: Gegensätze ziehen einander an

So weit der Plot zu „Ich weiß, wer mich getötet hat“, der enormes Potenzial für einen spannenden Psychothriller böte. Tatsächlich schafft es Chris Sivertson zu Beginn des Filmes, für Nervenkitzel zu sorgen: Wer ist der sadistische Killer? Was hat es mit Aubrey/Dakota auf sich? Welches Geheimnis verbirgt Aubreys Vater vor seiner Tochter? Dabei setzt der Film auf den harten Gegensatz der beiden Charaktere Aubrey und Dakota. Während Aubrey eine brave, freundliche Schülerin mit hohen Ambitionen ist, erweist sich Dakota als verruchte, zynische junge Frau ohne Selbstwertgefühl.

Allzu offensichtlich reichte Lohans ohnedies nicht überragendes Schauspieltalent gerade einmal für die Verkörperung einer umschwärmten High-School-Schülerin aus. Die Darstellung der vom harten Leben gezeichneten Stripperin überforderte sie hingegen heillos, zumal ihr das einfallslose Drehbuch nur wenig Spielraum zugestand. Eine von der Welt verstoßene Stripperin, die wie ein besoffener Matrose auf Landgang flucht, raucht und undankbar jegliche Hilfe ablehnt – mehr an Klischees passt in eine solche Figur kaum noch hinein, ohne sie charakterlich zu übermästen.

Blausame Bilder

Nicht nur der Charakter der halbseitig amputierten Stripperin erstickt an überladenem Pathos: Auch die Regie mutet dem Zuschauer eine gehörige Portion Selbstgefälligkeit zu. So nett der Einfall, die kühle Farbe Blau als tragendes, inszenatorisches Motiv einzubinden, auch sein mag: Sivertson übertreibt maßlos und malt die halbe Welt in blauen Farben, ob es nun passend erscheint oder nicht. Wie man Blau nicht nur dezent, sondern vor allem auch wirkungsvoll einsetzt, exerzierte Gore Verbinski mit seinem „The Ring“-Remake vor.

Karneval absurder Plotwendungen

Neben Lindsay Lohans wenig überzeugender Schauspielkunst, selbstverliebter Inszenierung und klischeehaften Charakterisierungen, sind es vor allem die Plotwendungen, die „Ich weiß, wer mich getötet hat“ ins völlig Absurde gleiten lassen. Nun zeichnen sich Psychothriller für gewöhnlich nicht durch Realismus aus. Aber dermaßen an den Haaren herbeigezogene Plottwists wie in „Ich weiß, wer mich getötet hat“ findet der geneigte Zuschauer selten. Während etwas das Motiv des Serienkillers für die Entführung und Folterung Aubreys ans Parodistische grenzt, spottet die Erklärung für das Aubrey/Dakota-Paradoxon jeder Beschreibung.

Lindsay Lohans Strip in Strapse

Sex sells? Nicht immer: Im Vorfeld war groß über Lindsay Lohans Strip in „Ich weiß, wer mich getötet hat“ berichtet worden. Angeblich soll sie sogar Nachhilfestunden fürs erotische Tanzen an der Stange genommen haben. Falls dieses Gerücht stimmen sollte, hat sich die Nachhilfe nicht bezahlt gemacht. Sichtlich gelangweilt räkelt sich Lohans erschreckend dünner Körper um die Stange und provoziert die Frage, ob es bei einem Striptease denn nicht üblich sei, sich der Kleidung zu entledigen. Offenbar nicht, zeigt sich doch Lohan seltsam züchtig.

„Ich weiß, wer mich getötet hat“: Besser als sein Ruf, schlechter als sein Potenzial

Das Resümee nach etwas mehr als hundert streckenweise langweiligen Minuten könnte folgendermaßen lauten: „Ich weiß, wer mich getötet hat“ ist erheblich besser als sein Ruf und lässt Genretrash wie „Captivity“ klar hinter sich. Chris Sivertsons Thriller mit Mystery-Elementen ist jedoch weit davon entfernt, ein fesselndes Filmvergnügen zu sein. Das unausgegorene Drehbuch, eine überforderte Hauptdarstellerin und selbstverliebte inszenatorische Allüren des Regisseurs schöpfen das Potenzial des Streifens bei weitem nicht aus.

„Ich weiß, wer mich getötet hat“ versinkt nach anfänglichem Schwung in Mittelmäßigkeit und legt schlussendlich eine cineastische Bruchlandung hin, die vielleicht dem Umstand geschuldet ist, dass das ursprüngliche Ende nach Testaufführungen umgeschnitten worden war. Gerettet hat dies den von Kritikern verrissenen, vom Publikum verschmähten Film trotzdem nicht.

Fazit: Unspektakulärer Psychothriller von der Stange mit Protagonistin an der Stange. Streckenweise durchaus unterhaltsam und optisch ansprechend, insgesamt betrachtet aber sein Potenzial verschenkend. Für Genrefans interessant, für alle anderen entbehrlich.

Originaltitel: „I Know Who Killed Me“

Regie: Chris Sivertson

Produktionsland und -jahr: USA 2007

Filmlänge: ca. 103 Minuten

Verleih: Sony Pictures Home Entertainment

DVD-Veröffentlichung: 5. Juni 2008

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